GLOSSE
Sorbet gegen den Nachbrand. Oder: Was das Frauenfelder Freilicht-Hörspiel «Die Stadt brennt» besser macht als die feurige St.Galler Karfreitags-Prozession

Murgspritzer: Frauenfeld gedenkt diesen Sommer dem ersten Stadtbrand vor 250 Jahren. Wieso es dafür Salz auf den Strassen und ein Molotow-Cocktail im Glacechübeli braucht, erklärt TZ-Redaktor Mathias Frei.

Mathias Frei
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Ein feines Softice aus Frauenfeld.

Ein feines Softice aus Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Ein cheibe Puff ist das wieder. Kalendarisch ist zwar längst Frühling, aber auf den Frauenfelder Strassen liegt Salz. Kulinarisch wird’s noch wilder, denn unlängst hat auch die Glace-to-go-Saison begonnen. Bei den aktuellen Temperaturen wäre ein Glühwein-Softice kein Seich. Wenigstens schmilzt es einem jetzt nicht im Chübeli dahin.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Nicht weniger psychedelisch wird es, wenn wir den Blick etwas weiter voraus auf den zweiten Pandemiesommer schweifen lassen, Ende Juni und Anfang Juli in der Altstadt. Da gibt es ein Freilicht-Hörspiel mit dem Titel «Die Stadt brennt». An acht Abenden stehen dann Hunderte von Frauenfelderinnen und Frauenfeldern zwischen Schloss und katholischer Stadtkirche, um einfach nur zuzuhören. Corona macht einen wahrlich demütig. Und das nach 22 Uhr. Dem sagt man Innenstadtbelebung. Richtig mal was los.

So viel Volk hat’s noch nicht einmal am Winzerfest. Und da ist doch immerhin ordentlich Alkohol im Spiel. Da nimmt der Stadtrat wohl auch ein paar St.Galler Nachahmungstäter von der kürzlichen Karfreitagsprozession in Kauf. Statt «Züri brennt» heisst es dann halt «Fraui brennt». Gegen den Durst gibt’s in den Strassencafés Molotow-Cocktails. Und für den Nachbrand am nächsten Morgen ist wärmstens ein Alka-Seltzer-Sorbet zu empfehlen. Garantiert ein heisser Frauenfelder Sommer.