GLOSSE
Das sind Verlustängste. Oder: Wieso sich Herr und Frau Frauenfelder einfach ihre eigene Badi bauen und was das mit Happeningkunst zu tun hat

Murgspritzer: TZ-Redaktor Mathias Frei mutmasst über die Gründe, weshalb in Frauenfeld die Zahl der Baubewilligungen für Swimming-Pools in die Höhe schnellt. Dabei wird er zynisch, aber innovativ.

Mathias Frei
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Spass in der Badi Frauenfeld, solange es sie noch gibt.

Spass in der Badi Frauenfeld, solange es sie noch gibt.

Bild: Andrea Stalder (26.Juni 2019)

Da haben wir nun den Salat. Die Frauenfelderinnen und Frauenfelder haben Angst. Dass das Hallenbad, nein, die ganze Badi mit Freibad, Rutschbahn und Sprudeldingsbums nie wieder aufgeht. Denn ab sofort läuft der Countdown. Am kommenden 25.Oktober ist Ende Gelände. Zumindest für die zweijährige Bauzeit. Und nach spätestens anderthalb Jahren weiss ja eh keiner mehr, dass da mal eine Badi war. Denkt sich der freischaffende Zyniker. Da kann man ein paar Fränkli einsparen ohne Badi. Und, hey, das Badiareal wäre als Bauland bei Investoren ziemlich sicher recht begehrt.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Wer kann, baut sich deshalb seine eigene Badi – inklusive Saunabereich zum Blüttlen und Auswärtigentarif. Denn die armen Nachbarn, die jeden Sommer gefühlte 271-mal den Holzkohlegrill mit Brennsprit in Gang bringen, sollen ruhig bluten. Und wer nicht kann respektive wer es sich nicht leisten kann, reicht ein innovatives Kulturprojekt ein zur «Ratartouille»-Ausschreibung der Kulturstiftung Thurgau. So Happeningkunst mit Körperlichkeit und so. Äh, blöd, diese Eingabefrist ist schon abgelaufen. Dann halt der Covid-19-Unterstützungsfonds der Stadt. Nein, exgüsi, das ist geschmacklos, ich weiss. Wobei Geschmacklosigkeit ja ein Symptom ist. Und ein Swimmingpool in jedem Vorgarten wäre ja durchaus sinnstiftend, falls die Badi wirklich nicht mehr aufgeht.