Glosse
Von Verkehr und Vertrauen

Murgspritzer über ein Frauenfelder Reizthema, die Verwechslung mit nächtlichen Romanzen, Schimpftiraden gegen Feuerwehrleute und Stadtrat Andreas Elliker, der sich bei Genderfragen auskennt. Ausserdem braucht die Frauenfelder Bevölkerung viel Vertrauen, wenn sie nach Weinfelden reisen muss.

Samuel Koch
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Autos im Abendstau auf der Frauenfelder Ringstrasse.

Autos im Abendstau auf der Frauenfelder Ringstrasse.

Bild: Donato Caspari

Der Traum vom grossen Triumph lebt. Davor mussten wir aber das ganze Spektrum menschlicher Emotionen durchleben. Was haben wir gezittert? Was haben wir geflucht? Was haben wir gejubelt? Eine echte Berg- und Talfahrt der Gefühle, wenn es ums Frauenfelder Reizthema Verkehr geht. Also, dass wir uns richtig verstehen: Es geht jetzt nicht um jenen Verkehr, den viele Fussballfans nach ausgelassenen Stunden rund um den Postkreisel vielleicht noch vollzogen haben. Es geht vielmehr um den Verkehr auf den Strassen, also jener in aller Öffentlichkeit.

Samuel Koch.

Samuel Koch.

Bild: Reto Martin

Dieser Verkehr zeigt sich hie und da als so schlechter Begleiter, dass er zu Beschimpfungen gegen Feuerwehrleute führt, während ein Mann in einem Unfallauto um sein Leben kämpft. Schande über alle, die intolerant sind und sich nicht an Regeln und Moralvorstellungen halten! Ausser bei einem selbst, da können Ausnahmen mal vorkommen.

Nicht so in Frauenfeld. Da gehört der Verkehr politisch seit jeher zum heissen Eisen. In der Stadt von Fräuli und Leuli, wo derzeit Führungen «Frauenwelt in Frauenfeld» stattfinden. Es geht um die Sensibilisierung, dass Frauen ihren Platz in der Geschichte haben. Ja, wo kämen wir denn ohne Frauen nur hin? Nicht umsonst erzählt Stadtrat Andreas Elliker, dass sich Frauenfeld in Bern für Agglogelder zur guten Schülerin entwickeln soll – und eben nicht zum guten Schüler. Da kennt sich einer nicht bloss in Sachen Verkehr gut aus.

Weniger gut kennt sich der Kanton bei seiner Impfkampagne gegen Corona aus. Da verordnet er die Schliessung des bahnbrechenden Impfzelts in Frauenfeld und zwingt ab sofort die allermeisten, fürs Coronaschutzvakzin nach Weinfelden zu reisen. Da braucht es schon ungeheuerlich viel Vertrauen, sich abseits der Heimat eine Impfdosis spritzen zu lassen.