Glosse
Es geht auch ohne TKB-Millionen: Pro Natura zeigt's dem Kloster Fischingen

Südsicht auf Hinterthurgauer Baustellen und eine zündende Idee aus der grünen Ecke.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

Dieses Vorhaben begeistert Minimalisten: Pro Natura Thurgau kauft in Guntershausen einen Wald und macht damit – nichts. Dieses Nichtstun ist indes nicht einer vermeintlichen Faulheit der Umweltschützer geschuldet, sondern hat durchaus einen tieferen Sinn. Pro Natura will schauen, ob und wie sich ein Wirtschaftswald zu einem Urwald entwickelt.

Dieses Projekt ist nicht nur per se spannend, es lässt sich auch auf weitere Hinterthurgauer Baustellen ummünzen. So wurde das Kloster Fischingen bei der Verteilung der TKB-Millionen vom Regierungsrat schnöde links liegengelassen. Dem klammen Haus, das eh schon mit einem strukturellen Defizit kämpft, drohen schlimmstenfalls dereinst auch noch die Reserven auszugehen.

Hier könnte das Pro-Natura-Nichtstun zum Einsatz kommen. Leerstehend und dem Zerfall preisgegeben, dürfte das stattliche Kloster seinen ganz eigenen Charme entwickeln, würde unter dem Stichwort «Lost Places» gar zum Instagram-Hit avancieren. Doch damit nicht genug. Ein verlassenes Kloster würde auch in zahlreichen Gemeinden das Problem der gewünschten Jugendtreffs lösen. Lässt sich doch kaum ein coolerer Ort zum ungestörten Chillen vorstellen.

Dem Vernehmen nach schielt auch Sirnach auf das Pro-Natura-Projekt. Kriegen die nämlich im September ihre Dreifachturnhalle nicht durch, hocken sie immer noch auf ihrer alten Einfachturnhalle Birkenweg. Und auch hier gilt: Zerfall und Überwucherung machen zumindest das trümmlige Schulturnen spannender. Und den Sirnacher Sportvereinen bleibt immer noch der TKB-Freiluftfitnesspark. Hier fliessen ja wenigstens ein paar Franken aus dem «Volksvermögen» in den Hinterthurgau.