Glosse
Bitte melde dich: Der Hüttlinger Gemeinderat sucht verzweifelt nach einem anonymen Briefeschreiber

Im Januar hat den Gemeinderat Hüttlingen einen anonymen Brief erreicht. Nun sucht er nach dem Urheber, damit dieser seine Anliegen und Ansichten präsentieren kann – bisher erfolglos.

Rahel Haag
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Hüttlingen-Mettendorf von oben: Der Gemeinderat sucht nach einem anonymen Briefeschreiber.

Hüttlingen-Mettendorf von oben: Der Gemeinderat sucht nach einem anonymen Briefeschreiber.

Bild: Donato Caspari
(28. November 2018)

Eins muss man dem Hüttlinger Gemeinderat lassen: Er gibt sich nicht so leicht geschlagen. Seit dem 3. Februar sucht er schon nach einem ganz bestimmten seiner rund 840 Einwohner. Nämlich nach jenem, welcher der Gemeinde im Januar einen anonymen Brief geschickt hat. Ja, auch in Zeiten von Hasskommentaren und Shitstorms gibt es offenbar noch anonyme Briefeschreiber.

Was drinsteht im Brief? Das bleibt unklar. Es ist aber davon auszugehen, dass es nicht sonderlich nett war. Denn der Gemeinderat schreibt seinerseits:

«Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass auch ein kritischer Austausch auf der fachlichen Ebene bleibt und eine zweiseitige Kommunikation erfolgen kann.»

Letzteres gestaltet sich allerdings schwierig, mit einem anonymen Briefeschreiber. Doch der Hüttlinger Gemeinderat hat sich davon nicht unterkriegen lassen und den Absender an die Gemeinderatssitzung vom 11. Februar eingeladen. Ebenfalls per Brief, veröffentlicht auf der Website der Gemeinde. Zum Schluss schreibt er: «Der Gemeinderat hofft auf Ihr Erscheinen.»

Die Enttäuschung muss gross gewesen sein an besagtem Donnerstagabend, denn nur einen Tag später schreibt der Gemeinderat in einem weiteren Brief: «Geschätzter Einwohner, leider sind Sie nicht erschienen.» Doch auch diese Zurückweisung schreckt ihn nicht ab, er lässt nicht locker. Stattdessen folgt die Einladung zur Gemeinderatssitzung vom 25. Februar. Er betont:

«Dem Gemeinderat ist es wichtig, dass Sie Ihre Anliegen und Ansichten dem Gemeinderat präsentieren können.»

Bleibt die Frage nach dem Warum. Warum bloss, ist der anonyme Briefeschreiber nicht gekommen? Traut er sich nicht? Wollte er mit dem Brief nur ein wenig Dampf ablassen? Oder aber: Haben ihn die beiden Einladungen gar nicht erreicht? Das wäre schlimm. Das darf nicht sein. Deshalb wollen wir helfen: Lieber anonymer Briefeschreiber, falls Sie diese Zeilen lesen, lassen Sie den Gemeinderat nicht hängen, gehen Sie am Donnerstag zu dieser Sitzung.

Falls Sie sich unsicher sind, könnten Sie am Ende immer noch so tun, als würden Sie um 19.30 Uhr rein zufällig am Anbau der Mehrzweckhalle vorbeispazieren. Sie könnten lächeln, winken und einfach weitergehen. Aber dann schreiben Sie daheim bitte wenigstens einen zweiten anonymen Brief und erklären Sie die Angelegenheit für erledigt. Nicht, dass der Gemeinderat Ihretwegen nicht mehr ruhig schlafen kann.