Glosse
Wollen die Aadorfer Stadt werden, brauchen sie sicher keinen schönen Bahnhofplatz

Südsicht auf völlig überflüssige Pläne der grössten Hinterthurgauer Gemeinde – und ein paar Tipps für mehr Urbanität.

Olaf Kühne
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Mit einem romantischen Sonnenuntergang im Hintergrund ist der Aadorfer Bahnhof eigentlich gar nicht so übel.

Mit einem romantischen Sonnenuntergang im Hintergrund ist der Aadorfer Bahnhof eigentlich gar nicht so übel.

(Bild: Olaf Kühne)

Im ewigen Rennen, wer im Hinterthurgau zuerst eine Stadt wird, hat Aadorf Sirnach längst abgehängt. Aadorf fehlen noch ein paar Hundert Einwohnerinnen und Einwohner bis zur magischen Zehntausendergrenze, derweil es Sirnach nicht mal nach einer Fusion mit Tobel-Tägerschen reichen würde.

Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

In ihrer Siegesgewissheit kriegten die Aadorfer jüngst einen –vermeintlichen – Dämpfer: Sirnach erhielt zuerst einen schmucken und vor allem behindertengerechten Bahnhofplatz. Das wollen sie in der grössten Gemeinde des Bezirks nicht einfach so auf sich sitzen lassen. Sie präsentieren ihrerseits ein Bahnhofplatzverschönerungsprojekt. Nur ist das völlig überflüssiger Aktionismus.

Liebe Aadorferinnen und Aadorfer! Wenn Ihr wirklich Stadt werden wollt, ist ein schöner Bahnhofplatz so ziemlich das Letzte, worum Ihr Euch sorgen müsst. Die Bahnhofplätze von richtigen Städten sind nämlich niemals ansehnlich, wirklich niemals.

Das heisst jetzt aber nicht, dass Ihr Euch nicht um Euren Bahnhof kümmern müsst – sofern Ihr wirklich Stadt werden wollt. Als Erstes braucht Ihr eine sterile Unterführung mit mindestens einem Brezelkönig, einem Claire's und einem Mobilezone. Dann müsst Ihr für die Abendstunden und die Wochenenden ein Dutzend aggressiver Jugendlicher engagieren, die sich um das Wohlfühlambiente kümmern und in der Samstagnacht den Bahnhofplatz auch gleich noch mit erbrochenem Wodka-Redbull schmücken. Und zu guter Letzt natürlich ein paar grimmig dreinguckende und testosterongeschwängerte Bahnpolizisten. Fertig ist der urbane Bahnhofplatz.

Was Ihr aber ernsthaft langsam anpacken solltet, ist die Behindertengerechtigkeit Eures Bahnhofes. Damit habt Ihr nun wirklich lange genug herumgetrödelt.