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Gewerkschaft fordert Verkürzung der Ladenöffnungszeiten im Thurgau

Der Arboner SP-Kantonsrat Jacob Auer fordert eine Verkürzung der zulässigen Ladenöffnungszeiten. Zuerst mit einem Vorstoss im Parlament. Eine Volksinitiative hat er in der Hinterhand. Beim Verband TGshop Fachgeschäfte Thurgau stösst er mit der Forderung auf wenig Gegenliebe.
Sebastian Keller
Am späten Abend noch den Wocheneinkauf erledigen - im Thurgau heute kein Problem. Der Kanton hat eines der liberalsten Ladenöffnungsgesetzen im ganzen Land. Verkaufsgeschäfte dürfen wochentags bis 22 Uhr geöffnet sein. (Bild: fotolia)

Am späten Abend noch den Wocheneinkauf erledigen - im Thurgau heute kein Problem. Der Kanton hat eines der liberalsten Ladenöffnungsgesetzen im ganzen Land. Verkaufsgeschäfte dürfen wochentags bis 22 Uhr geöffnet sein. (Bild: fotolia)

Der Thurgau hat seit 2003 ein grosszügiges Ladenöffnungsgesetz. Verkaufsgeschäfte dürfen von Montag bis Samstag von 6 bis 22 Uhr geöffnet sein. Diese Regelung hat das Volk am 22.September 2002 an der Urne gutgeheissen. Mit einem Vorstoss will Kantonsrat und Gewerkschafter Jacob Auer (SP, Arbon) nun das gesetzliche Zeitfenster verkleinern. Mit einer Motion verlangt er, dass die Geschäfte nur noch von 6 bis 19 Uhr geöffnet sein dürfen. Mitunterzeichnet haben sie 18 Kantonsrätinnen und Kantonsräte.

Umfrage zeigt Unzufriedenheit

Sein Anliegen begründet Auer mit einer Umfrage der Unia Thurgau. An dieser nahmen über 200 Mitarbeitende im Detailhandel teil. 92 Prozent der Befragten würden eine Verkürzung der Ladenöffnungszeiten unterstützen, heisst es im Vorstoss. Eine weitere Aussage: 62 Prozent bekunden bereits heute Mühe, Privatleben und Beruf nach aktuellem Gesetz unter einen Hut zu bringen. Unia-Sekretärin Azra Ganic sagt, die Umfrage sei in verschiedenen Thurgauer Läden durchgeführt worden. «Mitgemacht haben auch Filialleiterinnen», sagt sie. «Die Haltung vieler ist: Die langen Öffnungszeiten bringen gar nichts.» Weder mehr Kunden, noch mehr Umsatz. Jacob Auer beobachtet: «Abends um acht sind die Läden leer.»

Mit den längeren Öffnungszeiten hätten sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert, sagt die Gewerkschaftssekretärin. «Mehr Personal wurde nicht eingestellt.» Das bestehende Personal müsse einfach längere Mittagspausen in Kauf nehmen oder Teilzeitarbeit werde forciert. «Dadurch verliert der Beruf an Attraktivität», sagt Ganic. Sie kennen einige Personen, die deshalb im Nachbarkanton St. Gallen Arbeit gesucht hätten. Dort herrscht ein restriktiveres Gesetz: Geschäfte dürfen lediglich von Montag bis Freitag von 6 bis 19 Uhr geöffnet sein, am Samstag nur bis 17 Uhr.

Verband hält dagegen

Von einer Einschränkung der Öffnungszeiten hält Matthias Hotz nichts. Der Präsident des Verbandes TGshop Fachgeschäfte Thurgau sagt: «Ich bin der Meinung, dass das Thurgauer Gesetz über Ladenöffnungszeiten eine zweckmässige und zeitgemässe Lösung ist, auch im Vergleich mit anderen Kantonen.» Der Verband habe sich damals, im Abstimmungskampf 2002, für die heutige Regelung eingesetzt. Hotz betont: «Das Gesetz steckt nur einen maximal zulässigen Rahmen ab.» Innerhalb dessen stehe es den einzelnen Geschäften jedoch grundsätzlich frei, wann sie geöffnet haben wollen. Was den Verband nach wie vor stört, sind die «restriktiven Regelungen an den fünf hohen Feiertagen». So darf etwa am Karfreitag oder dem Bettag gar kein Laden öffnen.

Der Abstimmungskampf 2002 war emotional und engagiert, die Stimmbeteiligung lag bei 45,9 Prozent. Zuletzt machten nur 99 Stimmen den Unterschied. Auch weil es damals knapp war, glaubt Jacob Auer, dass das Volk für sein Anliegen offen wäre. Und an die Bevölkerung will er sich wenden, wenn der Grosse Rat seine Motion versenken würde. «Dann kommen wir mit einer Volksinitiative.»

Föderalismus bei Ladenöffnungszeiten

Ladenöffnungszeiten sind nicht auf Bundesebene geregelt. Deshalb sind die Bestimmungen je nach Region auch höchst unterschiedlich. Im Kanton Zürich dürften Läden wochentags theoretisch 24 Stunden geöffnet sein. Einige Kantone kennen gar kein einschlägiges Gesetz. Der letzte Anlauf für eine schweizweite Regelung scheiterte 2016. Der Ständerat Filippo Lombardi (CVP, TI) verlangte, dass in allen Kantonen Geschäfte mindestens von 6 bis 20 Uhr und samstags von 6 bis 18 Uhr geöffnet sein dürfen. Die kleine Kammer wehrte – mit Verweis auf den Föderalismus – den Vorstoss des Tessiners ab. (seb.)

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