Glosse
Verhängnisvolle Sitzungen

Murgspritzer mit dem Unwort des Jahres 2020, mit Rekruten, die nicht zu Männern werden, mit Frauenfeldern, die neuerdings auf rote Hundekotsäckli stehen, und mit gefährlichem Verhalten zu Hause.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Ein Spender mit roten Hundekotsäckli des Frauenfelder Werkhofs.

Ein Spender mit roten Hundekotsäckli des Frauenfelder Werkhofs.

Bild: Kevin Roth

Wörter des Jahres ergeben sich hie und da willkürlich. Nicht so im vergangenen Schreckensjahr mit dem Beginn der Pandemie. Im 2020 lautete das Schweizer Wort des Jahres, definiert von einer aus Sprachschaffenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zusammengesetzten Jury: systemrelevant. Und das Unwort des Jahres kürt der Schreibende hiermit gleich selbst: Homeoffice.

Das hat weder mit Verschwörungstheorien noch mit der Aversion gegen heimisches Schaffen zu tun. Vielmehr geht es um einen eingebürgerten Ausdruck, der im Englischen einen völlig anderen Sinn ergibt. Als ob Millionen von Schweizern nun plötzlich im Innenministerium arbeiten?!

Samuel Koch.

Samuel Koch.

Bild: Reto Martin

Im übertragenen Sinn gehen derzeit viele Rekruten dem erfundenen Unwort des Jahres nach, so auch jene, die eigentlich in der Kaserne Auenfeld in Frauenfeld ihren Tagesbefehlen nachgehen müssten. Das tun sie jetzt zu Hause oder versuchen es zumindest. Denn das vom Bund geschaffene Learning Management System (LMS) funktioniert nicht. Jetzt liegen die Rekruten, die eigentlich zu Männern werden sollten, auf der faulen Haut, bekommen Diensttage angerechnet und erst noch einen Sold ausbezahlt. Und für was genau bezahlen wir jetzt alle Jahr für Jahr so viel Steuern?

In Frauenfeld für rote Hundekotsäckli, die offensichtlich besonders beliebt sind, musste doch die Stadt auf dieses Jahr hin den entsprechenden Budgetposten erhöhen. In herausfordernden Zeiten von Klopapierhamsterern haben findige Frauenfelder neuerdings ein Rölleli roter Säckli zu Hause gebunkert. Einfach für den Fall der Fälle. In der Not ist man um jedes Bhälterli froh für ...

Die Notdurft ist dann versorgt. Nur fehlt dann noch der Waschgang. Kein Problem! In Zeiten von Homeoffice – oder richtigerweise working from home – ist die Dusche ja nicht weit. Füdliblutt umhüllt vom Bademantel lässt es sich danach gar problemlos an Sitzungen teilnehmen. Aber bitte aufgepasst, dass Arbeitskollegen und Vorgesetzte keine peinlichen Blicke aufschnappen. Ja, was soll's?! Die Geheimdienste dieser Welt tun das ja sowieso schon längst.

Die Redaktion empfiehlt