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Gewerkschafter fordern an der kantonalen 1.-Mai-Feier in Arbon: «Es braucht einen Richtungswechsel»

Das bedrohte Welt- und das sozial verbesserungsfähige Arbeitsklima waren die Themen an der kantonalen Feier zum Tag der Arbeit. Ein Systemwechsel und neue politische Mehrheitsverhältnisse sollen Abhilfe schaffen.
Max Eichenberger
Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Regierungsratspräsidentin Cornelia Komposch und Anke Gähme, Präsidentin Unia Ostschweiz, mit der alten Gewerkschaftsfahne. (Bild: Ralph Ribi)

Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Regierungsratspräsidentin Cornelia Komposch und Anke Gähme, Präsidentin Unia Ostschweiz, mit der alten Gewerkschaftsfahne. (Bild: Ralph Ribi)

Gewerkschafter und Sammler Jacob Auer hat aus seinem privaten Bestand eine Fahne von 1907 hervorgekramt. Purpurrot und gut erhalten. Sie flankiert mit einem Banner des Verbands des Personals öffentlicher Dienste, ausgeliehen vom örtlichen Museum, die Bühne im Arboner Seeparksaal.

Textile Zeugen der über hundertjährigen Gewerkschaftsbewegung hat der Veranstalter der kantonalen 1.-Mai-Feier, der Gewerkschaftsbund Arbon-Romanshorn, schon mal im Köcher. Gegen 200 Teilnehmer sind aus allen Gegenden des Thurgaus herbeigeströmt. Fahnen werden zwar keine mehr geschwungen, aber kämpferische Töne immer noch angestimmt.

«Mehr zum Leben» sei das richtige Motto

Er fühle sich wie an einem Klassentreffen, meint OK-Präsident und bald Arboner Neo-Stadtrat Didi Feuerle zweideutig, «das auch ein gesellschaftlicher Anlass ist». Und für viele ein Wiedersehensfest: mit Kartoffelsalat und Wienerli, bei lauem Vorsommerwetter. Würzige Reden an diesem Tag der Arbeit lassen den Zmittag jedoch erst so richtig munden.

«Wir sind immer am Abwehren, dass es nicht schlechter wird», sieht Feuerle viele Schauplätze, wo Gewerkschaften und Sozialdemokratie in der Defensive gefordert sind. So hätten wegen der Teuerung die Menschen unter dem Strich im Portemonnaie weniger Geld. Beim Lohnschutz drohe Ungemach. Für gleiche Arbeit verdienten Frauen immer noch weniger. Viele stöhnten unter der Krankenkassenprämienlast und benötigten Ergänzungsleistungen, weil die Rente nicht reiche. «Mehr zum Leben» sei daher das richtige Motto zum 1. Mai, schielt Feuerle auf das Plakat.

Neue Mehrheiten gefordert

Dafür brauche es einen Richtungswechsel und im eidgenössischen Parlament neue Mehrheiten, visiert Nationalrätin Edith Graf-Litscher den Wahlherbst an. «Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen für mehr Gerechtigkeit», sagt sie auch als Präsidentin des Gewerkschaftsbundes Thurgau.

«Es kann doch nicht sein, dass wir von acht Thurgauer Bundesparlamentariern nur eine Vertretung aus dem rot-grünen Lager haben.»

Ebensowenig könne es sein, dass die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern immer noch so gross seien – gerade auch im Thurgau.

Boni für die Chefs, während die Basis blutet

Stossend ist für Graf-Litscher ebenso das Gefälle in den staatlichen Betrieben wie den SBB, «wo der CEO über eine Million verdient und man dem Reinigungspersonal die Schmutzzulage von 1.45 Franken streicht». In der Privatwirtschaft gebe es Kader-Millionensaläre und Boni für wenige, während die Basis blute und Geld in der Pensionskasse fehle. Effizienzsteigerung könne nicht bloss zu Gunsten von wenigen auf dem Buckel der Basis angestrebt werden.

«Gelebte Sozialpartnerschaft gibt es dort, wo man miteinander gestaltet und den Dialog pflegt. Sie funktioniert nicht nach dem Motto: Ich bin der Chef, ihr seid die Bittsteller.» Eine Geste wäre es gewesen, wenn Stadler Rail bei ihrem Börsengang allen Mitarbeitern Zugang zu vergünstigten Aktien gegönnt hätte, nicht nur dem Kader.

Mit Bodenhaftung statt aus dem Elfenbeinturm

Die SP-Nationalrätin fordert mehr Solidarität ein. Und sie stört sich daran, dass in Bern oft «aus dem Elfenbeinturm politisiert» werde und es am Bewusstsein fehle, welche Auswirkungen das Handeln für die Menschen habe. So ist sie froh um ihre Bodenhaftung als Sekretärin der Gewerkschaft des Verkehrspersonals.

Edith Graf-Litscher wirbt für die Prämien-Entlastungs-Initiative, welche die Belastung auf zehn Prozent der Haushaltsbudgets beschränken will. Ihr Bekenntnis zu Europa ist gekoppelt an ein Rahmenabkommen, in dem der Lohnschutz garantiert wird: «Wir müssen uns die Zeit nehmen, bis die Antworten da sind und eine Vorlage referendumsfähig ist.»

Systemwechsel ist wegen des Klimaschutzes nötig

Für den Klimaschutz setzten sich die Linken schon seit Jahrzehnten ein. Jetzt, da er ein Mainstream-Thema geworden sei, hängten sich plötzlich auch andere Parteien dieses Etikett an, reklamiert Graf-Litscher mit Blick auf die Wahlen die Urheberschaft.

Sicher auch mit den Grünen. Simon Vogel, Präsident der Jungen Grünen, kritisiert, dass sich die Politik beim Klimaschutz «im Schneckentempo bewegt». Nachhaltige Lösungen und ein Systemwechsel seien aber dringend gefragt, damit das Klima nicht irreversibel kippt.

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