Glosse
Mosttröpfli: Bei fünf Personen wird der Datenschutz problematisch

Ein Steuersekretär ritzt den Datenschutz, wenn er die Adresse eines Lottogewinners herausgibt, der in einem Mietshaus mit sechs Parteien wohnt. Der Regierungsrat hat nur fünf Mitglieder.

Thomas Wunderlin
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Ein Lottogewinn geheim zu halten, ist in einem Mietshaus schwierig.

Ein Lottogewinn geheim zu halten, ist in einem Mietshaus schwierig.

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In letzter Zeit sind Vorwürfe wegen Verletzung des Datenschutzes erhoben worden. Dazu ein fiktives Beispiel. Ein Steuersekretär gibt bekannt, dass ein Gemeindeeinwohner einen Millionengewinn in einer Lotterie gemacht hat. Und er nennt die Adresse; dabei handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus. Ist der Steuersekretär zu weit gegangen?

Thomas Wunderlin, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Thomas Wunderlin, Redaktor Thurgauer Zeitung.

Donato Caspari

Der Datenschützer antwortet: Bei einer Adressangabe eines Mehrfamilienhauses ist der Personenbezug noch nicht direkt bestimmt. Es kann aber sein, dass bei dieser Bekanntgabe eine einzelne Person bestimmbar wird. Um dies beurteilen zu können, ist es relevant, wie viele Familien im bezeichneten Mehrfamilienhaus wohnen. Soweit es sich hier um ein Hochhaus mit 20 Stöcken handelt, könnte die verlangte Anonymität allenfalls noch knapp gewahrt werden. Bei einem Standard-Wohnblock mit beispielsweise drei Etagen zu je zwei Familien kann die Adressangabe aber bereits sehr problematisch sein.

In die Realität übertragen heisst das: Der Thurgauer Regierungsrat sollte nicht bekanntgeben, wenn eines seiner Mitglieder im Lotto gewonnen hat, sofern er diesem Regierungsmitglied den Schutz der Anonymität gewähren will. Sonst ritzt er selber den Datenschutz. Das gilt beispielsweise auch für den Verzicht auf eine Covid-19-Impfung.

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