Glosse
Politik vom Barhocker

Mosttröpfli: Der Thurgauer Grosse Rat ist wohl das einzige Parlament der Welt, das in einer Festhalle tagt - dazu passt die Berichterstattung vom Barhocker aus.

Christian Kamm
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Seit Mai letzten Jahres tagt das Kantonsparlament jeweils in der Rüegerholzhalle in Frauenfeld.

Seit Mai letzten Jahres tagt das Kantonsparlament jeweils in der Rüegerholzhalle in Frauenfeld.

Reto Martin

Alle haben genug. Von Corona, vom Lockdown, von der Maske. Und überhaupt. Schluss jetzt. Sofort. Wir wollen nicht mehr. Ich will auch nicht mehr. Ich will nicht mehr in einer Festhalle arbeiten.

Festhalle und Corona – passt irgendwie nicht zusammen. Falsch: Seit das Kantonsparlament virusbedingt die Rüeger­holzhalle in Frauenfeld zum Tagungsort auserkoren hat, ist die Halle zumindest temporär mein Arbeitsplatz. Regelmässig verbringe ich halbe Tage dort. Wenn’s ganz übel kommt, kann es sogar mehr sein.

Christian Kamm.

Christian Kamm.

Urs Jaudas

Alles halb so schlimm? Von wegen, Sie sollten mich mal sehen, wie ich da sitze, dort oben, auf der kleinen Zuschauertribüne. Kein Witz: auf einem Barhocker an einem Bartischchen. Ehrenwort. Anders sind die Coronaregeln angesichts der Platzverhältnisse nämlich beim besten Willen nicht einzuhalten. Voller Einsatz im Zeichen des Virus. Autsch, mein Rücken.

Unter diesen Rahmenbedingungen hat dann auch das Programm in der Festhalle seine Tücken. Wenn es wenigstens etwas zum Mitklatschen oder Schunkeln gäbe: Heissa-hossa. Eine Polonaise, das wär’s. Stattdessen stellen die oft trockenen Debatten des Grossen Rates eine echte Herausforderung dar − auf keinen Fall einnicken, vom Barhocker fallen und womöglich noch den Arm brechen.

Ich will nicht mehr. Das Fest ist aus. Lichterlöschen und Abgang. Sollen sich doch andere mit dem Festhallengaudi-Parlament amüsieren. Schön, dass wir uns da einig sind. Und wer sagt’s jetzt dem Virus? Sie oder ich?