Glosse

Völlerei, ahoi! Wenn es zum Frauenfelder Neujahrsapéro am 1.Mai eine Bürgerwein-Schwemme gibt, ist das Ende nah

Murgspritzer: TZ-Redaktor Mathias Frei über den Fäkaliengeruch in der Stadt, Intervall-Fasten und den süffigen Pinöggel vom Holderberg. Der Frauenfelder Volksgesundheit ist das jedenfalls nicht zuträglich.

Mathias Frei
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Ein Bild aus dem Film «Das grosse Fressen» (Frankreich/Italien, 1973; Regie: Marco Ferreri).

Ein Bild aus dem Film «Das grosse Fressen» (Frankreich/Italien, 1973; Regie: Marco Ferreri).

Bild: Jan De Wit/Cinetext

Jetzt geht es nur noch ums Überleben. Jetzt würde man sogar dafür zahlen, in einer Beiz einen Schlegel Frauenfelder Bürgerwein runterstürzen zu dürfen. Aber nein, alles zu. Irgendwie auch alle zu. Lockdown light. Aber light werden die kommenden Tag definitiv nicht. Denn man kann sich auch im Verbund von nur zwei Haushalten komplett überfressen, um sich sodann mit Zucker zu schocken. Wenn da wenigstens der Bechtelis wäre. Dann könnte man sich ab dem Neujahr in Enthaltsamkeit üben – und dazu noch weniger trinken. Intervalltrinken wäre angezeigt, ähnlich wie Intervallfasten. Das heisst: kein Alkohol von nachts um 4 Uhr bis abends um 18 Uhr. Aber nein, man hat für den Januar kein Ziel vor Augen. Gibt sich weiterhin der Völlerei hin. Das historische Moment von keinem Bechtelis macht es nur noch schlimmer.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Am besten bleibt die Weihnachtsbeleuchtung bis Ende April. Und bitte am 1. Mai den städtischen Neujahrsapéro durchführen – Bürgerwein-Schwemme inklusive. Spätestens dann weiss auch der hinterletzte Intervallfasten-Asket den süffigen Pinöggel vom Holderberg zu schätzen. Wahrscheinlich riecht es spätestens Ende April auch nicht mehr so streng in der Stadt. Denn bekanntlich dürfen Frauenfelds Gastronomen noch das ganze erste Quartal 2021 gratis rausstuhlen. Klaro, die Beizen sind zu. So kann «WC 4 all» natürlich nicht funktionieren. Sollte die Badi ebenfalls noch länger zu bleiben, was tragisch wäre für die Frauenfelder Volksgesundheit, könnte man doch schon mal die Zeit nutzen und mit Abreissen beginnen. Teurer wird der Neubau so nicht. Und bleibt von den 39,34 Millionen noch was übrig, versaufen wir das. Mit Bürgerwein.