Präventionsaktion: Gewalt kann mehr sein als Schläge

Im Thurgau startete die schweizweite Kampagen «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» im Alterszentrum Bussnang.

Christoph Heer
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Evelyne Jung, Organisatorin (Thurgauer Senioren- und Rentnerverband) und Referentin Nadine Sutter (links). (Bild: Christoph Heer)

Evelyne Jung, Organisatorin (Thurgauer Senioren- und Rentnerverband) und Referentin Nadine Sutter (links). (Bild: Christoph Heer)

Nicht immer ist klar, wie häusliche Gewalt genau definiert wird. «Gewalt ist nicht nur schlagen und treten, also eine reine physische Angelegenheit», sagt Nadine Sutter, Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Thurgau anlässlich einer kantonalen Präventionsaktion in Bussnang, an der sich unter anderem auch Curaviva, Pro Senectute, SRK Thurgau und die Spitex beteiligt.

Es gebe zahlreiche subtilere Formen wie psychische oder sexuelle Gewalt, sagt Sutter. Dazu zählten etwa Geldentzug, Erpressung, Druck zur Eigentumsüberlassung oder Kontakte verbieten, Isolation, alleingelassen werden. Das müsse enttabuisiert werden. Sutter bekräftigt, dass auch Pflegebedürftige oft Opfer sind.

«Im vergangenen Jahr rückte die Kantonspolizei Thurgau 655 Mal infolge häuslicher Gewalt aus. 36 Interventionen betrafen dabei Menschen im Alter von über 60 Jahren.»

Respekt ist ein Zauberwort. Im respektvollen Umgang miteinander werden gewalttätige Auseinandersetzungen minimiert. Egal, ob Gewalt vom Ehepartner, dem eigenen Kind, oder sonstigen Verwandten ausgeht, es ist keine Privatsache und jeder, der davon Notiz nimmt, soll Hilfe anbieten. «Schwelende Konflikte sollen angesprochen werden. Unterstützung findet man dabei in Vertrauenspersonen oder Beratungsstellen. Auch die Polizei gehört zu denjenigen, die kontaktiert werden soll», sagt Nadine Sutter.

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache

Weiter erklärt Sutter, was die Folgen von unentdeckt bleibender Gewalt sein können:

«Vereinsamung, Angst vor Dritten, Depression, Isolation, Hilflosigkeit. All das muss nicht sein. Bei einer internationalen Umfrage gaben knapp 23 Prozent der zu Hause lebenden Menschen im Alter zwischen 60 und 84 Jahren an, im Jahr vor der Befragung von Gewalt betroffen gewesen zu sein.»

Diese Zahlen erschüttern zwei Zuhörerinnen im Alterszentrum Bussnang. «Wenn man bedenkt, dass ja überall noch eine Dunkelziffer vorhanden ist, dann macht das traurig. Umso besser finden wir, dass mit solchen Referaten darauf aufmerksam gemacht wird. Wir denken, dass wir das Gespräch suchen, wenn uns Gewalt in irgendeiner Form angetan würde.»