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Bei Schäden der Frauenfelder Werkbetriebe: «Gipfeli liessen den Ärger verfliegen»

Über 15 Jahre lang leitete Ernst Haas die Geschicke der Frauenfelder Werkbetriebe. Im Interview vor seiner Pension äussert er sich zu Reklamationen verärgerter Kunden, zum Potenzial der Fernwärme und zur möglichen Teilprivatisierung der Werke.
Samuel Koch
Ernst Haas, der langjährige Direktor der Werkbetriebe, in seinem Büro. (Bild: Reto Martin)

Ernst Haas, der langjährige Direktor der Werkbetriebe, in seinem Büro. (Bild: Reto Martin)

Herr Haas, können Sie gut loslassen?

Ja. Als Frühpensionierter wird es mir definitiv nicht langweilig. Ich freue mich, wieder mehr Zeit mit meiner Familie und in der Natur zu verbringen, und dass ich keine Termine mehr einzuhalten habe.

Manchmal kam es während Ihrer fast 16-jährigen Amtszeit auch zu Terminen mit verärgerten Kunden.

Ja, leider. Obwohl ich von meiner Arbeit immer gut abschalten konnte, gab es etwa bei Wasserschäden manchmal schlaflose Nächte. Selbstverständlich sind Schäden immer schwierig, weil direkt Mitmenschen davon betroffen sind. Zuerst steht die Reparatur des Schadens im Fokus. Danach habe ich mich aber auch mehrmals mit Kunden direkt getroffen, um sie direkt zu informieren. Jede Reklamation und jeder Schaden ist auch eine Chance für direkten Kundenkontakt.

Liessen sich alle besänftigen?

Ja. Wir haben aber ohne Beschönigung immer den Kundenkontakt gesucht und manchmal mit Gesten viel gutmachen können. Ein Stromausfall im Kurzdorf mitten am Tag, als viele Einwohner eine beliebte TV-Soap schauen wollten, war ein regelrechtes Drama. Mit einem Gutschein für Gipfeli hat sich der Ärger aber zum Guten gewendet.

Die Werkbetriebe haben zuletzt erfolgreich auf erneuerbare Energien fokussiert.

Die Umstellung hat gut geklappt. Die komplette Grundversorgung in Frauenfeld ist Strom aus Schweizer Wasserkraft. Viele Kunden beziehen zusätzlich unsere erneuerbaren Produkte wie Thurgauer Naturstrom, Biogas oder Solarstrom. Zudem ist das Beteiligungsmodell Frauenfelder Solarstrom eine Erfolgsgeschichte.

Sie sind ein Verfechter, dass Erdgas nur als Übergangsenergie dient.

Erdgas wird noch lange Zeit eine Übergangsenergie sein. Mit jedem Ersatz einer Ölheizung wird sofort ein Viertel CO2 eingespart und mit Biogas angereichert noch mehr. Bis ins Jahr 2030 soll rund ein Drittel erneuerbare Gase im Netz sein.

Ebenfalls unterstützen Sie die Pläne einer Teilprivatisierung der Werkbetriebe.

Die Entwicklung auf dem Markt erfordert immer kürzere Entscheidungswege. Gleichzeitig braucht es ein Gremium, das vom Fach ist und strategisch schnell entscheidet. In der heutigen Rechtsform als unselbstständiges öffentlich-rechtliches Unternehmen mit dem Stadtrat sozusagen als Verwaltungsrat werden die Werke mittelfristig die strategischen Herausforderungen nicht mehr meistern können.

Ist eine Teilprivatisierung politisch umsetzbar?

Eine Eignerstrategie beim Stadtrat ist in Arbeit, die auch in den Legislaturzielen festgehalten ist. Es wird sich zeigen, wie sich der Stadtrat ausrichten will. Das letzte Wort jedenfalls hätte dann wiederum das Volk.

Auch bei der Wärme Frauenfeld AG hatte das Volk das letzte Wort und sagte Ja zur Integration in die Werke.

Ja. Seither betreiben wir einen eigenen Bereich Fernwärme mit einer schwarzen Null. Mit jedem neuen Kunden gibt es Gewinn.

Welche Neukunden stehen im Raum?

Auch wenn Namen heikel zu kommunizieren sind. Die Grabenstrasse und der Schweizerhof stehen kurz vor Vertragsabschluss. Zudem bleibt das Hallenbad ein Thema, und das ganze Kasernenareal eröffnet grosses Potenzial, um Fernwärme gewinnbringend zu betreiben.

Zudem darf das Rechenzentrum Campus als Erfolgsgeschichte gehandelt werden.

Definitiv. Das komplett ausgebaute Rechenzentrum Campus wird einmal gleich viel Strom beziehen wie die ganze Stadt. Das ist lukrativ, benötigte aber auch hartnäckige Verhandlungen, dass der Strom über das Netz der Werke und nicht direkt von der Axpo auf den Waffenplatz gespiesen wird.

Was hat sich bei den Werkbetrieben seit Ihrem Amtsantritt alles verändert?

Früher waren die Werke ein starrer Geschäftszweig mit einer Haltung gegenüber der Kunden, dass einfach Strom fliessen muss. Das hat sich bis heute komplett geändert, nebst meinem mittlerweile spärlichen Haarwuchs (lacht). Die Werke haben sich zu einem modernen, kundenorientierten und sicheren Energieversorger entwickelt. Wir konnten sie aus ihrem Schattendasein von früher herausbewegen und stehen heute finanziell auf guten Beinen.

Wie sind die Kunden heute?

Heute stehen sie im Mittelpunkt, auch dank Smart-Meter lässt sich ihr Verbrauch optimieren. Früher waren EW, Gas und Wasser eigene Werke, alle Fahrzeuge waren unterschiedlich beschriftet. Mit der Vereinigung konnten wir alles unter einen Hut bringen, haben alle Prozesse beleuchtet, angepasst und innert kürzester Zeit vereinheitlicht. Das hat die Wahrnehmung der Werke gegenüber den Kunden stark verändert.

Sie kamen damals aus der Privatwirtschaft zur öffentlichen Hand. War dieser Wechsel schwierig?

Nein. Ich hatte schon früher eine ausgeprägte unternehmerische Haltung und konnte trotz eines Sprungs ins kalte Wasser schon damals unter Stadtammann Hans Bachofner viel anpacken und umsetzen.

Dann leben Sie den Pragmatismus.

Ja, bei mir muss immer etwas vorwärtsgehen. Ich hatte das Glück, die Werke gestalten, umzubauen und auf die Zukunft ausrichten zu können. Das macht Spass, aber funktioniert nur mit willigen und einsatzbereiten Mitarbeitenden.

Seit Jahren realisieren die Werke Ergebnisse mit teils Gewinnen in Millionenhöhe.

Wir sind mit unserer Mehrlieferantenstrategie für die bevorstehende Marktöffnung in ein paar Jahren sehr gut aufgestellt. Dank dem Know-How, das sich unsere Mitarbeitenden angeeignet haben, lassen sich die Preisveränderungen auf dem Markt ständig überwachen und Energie entsprechend einkaufen. Da steckt viel Arbeit dahinter. Zwar verringert die Marktöffnung die Gewinnmarge. Wenn aber die Werke Gewinn machen, geben wir diesen teils in Form von Rabatten an unsere Kundschaft weiter. Den Rest investieren wir in unsere Infrastruktur.

Was waren Höhepunkte unter Ihrer Ägide?

Da gibt es unzählige, von der Altstadtbeleuchtung, über das Kleinwasserwerk Zeughausbrücke oder die Zusammenarbeit bei der Biogasanlage in Oberwinterthur. Ich musste teils aber auch Überzeugungsarbeit leisten wie etwa bei der Übernahme der Elektra Herten, in welcher viel Herzblut steckte. Per Reglement mussten der Übernahme damals alle Mitglieder zustimmen. Also habe ich alle ins «Plättli» eingeladen, informiert und wurde für meinen Einsatz belohnt.

Wo sehen Sie noch Potenzial bei den Werkbetrieben?

Die Werke arbeiten auf gutem Niveau und sind gerüstet für die Zukunft. Es stehen mit der Marktöffnung und der Umsetzung der Energiestrategie 2050 aber auch noch einige Herausforderungen bevor.

Zur Person

Im Oktober 2002 übernahm Ernst Haas die Werkbetriebe Frauenfeld von seinem Vorgänger Arnold Zuber, der die Werke während 25 Jahren leitete. Der in Frauenfeld aufgewachsene Haas seinerseits geht Ende Juni in Pension und übergibt die Nachfolger Peter Wieland. Der 62-jährige Haas ist verheiratet, Vater von drei Kindern, frischgebackener Grossvater und wohnt im Kurzdorf. Nebenberuflich präsidierte er drei Jahre die Stadtmusik Frauenfeld und verbringt seine Freizeit als Hobby-Fotograf, im Modellbau oder bei Spaziergängen mit seinem Hund in der Natur. (sko)

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