GLOSSE
Waffenläufer sind die besten Freunde

ResTZucker: Der Verein Wil Tourismus macht den «Frauenfelder» zum Botschafter der Stadt Wil. Welche geheimen Überlegungen stecken dahinter?

David Angst
Drucken
Ein Frauenfelder Militärwettläufer in der Wiler Altstadt.

Ein Frauenfelder Militärwettläufer in der Wiler Altstadt.

Donato Caspari

Der Frauenfelder Waffenlauf ist «Botschafter der Stadt Wil». Was für eine Ehre. Damit konnte man nun wirklich nicht rechnen. Viel eher hätte man auf die Rickenbacher Mustereltern getippt, die ihren Kindern täglich das Znünibrot auf den Pausenplatz bringen. Das sind wahre Botschafter der Fürsorge. Aber Männer, die mit einer Flinte am Rücken einen Marathon seckeln?

Nun gut, Sinn für Satire hatten die Wiler ja schon immer. Der erste Botschafter war der Satiriker Viktor Giacobbo. Zwar aus Winterthur, aber doch immerhin ein Mensch, im Gegensatz zum Waffenlauf. Nächstes Jahr wird vielleicht das Münchner Oktoberfest zum Botschafter der Stadt Wil ernannt.

Dabei würde es Wil an Persönlichkeiten nicht fehlen, die noch nie Botschafter waren. Man denke an die Sportler Moreno Costanzo, Michel Zeiter, Alex Zülle. In der Politik gibt es Yvonne Gilli, Bargara Gysi oder Lukas Reimann. In Frage kämen auch Dani Wyler (Nomen est omen) oder der Teilzeit-Wiler Hausi Leutenegger. Irgendeinen Grund wird es geben, weshalb man sie alle übergangen hat.

Vielleicht hilft der Spruch von Wilhelm Busch: «Es ist halt schön, wenn wir die Freunde kommen sehn. Schön ist es ferner, wenn sie bleiben und sich mit uns die Zeit vertreiben. Doch wenn sie schliesslich wieder gehn, ist’s auch recht schön.» Nun kann man den mittleren Satz bei gewissen «Freunden» auch gleich weglassen. Wenn man sich schon bei ihrer Ankunft darauf freut, dass sie wieder gehen.

So gesehen sind die Frauenfelder Waffenläufer die perfekten Freunde. Wenn sie jeweils atemlos in die Wiler Altstadt hineinspurten, haben sie nichts anderes im Sinn als möglichst schnell wieder von ihr wegzukommen.

Aktuelle Nachrichten