Globuli für Kühe und Rinder: Auch Thurgauer Bauern setzen auf homöopathische Behandlung von Nutztieren

Auch Thurgauer Bauern werben am Europäischen Antibiotikatag für einen sparsamen Einsatz von Antibiotika.

Christof Lampart
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Josef Appert setzt bei der Behandlung seiner Tiere auf einen komplementärmedizinischen Beratungsdienst. (Bild: Reto Martin)

Josef Appert setzt bei der Behandlung seiner Tiere auf einen komplementärmedizinischen Beratungsdienst. (Bild: Reto Martin)

Am heutigen 18. November findet der Europäische Antibiotikatag statt. Dieser soll das Bewusstsein hinsichtlich der von Antibiotikaresistenzen ausgehenden Gefahren für die Gesundheit von Menschen und Tieren schärfen und zum vorsichtigen Umgang mit Antibiotika führen.

Doch nicht nur Ärzte, Apotheker und Spitäler mahnen immer eindringlicher den aufs Nötigste reduzierte Einsatz von Antibiotika an, um so die Entwicklung resistenter Bakterien aufzuhalten, so dass Antibiotika auch für künftige Generationen wirksame Behandlungsoptionen bleiben, sondern auch Landwirtschaftsverbände, Forschungsinitiativen sowie einzelne Landwirte stimmen in den Chor der Mahner ein.

Natürliche Behandlung, empirische Begleitung

Einer dieser «Stimmen» ist Josef Appert aus Wiezikon bei Sirnach. Der 60-Jährige, der mit Ehefrau Regina als Direktvermarkter einen Bio-Bauernhof mit 20 Milchkühen, 18 Jungrindern und 20 Hühnern führt, macht bei «Kometian» mit. Dabei handelt es sich um einen komplementärmedizinischen Beratungsdienst, der gezielt Landwirte bei der homöopathischen Behandlung von Nutztieren berät. Seit 2016 ist «Kometian» ein vom Bundesamt für Landwirtschaft gefördertes Ressourcenprojekt, an dem aktuell rund 670 Betriebe, davon rund 70 Prozent Milchviehbetriebe, teilnehmen.

Auf der Webseite des Vereins erfährt der Besucher, dass ein Team aus komplementärmedizinisch erfahrenen Tierärztinnen und Tierärzten, sowie Tierheilpraktikerinnen und Tierhomöopathen Landwirte mit einer 24-Stunden-Hotline oder Beratungen vor Ort und in Bestandsbegleitung bei der komplementärmedizinischen Behandlung ihrer Tiere unterstützt. Die Beratungen werden in einer zentralen Datenbank erfasst und vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wissenschaftlich ausgewertet.

Tierhalter geben zeitnahes Feedback

Alle teilnehmenden Tierbesitzer wurden seit 2017 frühestens eine Woche nach der «Kometian»-Beratung gebeten, mittels elektronischem Fragebogen spezifische Rückmeldung zu machen zur Entwicklung des Gesundheitszustands ihres Tieres seit der Behandlung. So konnten von Anfang 2017 bis Ende August 2019 total 1518 Fälle ausgewertet werden. In 1055 Fällen erfolgte keine weitere schulmedizinische Behandlung. In 973 Fällen gab der Landwirt einen Behandlungserfolg an. Bei rund einem Viertel der Fälle handelte es sich um Mastitiden (Euterentzündung) von Kühen. Bei den akuten Mastitiden wurde von rund 70 Prozent zumindest eine Besserung zurückgemeldet.

Einzelmitglieder, die von den «Kometian»-Dienstleistungen profitieren möchten, bezahlen für die Aufnahme und die Vereinsmitgliedschaft 100 bis 200 Franken - je nach dem, was der Milchabnehmer dazu beiträgt. «In unserem Fall ist es die Firma Züger-Frischkäse aus Oberbüren, die mit seinem ‹Swiss-Family-Milch›-Programm seine Lieferanten dabei unterstützt, nur in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt, Antibiotika einzusetzen», erklärt Josef Appert.

Hinzu kommen die allfälligen kostenpflichtigen Beratungen per Telefon oder vor Ort auf dem Hof. Das ist für Josef Appert ein fairer Deal. Denn, «wenn ich sonst einen Tierarzt kommen lassen muss, kostet mich das auch Geld.» Zudem fehle einem in der Hektik eines Notfalls oft einfach die Distanz zum Geschehen. «Dann ist es sehr gut, wenn ich jemanden am Telefon habe, der mich ruhig und fachmännisch berät und mir dabei die nächsten, möglichen Schritte aufzeigt», weiss Josef Appert aus eigener Erfahrung.

50 Prozent weniger Antibiotika in sechs Jahren

Und natürlich liegt nicht nur bei den Apperts über alles das von «Kometian» geäusserte Ziel, den Antibiotikaeinsatz auf den beratenen Betrieben innert sechs Jahren um 50 Prozent zu senken. «Für uns Bauern ist das sehr wichtig. Denn je weniger Antibiotika wir einsetzen, desto gesünder leben letztlich Mensch und Tier», betont Appert.

Auch spüre er das finanziell, denn zum einen seien Antibiotika um ein Vielfaches teurer als die natürlichen Mittel. «Und zum anderen muss ich, nach der Verwendung von Antibiotika, eine doppelt so lange Absetzzeit berücksichtigen, während der ich die Milch nicht in den Verkauf bringen oder sonst wie verwenden darf», schildert Biobauer Appert.

Mehr Informationen: www.kometian.ch