Glosse
Surreales Scharmützel mit Polizei und Richtern vorm Bezirksgericht Frauenfeld

Murgspritzer-Kolumne zum Jahresende mit einem Rückblick auf ein Treffen mit Coronaleugnern vor dem Bezirksgericht Frauenfeld, das dem Schreibenden in spezieller Erinnerung bleibt. Jedenfalls freut er sich bereits aufs neue Jahr, denn Potenzial für Artikel gibt es genug.

Samuel Koch
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Ort des surrealen Scharmützels: Eingang zum Bezirksgericht Frauenfeld.

Ort des surrealen Scharmützels: Eingang zum Bezirksgericht Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Wie im Flug ist das Jahr an uns vorbeigezogen. «Nüüt isch!» Wer schon alleine einen Blick auf die Zeitungsseite mit dem Jahresrückblick Stadt Frauenfeld der Thurgauer Zeitung wirft, erkennt die vielen Ereignisse, die Fräuli & Leuli heuer selbst ohne Bechtelis und Open Air erlebt haben.

Ein für mich unvergessenes Erlebnis ereignete sich Ende August vor Bezirksgericht Frauenfeld. Eine Handvoll Coronaleugner (steht übrigens so im Duden!) zettelte vor und im Gerichtssaal ein regelrechtes Scharmützel an – notabene wegen Nichteinhaltens der Maskenpflicht und einer lapidaren Busse von 100 Franken. Freilich drohen neutralen Beobachtern in anderen Ländern Einschüchterungen, Geiselnahmen oder gar der Tod. Davon sind wir in der Schweiz zum Glück weit entfernt. Da kommt skandierte Lügenpresse beim Verlassen des Gerichtsgebäudes einer Lappalie gleich. Surreal ist es allemal. Sollte die Verurteilte die Rechnung nicht zahlen, kann sie auch einen Tag ins Chäfig, wie das eine mutige Amriswilerin gemacht hat. Ob die Coronaleugnerin allerdings 24 Stunden hinter Gittern aushält, ist nach verweigerter Maskenpflicht fraglich.

Jetzt bleiben also noch ein paar Stunden, um nachhaltige Vorsätze fürs neue Jahr zu fassen. Gute Manieren und Fairness gegenüber Mitmenschen wären erste Grundpfeiler, egal aus welcher Optik! Wobei: Sagt man nicht, Vorsätze sind da, um sie wieder über den Haufen zu werfen? Uns Journalisten wird es also auch 2022 bestimmt nicht langweilig. «Es guets Neus!»

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