Kommentar
Gewinn in der Stadtrechnung: Frauenfelds Problem mit dem zu grossen Polster

Schwarze Zahlen in der Rechnung der Frauenfelder Stadtverwaltung. Das bringt den Stadtrat aber eine Zwickmühle.

Mathias Frei
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Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld

(Bild: Reto Martin)

Die Zahlen der Stadtrechnung 2019 sind unerwartet schwarz. Das ist erfreulich – bringt den Stadtrat aber in eine Zwickmühle. Denn die Stadt hat immer mehr Geld auf der hohen Kante. Der Bilanzüberschuss ist auf mittlerweile über 72 Millionen Franken angewachsen. Ein gewisses Polster zu haben, ist gut und recht. Aber zu viel ist zu viel. Dieser Problematik ist sich der Stadtrat zwar bewusst und hält einen Bilanzüberschuss von rund 40 Millionen – etwa ein Steuer-Jahresertrag – für angemessen. Der Bilanzüberschuss kann aber einzig über Gewinne und Defizite der Erfolgsrechnung beeinflusst werden. Und nun? Bewusst schlecht wirtschaften, damit es der Stadt Jahr für Jahr ein Defizit einschenkt? Auf keinen Fall. Die mit dem Projekt Balance intensivierten Bemühungen auf der Einnahmen- wie auf der Ausgabenseite müssen weitergeführt werden. Zudem ist anzunehmen, dass sich die Coronakrise auch auf die Stadtfinanzen niederschlagen wird, etwa bei den Steuereinnahmen und den Sozialausgaben. So werden rote Zahlen wahrscheinlich. Der Stadtrat tut gut daran, antizyklisch zu agieren und die Investitionen keinesfalls herunterzufahren. Ein Defizit wäre zwar auch in diesen ausserordentlichen Zeiten unerfreulich, würde sich aber zumindest legitimieren lassen.