Glosse
Getauft auf Storchenfeld

Murgspritzer über die Fantasievorstellung, dass Frauenfeld saisonal oder wöchentlich einen anderen Namen trägt.

Samuel Koch
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Samuel Koch. (Bild: PD)

Samuel Koch. (Bild: PD)

Ohne dem Fräuli auf dem Frauenfelder Wappen zu nahe treten zu wollen. Den gewählten respektive wiedergewählten Stadträtinnen schon gar nicht. Und als «fremder Fötzel» den Namen des Kantonshauptortes zu denunzieren, gehört sich schon gar nicht. Trotzdem verleihen dem Leben hie und da Fantasievorstellungen die richtige Würze, wie etwa ein Namenswechsel der Stadt.

FrauenHeld ist zu spitzbübisch, FrauenGeld politisch zu inkorrekt. Da bleibt halt eben nur noch der Wechsel des ersten Substantivkompositums. Und da lässt sich – ideenreiche Leserinnen und Leser vorausgesetzt – locker flockig alles Mögliche einsetzen.

Jetzt stelle man sich vor, der Name der Stadt wechselt saisonal oder gar wöchentlich. Bechtelisfeld? Open-Air-Feld? Stadtratswahlenfeld? Gemeinderatswahlenfeld? Oder gar Hallenbadsanierungsfeld? – Eher nicht! Viel überzeugender wäre ein Namenswechsel in Richtung Zoologie. Denn der Frühling steht ja nicht nur für uns Menschen vor der Tür, sondern auch für die felltragenden Vier- oder die gefiederten Zweibeiner, wie die Fülle aller Fotos, Meldungen und Kommentare auf einer sozialen Plattform mit weissem F auf blauem Grund beweist.

Fuchsfeld? Entenfeld? Löwenfeld? – Tönt alles etwas unsinnig. Da kommt also auch Leuli nicht in den Genuss, in den Stadtnamen gehievt zu werden. Zumindest für die nächsten Tage getauft wird Frauenfeld auf den Namen Storchenfeld. Zu Ehren jener Tiere, die stets hoch über der Stadt wachen.

Das heisst, spätestens jetzt müssen sich die Mitglieder des frisch bestellten Stadtrates sowie die bald ernannten Mitglieder des neu zusammengesetzten Gemeinderates ab Anfang Juni beweisen. Ansonsten bestellen die Frauenfelder einfach den Storch, der für politischen Nachwuchs sorgt.