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Bernina feiert 125-Jahr-Jubiläum

Seit 125 Jahren nähen Menschen weltweit mit Maschinen von Bernina. Trotz vieler Krisen hielt die Führung immer an ihrem Standort in Steckborn am Untersee fest. Jetzt steht die fünfte Generation in den Startlöchern.
Samuel Koch
Die aufgegleiste Nachfolge: Hanspeter Ueltschi mit seinen Kindern Katharina und Philipp. (Bild: PD)

Die aufgegleiste Nachfolge: Hanspeter Ueltschi mit seinen Kindern Katharina und Philipp. (Bild: PD)

Der Blick richtet sich durch die ominöse Glaskugel voraus ins Jahr 2043: «Der ehemalige US-Präsident Elon Musk gewinnt die 50. Staffel von Let’s Dance, und Bernina bringt mit der B7000NC die erste Maschine mit Gedankensteuerung heraus», spinnt die Nähmaschinenherstellerin in einem Video innovative Gedanken weiter. Etwas näher an der Realität als die Fantasien im Werbevideo verläuft das Gespräch mit Firmeninhaber Hanspeter Ueltschi in seinem Büro in Steckborn. «Ich bin noch häufig im Betrieb, um direkt bei den Mitarbeitern den Puls zu fühlen», sagt der 73-Jährige. Rund 270 der über tausend Angestellten der Bernina International AG arbeiten in Steckborn, wo die Premium-Produkte gefertigt, in Entwicklung und Nählabor innovative Ideen vorangetrieben und in der Geschäftsleitung strategische Entscheidungen getroffen werden.

Heuer feiert das Steckborner Familienunternehmen sein 125-jähriges Bestehen. Zu Ehren des Jubiläums brachte es ein Sondermodell mit goldener Blende heraus. Nachdem Ueltschi beim letzten grossen Jubiläum vor 25 Jahren noch mit alt Bundesrat Kaspar Villiger vor den Kameras posierte, rückte Bernina dieses Jahr die Kundschaft in den Fokus. «Das bringt viel mehr als Events, die wie Schall und Rauch sind», sagt Ueltschi. Blickt der Unternehmer auf die mittlerweile 125-jährige Firmengeschichte zurück, streicht er vor allem zwei Ereignisse heraus, welche die in 80 Ländern tätige Firma zu einem globalen Player mit einem Jahresumsatz von 230 Millionen Franken machte. «Die Marke Bernina und die Verlagerung der Produktion nach Thailand», sagt er, dessen Faible für Rosa in der Farbe seiner Krawatte zum Ausdruck kommt. «Die Farbe gefällt mir einfach», sagt er spitzbübisch grinsend.

Vom Bündner Gipfel zur thailändischen Produktion

Den Grundstein der Firmengeschichte legte Ueltschis Urgrossvater und Tüftler Karl Friedrich Gegauf, der während der Badischen Revolution als Sohn eines Landarztes in die Schweiz flüchtete. Der begnadete Mechaniker schuf 1893 die erste Hohlsaumnähmaschine, welche in der damals aufblühenden Textilindustrie grossen Anklang fand. In den von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten 1930er-Jahren wechselte sein Sohn Fritz Gegauf das Geschäftsmodell und entwickelte eine Haushaltsnähmaschine. Der Markenname Bernina entstand schliesslich während eines Ferienaufenthalts in den Bündner Bergen. Fritz Gegauf taufte das neue Produkt in Anlehnung an den höchsten Berg der Ostschweizer Alpen Piz Bernina. «Mein Grossvater war nicht nur ein guter Ingenieur, auch der passende Name war brillant», meint Ueltschi, der laut «Bilanz» auf ein Vermögen von geschätzten 150 bis 200 Millionen Franken kommt. Das Geschäft mit den Nähmaschinen für zu Hause florierte, auch unter der Ägide seiner Mutter Odette, die dafür verantwortlich war, dass das Modell 830 als die bisher erfolgreichste Nähmaschine in die Firmengeschichte einging. «Und es ist ihr Verdienst, dass unsere Premium-Produkte heute nur im Fachhandel erhältlich sind», meint Ueltschi. Zwar gibt es Grossverteiler, die geschäftlich mit Bernina verbunden sind. «Diese führen aber Nähmaschinenmodelle anderer Marken und Hersteller, die wir über unsere Tochterfirma Crown vertreiben», sagt der Verwaltungsratspräsident der Bernina-Gruppe, die indessen aus 15 Firmen besteht.

Bernina durchlebte aber auch immer wieder teils existenzgefährdende Krisen. «Wir exportieren neun von zehn Nähmaschinen, was uns sehr währungsabhängig macht», meint Ueltschi, der zunächst als «Mädchen für alles» im Familienbetrieb seine Sporen abverdiente und das Geschäft schliesslich 1988 übernahm. Um dieses Risiko zu minimieren, gründete Bernina 1993 im thailändischen Lamphun ein Produktionswerk. Ueltschi reist nach wie vor jährlich in den Fernen Osten, obwohl er die Geschäftsleitung schon vor zehn Jahren an CEO Claude Dreyer abgegeben hat. «In Thailand arbeitet eine tolle Mannschaft in einem sehr modernen Werk», meint Ueltschi. Die Premium-Produkte und Langarmmaschinen produziert Bernina weiter in Steckborn. Die Firma sei lokal stark verwurzelt. Es sei unvorstellbar, das Know-How ins Ausland zu verlagern und die Geschäftsleistung am Untersee aufzugeben. Längst hat Bernina weit über sieben Millionen Nähmaschinen verkauft. «Und ich behaupte, mindestens fünf Millionen Maschinen funktionieren nach wie vor», meint Ueltschi.

Kinder Katharina und Philipp arbeiten sich ins Geschäft ein

Als weiteres Erfolgsrezept bezeichnet Ueltschi das sogenannte Business-to-Business-Modell, mit welchem Bernina-Maschinen nicht direkt an die Kundschaft, sondern über Fachgeschäfte vertrieben werden. «Das hat sich definitiv bewährt.» Mit dem Kauf einer Nähmaschine sei es für den Kunden oft nicht getan. «Es braucht auch gute Beratung und guten Service.» Durch die Digitalisierung sei das Geschäft komplexer geworden. «Es ist aber auch eine spannende Zeit», meint Ueltschi, der sich selbst als neugieriger Ästhet bezeichnet und sich auch vor den Chancen von Sozialen Medien nicht verschliesst.

Seit einigen Jahren fädelt Ueltschi nun den Übergang zur fünften Generation und seinen Kindern Katharina und Philipp ein, die sich peu à peu ins Unternehmen einarbeiten. Sie hat vor drei Jahren den Vertrieb von Bernina-Produkten in Singapur übernommen, er arbeitet an einer neuen Marke für Junge in Chicago. «Sie kommen noch oft in die Schweiz und haben manchmal auch Heimweh», meint Vater Ueltschi, der sich noch täglich an seinen Schreibtisch am Firmenhauptsitz setzt. «Ich bleibe, solange ich noch einen positiven Beitrag für die Firma leisten kann», sagt der passionierte Freizeitsportler, der fast täglich mit seinem Rennvelo unterwegs ist, gerne Golf spielt und im Winter beim Langlaufen anzutreffen ist. Wie die Zukunft von Bernina aussieht, will Ueltschi seinen Kindern überlassen. Das Nähmaschinen-Geschäft bleibe trotz technologischem Wandel ähnlich. «In all den Jahren hat sich der Stich, der mit Nadel und Greifer gebildet wird und zwei Lagen Stoff mit Ober- und Unterfaden zusammenhält, kaum verändert», meint Ueltschi, der Steckborn erhalten bleiben wird: «Ich fühle mich hier pudelwohl und habe alles, was ich brauche.»

Bernina: Meilensteine in der 125-jährigen Geschichte am Untersee

1893

Karl Friedrich Gegauf (im Bild mit dem ersten im Thurgau zugelassenen Automobil) legt mit der ersten Hohlsaumnähmaschine den Grundstein der langjährigen Geschichte. Damit konnten pro Minute 100 Stiche genäht werden.

1932

In den wirtschaftlich schwierigen Zwischenkriegsjahren entwickelt Fritz Gegauf, einer von vier Söhnen von Karl Friedrich, eine Haushaltsnähmaschine. Mit dem Bernina-Modell 105 wird die Geburtsstunde der Marke eingeläutet.

1943

Bernina, deren Name vom höchsten Bündner Berg Piz Bernina stammt, bringt die erste Freiarm-Zickzack-Nähmaschine der Welt heraus. Im Unterschied zu früheren Modellen wird diese Maschine nicht in den Tisch eingelassen, sondern steht frei auf dem Tisch.

1954

Das erste Modell der Klasse 530 verlässt das Fliessband am Produktionsstandort in Steckborn. Es bietet neuerdings Zierstiche und Knopflocheinrichtung.

1959

Odette Ueltschi, die Tochter von Fritz Gegauf, tritt in die Bernina-Geschäftsleitung ein. Mit viel Geschick und guter Intuition führt sie am Untersee die unternehmerische Tradition weiter.

1963

Das Bernina-Modell 730 kommt auf den Markt. Gleichzeitig produziert das Unternehmen seine millionste Nähmaschine.

1971

Der Bestseller aller Bernina-Modelle erscheint: Das Modell 830, das erstmals das Band verlässt und während insgesamt zehn Jahren produziert wird.

1988

Hanspeter Ueltschi übernimmt die Firmenleitung von seiner Mutter und setzt die Familientradition in vierter Generation fort.

1990

Gründung eines Montagewerks in Lamphun, Thailand. Nebst Steckborn ist es das zweite. Jenes in Thailand ist bis heute das wohl modernste Werk für Haushaltsnähmaschinen weltweit.

2002

Hanspeter Ueltschi führt Bernina ins Computer-Zeitalter und bringt die weltweit erste Nähmaschine mit Windows-Betriebssystem auf den Markt

2004

Bernina erfindet den Stichregulator und erhält dafür den Best Innovator Award. Der Regulator erfasst mit optischen Sensoren die Bewegung des Stoffes beim Quilten (Nähen von Steppdecken) und sorgt dafür, dass immer gleich lange Stiche entstehen.

2008

Die grösste und bisher schnellste Bernina-Maschine verlässt die Produktionshallen: die Bernina 830. Sie schafft bis zu tausend Stiche pro Minute.

2011

In Zürich eröffnet Bernina einen Flagship-Store. Dort können Kunden die Bernina-Markenwelt erleben und unter fachkundiger Anleitung Produkte ausprobieren.

2013

Trotz starkem Franken und einem Exportanteil von rund 90 Prozent investiert Bernina in den Standort Steckborn und eröffnet ein neues Montagewerk. Am Untersee befindet sich auch die komplette Entwicklungsabteilung, das Controlling und die Verwaltung.

2018

Bernina feiert ihr 125-jähriges Bestehen und bringt ein Sondermodell mit goldener Blende heraus, die Bernina 790 Anniversary Edition.

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