Glosse
Auffällig unauffällig: Lommis ist anders, und das ist gut so

Südsicht auf die nördlichste Gemeinde im Südthurgau, die ihren Pragmatismus zur Staatsraison erklärt hat.

Olaf Kühne
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Lommis hat den einzigen Flugplatz im Bezirk. Das war's dann aber schon ziemlich mit den Auffälligkeiten der Gemeinde.

Lommis hat den einzigen Flugplatz im Bezirk. Das war's dann aber schon ziemlich mit den Auffälligkeiten der Gemeinde.

(Bild: Mareycke Frehner)

Lommis ist anders. Zugegeben, das war jetzt nicht gerade die Weisheit des Jahres. Schliesslich ist keine Gemeinde wie die andere, jede hat ihre Eigenheiten. Aber Lommis ist halt noch ein bisschen mehr anders als die anderen.

Zumindest im Hinterthurgau fällt die Gemeinde regelmässig durch ihre plakative Unauffälligkeit auf. Pragmatismus haben sie im Lauchetal längst zur Staatsraison erklärt. Nie ist Lommis Pioniergemeinde für irgendwas, nie will sich Lommis den neusten heissen Scheiss auf die Fahne schreiben.

Olaf Kühne.

Olaf Kühne.

(Bild: Peter Pfistner)

Einheitsgemeinde? 2000-Watt-Gemeinde? Energiestadt? Wir doch nicht! Selbst der Steuerfuss ist nur der Zweittiefste im Hinterthurgau. Man will ja nicht auffallen.

Nicht auffallen wollte der Gemeinderat auch mit seiner Stimmenthaltung zum Agglomerationsprogramm der Regio Wil. Dieser Plan ist allerdings gründlich in die Hose gegangen. Die einzige Enthaltung fällt halt nun mal auf, lieber Lommiser Gemeinderat!

Diese Stimmenthaltung ist einerseits dem Lommiser Pragmatismus geschuldet. Wir haben keine Verkehrsprobleme, sagt der Gemeindepräsident, ergo brauchen wir uns auch nicht um Agglomerationsprogramme zu kümmern.

Fritz Lochers Skepsis gegenüber dem «Leuchtturmprojekt» Wil West nur als Lommiser Unbekümmertheit abzutun, ist hingegen falsch. Nach über 20 Jahren als Gemeindepräsident und als davor langjähriger St.Galler Kantonsrat und Wiler Stadtparlamentarier weiss der alte Politfuchs eben auch: Nicht jedes Projekt ist so wahnsinnig toll, nur weil man es uns als toll verkaufen will.