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Gleichschritt im Acht-Minuten-Takt

Auf dem Weg über das Gelände gibt es hier ein Küsschen, da eine Umarmung oder gute Wünsche für das Wettspiel. Am Wochenende spielte die Musik in Kradolf-Schönenberg . Dort ging das 25. Thurgauer Kantonal Musikfest über die Bühne.
Monika Wick
50 Bilder

Thurgauer Kantonalmusikfest: Blasmusik bei Kaiserwetter

Der Blitzer beim Bahnhof Kradolf hat ein freies Wochenende. Denn die Strasse ist für das 25. Thurgauer Kantonal-Musikfest gesperrt. Rechts und links der Strecke haben sich zahlreiche Zaungäste einen Plätz gesichert, um die Parademusik hautnah erleben zu können. Als erste Formation geht am Samstagnachmittag die Musikgesellschaft Hugelshofen an den Start.

«Passenderweise spielen sie den Kemmentaler-Marsch», tönt es aus den Lautsprechern. Die gleiche Stimme verkündet, dass die Hugelshofer mit ihrem Spiel 84 Punkte erreicht haben. «Über 80 Punkte ist gut. Das hätten wir auch gerne», sagt ein Zuschauer.

«Sonja, gosch nochli hindere, bitte.»

Für die Punktevergabe sind die drei Juroren Christian Speck, Pascal Gruber und Jean-Luc Kühnis zuständig. «Einer schaut nur, einer hört nur, und einer macht beides», erklärt Christian Speck. Punkten können die Formationen laut ihm auch bei der Dynamik, der Synchronität oder dem Gesamterscheinungsbild.

Darauf legt anscheinend auch Felix Haag, Dirigent der Musikgesellschaft Concordia Fischingen, grossen Wert. «Sonja, gosch nochli hindere, bitte», sagt er. Als Orientierungshilfe dient den Musikanten ein Klebeband, dass am Boden befestigt ist. Kaum hat jeder die richtige Position, geht es im Gleichschritt los. «Die Strecke reicht genau in der Länge, aber nur, wenn man im richtigen Tempo läuft», stellt ein Zaungast fest.

Schwitzen in der Uniform

Der Zeitplan für die Parademusik ist straff. Im Acht-Minuten-Takt gehen die Formationen an den Start. In Anbetracht der hohen Temperaturen verwundert es nicht, dass die Musikanten in ihren zugeknöpften Uniformen samt Kopfbedeckung ins Schwitzen geraten. Markus Keller sagt:

«Heute ist es noch human. Es gab schon Musikfeste, an denen uns fast der Belag unter den Schuhe weggeschmolzen ist.»

Das Mitglied des Musikvereins Kradolf-Schönenberg sorgt mit weiteren Helfern dafür, dass sich während der Parademusik keine Zuschauer auf der Strasse befinden. Als organisierender Verein beteiligt sich der Musikverein Kradolf-Schönenberg nicht am Wettbewerb. «Das ist mal etwas anderes und macht mir nichts aus», erklärt Keller.

«Pass bloss auf, dass du Dir keinen Fleck aufs Hemd machst»

Auch auf dem Festplatz beim Schulhaus herrscht Hochbetrieb. Die Stimmung ist familiär. Die Musikanten kennen sich. Auf ihrem Weg über das Gelände gibt es hier ein Küsschen, da eine Umarmung oder gute Wünsche für das Wettspiel.

Für die Verpflegung sorgen die vielen freiwilligen Helfer. Während die einen Fleisch und Würste braten, zapfen andere ununterbrochen Bier. Besonders beliebt ist das Soft-Ice. Auch Godi Bachmann von der Brass Band Wilen bei Wil hat sich eines geholt und geniesst es an einem schattigen Plätzchen. «Pass aber auf, dass Du dir keine Flecken aufs Hemd machst», ermahnt ihn ein Kollege lachend.

Der Enkel ist in den Starlöchern

Der 83-Jährige musiziert seit fast 70 Jahren. Wie viele Musikfeste er in der Zeit bereits bestritten hat, vermag er nicht zu sagen.

«Im Mittelpunkt steht das Musizieren und die Zusammenkunft mit anderen Musikanten.»

Sein Enkel Noël Osterwald steht noch am Anfang seiner musikalischen Karriere. Der 11-jährige Junge spielt bereits bei den «Young Talents Rickenbach-Wilen» und freut sich darauf, bald einmal selber an einem kantonalen Musikfest teilzunehmen zu können.

In der Mehrzweckhalle finden derweil die Wettspiele statt. «Leise bitte», fordert beim Betreten ein Zettel an der Türe auf. Tatsächlich lauschen die Zuhörer den Vorträgen mucksmäuschenstill. Bereitgemacht hat sich gerade die Musikgesellschaft Bichelsee-Balterswil unter der Leitung von Tina Egger. Nach einem kurzen Akkustik-Test spielen sie nacheinander ein Aufgaben- und ein Selbstwahlstück. Kaum ist der letzte Ton gespielt, weicht die Anspannung der Erleichterung.

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