Gewandet, nicht kostümiert sind die Teilnehmer der «AllArtia» in Pfyn

Zu einem Ausflug in eine frühere Zeit hat das mittelalterliche Markttreiben «AllArtia» nach Pfyn eingeladen.

Viola Stäheli
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Wie anno dazumal: Eine Familie am Pfyner «AllArtia». Bild: Andrea Stalder

Wie anno dazumal: Eine Familie am Pfyner «AllArtia». Bild: Andrea Stalder

Die weissen Zelte stechen aus der grünen Wiese hervor. Überall brennen kleine Feuer, deren Rauch sich in die Luft schlängelt. Es wirkt, als würde man in eine andere Zeit reisen.

Und genau das soll am mittelalterlichen Markttreiben «AllArtia» passieren. Vom Markttreiben ist derzeit aber nicht viel zu spüren, nur wenige Besucher sind zu sehen. Wo sich das Publikum aufhält, wird schnell klar, wenn man den donnernden Hufen folgt: Derzeit ist eine Show im Gange, bei der Ritter, Prinzessinnen und Sarazenen zeigen, dass auch von einem Pferd im gestreckten Galopp treffsicher mit Bogen und Pfeil hantiert werden kann.

«Die Reitergruppe haben wir zum ersten Mal bei uns», sagt Marek Krähenbühl, Initiator von «AllArtia». Zum fünften Mal findet das mittelalterliche Markttreiben statt und die Reitergruppe ist nicht die einzige Neuerung.

Zustupf aus Thurgauer Kulturpool

«Es gibt ein neues Organisationskomitee, da mir der Aufwand zu gross wurde. Ich bin aber immer noch beteiligt», sagt Krähenbühl. Mehrere hundert Arbeitsstunden erfordern die vielen Schreibarbeiten, welche etwa für Bewilligungen und finanziellen Zuspruch aus dem Thurgauer Kulturpool erforderlich sind.

Dazu kommt die Organisation von Marktfahrern und Unterhaltungsprogramm. Insbesondere Letzteres wurde ausgebaut: Musiker spielen auf dem Marktgelände, ein Kinderkarussell und eine Schiessbude laden zum Verweilen ein und im Märli-Zelt hängen Kinder gespannt an den Lippen der Erzählerin. Ein Paar schlendert an den Ständen vorbei, er trägt ein Kettenhemd, sie ein violettes Gewand. Auf die Inspiration für ihre Kostüme angesprochen, lachen beide: «Wir sind gewandet, nicht kostümiert.»

«Ich orientiere mich am englischen Adel im 13. bis 15. Jahrhundert.»

Jessica Wälti und Beat Bruderer kommen aus Zürich und besuchen jeden Mittelaltermarkt, wenn ihnen die Zeit reicht. «Ich orientiere mich am englischen Adel im 13. bis 15. Jahrhundert», sagt Wälti. Bruderer war schon als Kind von Rittern fasziniert und hat diese Faszination bis heute behalten: «Wenn ich gewandet an solche Anlässe gehe, ist das für mich immer eine kleine Flucht aus dem Alltag», sagt er. Klein und herzig sei «AllArtia»: «Hier wird man zum Geniessen eingeladen», sagt Wälti.

Pfyn TG - All Artia, freies mittelalterliches Markttreiben in Pfyn.
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Pfyn TG - All Artia, freies mittelalterliches Markttreiben in Pfyn.
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Pfyn TG - All Artia, freies mittelalterliches Markttreiben in Pfyn.

Geniessen geht auch ganz gut, wenn man eine Flasche Met in der Hand hat – das weiss Jarl Ragnar aus dem Rheintal. Er sitzt mit Freunden an einem Holztisch, zwischen Met- und Beerenweinstand. Jarl Ragnar ist nicht sein richtiger Name, ausser er ist als Wikinger oder Ritter unterwegs. «Ich gehe an jeden Mittelaltermarkt, an den ich kann. Mir gefällt einfach alles daran: der Met, die tollen Leute, das Eintauchen in eine andere Welt und alleine schon der Geruch der Lagerfeuer.»

Es sei ein spezielles Hobby, bei dem man schnell mit anderen Leuten in Kontakt komme, fügt Antonia Deluca hinzu. Sie und ihre Freunde Raffaela Hitz und Julian Fischer teilen sich die zeitaufwendige Leidenschaft. Zeit braucht nicht nur die Anreise, sondern auch das Entwerfen der Gewänder. «Vieles ist mehr Fantasie, als Wirklichkeit, was wir tragen. Besonders die Serien ‹Vikings› oder ‹Games Of Thrones› sind gute Inspirationsquellen.»

Berittene Schützen

Am «All Artia» waren auch elf Pferde mit ihren Reitern zu Gast – in eindrücklicher Weise demonstrierte die Reitergruppe ihre Schiessfertigkeiten mit dem Pfeilbogen hoch zu Ross. «Wir sind eine zusammengewürfelte Gruppe aus Schweizer Bogenreitern», sagt die Baslerin Elisabeth Stöcklin, die mit ihrem Araberfuchs angereist ist. Die Veranstalter von «AllArtia» haben einige Schaffhauser Bogenreiter für eine Showeinlage angefragt, woraufhin diese weitere Reiter zusammengesucht haben. «Wir kennen uns alle von Turnieren und es ist wirklich ein grossartiges Erlebnis, hier sein zu können», sagt Stöcklin. (vst)

Andere nehmen es aber genauer, wie Jorik Rogerson, der tatsächlich recherchiert, was anno dazumal getragen wurde – und wie die Namensgebung erfolgte. Marek Krähenbühl bemüht sich, das Feuer wieder zu entfachen. Der gelernte Schmied schmiedet auch am mittelalterlichen Markttreiben – nur mit etwas anderen Gerätschaften als üblich. «Ich bin mir sicher, dass es ‹AllArtia› wieder geben wird. Aber wir brauchen einen anderen Platz, nächstes Jahr wird auf diesem Feld Mais stehen.»