Interview
Chef des Thurgauer Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee zur Trockenheit und Hitze: «Die Gesundheit der Bevölkerung macht mir Sorgen»

Hans Peter Schmid, Chef Amt für Bevölkerungsschutz und Armee, über die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit. Ein Feuerverbot für den 1. August ist weder bechlossen noch vom Tisch.

Sebastian Keller
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Hans Peter Schmid, Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee. (Bild: Reto Martin)

Hans Peter Schmid, Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee. (Bild: Reto Martin)

Beim Amt für Bevölkerungsschutz und Armee laufen die administrativen Fäden des Fachstabs Trockenheit zusammen. In diesem tauschen sich verschiedene kantonale Stellen aus und diskutieren Massnahmen und Empfehlungen. Zum Beispiel ein allfälliges Feuer- und ein Wasserentnahmeverbot. Am Rande einer Pressekonferenz des Kantons hat die «Thurgauer Zeitung» Hans Peter Schmid zum Thema Trockenheit befragt. Er leitet das Amt für Bevölkerungsschutz und Armee.

Derzeit herrscht im Thurgau Trockenheit. Wie präsentiert sich die Situation aktuell?

Hans Peter Schmid: Wir hatten im vergangenen Jahr eine Trockenperiode. Das hat dazu geführt, dass Grundwasserstände und die Quellestände beeinträchtigt waren. Deshalb sind wir dieses Jahr bereits mit einem Rückstand gestartet. Da man damit rechnen musste, haben sich die kommunalen Wasserversorgungen darauf eingestellt. So hat die Wasserversorgung auf dem Seerücken früh reagiert und eine Empfehlung zum Wassersparen abgegeben, bevor sich ein Engpass oder eine Notlage abzeichnete.

Aber von einer Notlage sind wir noch weit entfernt?

Wir sind noch sehr weit weg von einer Notlage.

Ausser Wasserknappheit: Welche Risiken bestehen wegen Hitze und Trockenheit noch?

Die Gesundheit der Bevölkerung macht mir Sorgen. Es besteht die Gefahr, dass kranke, ältere oder anderweitig geschwächte Personen noch mehr leiden also sonst. Das ist etwas, was die Bevölkerung unmittelbar betrifft. Zudem nimmt die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz ab. Wir können froh sein, dass wir in der Ferienzeit sind. Da können es viele etwas lockerer nehmen und sich das Leben einteilen. Ganz wichtig ist: Schatten aufsuchen.

Gibt es Lehren, die man aus dem trockenen und heissen Jahr 2018 gezogen hat?

Die Situation wurde analysiert, es wurden auch Empfehlungen abgegeben. Im Grossen Rat gab es Vorstösse, die verlangten, dass man diesem Thema mehr Beachtung schenken soll. In den nächsten Jahren werden im Kanton Projekte gestartet, um der Klimaänderung entgegenzuwirken. Das Klima wird man zwar nicht direkt beeinflussen können. Aber man wird versuchen, die Auswirkungen auf Bevölkerung, Wirtschaft und Landwirtschaft zu lindern.

Wie wichtig ist die Information der Bevölkerung?

Das ist ein ganz wichtiger Teil. Die Bevölkerung hat viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Informationen werden häufig von vom Bund zur Verfügung gestellt, aber auch kantonale Ämter wie das Amt für Umwelt stellt Informationen auf ihren Kanälen bereit.

2018 galt rund einen Monat lang ein totales Feuerverbot, 1.August-Funken waren verboten. Ist das auch dieses Jahr notwendig?

Im Moment erachten wir das nicht als nötig. Doch: Man muss immer damit rechnen, dass Einschränkungen beschlossen werden. Ein Feuerverbot müsste allerdings die Regierung erlassen. Das wird aber sicher kein Schnellschuss: Der Fachstab verfolgt die Lage eng.

Darf ich am 1. August eine Rakete abfeuern?

Dazu kann ich heute noch nichts sagen.

Die Trockenheit ist zwar auch ein Ernstfall, aber man scheint ihn im Griff zu haben. Sind diese Phasen auch eine Möglichkeit für den Kantonalen Führungsstab (KFS), dessen Chef Sie wären, um zu üben?

Der KFS führt jährlich Übungen durch. In den vergangenen fünfzehn Jahren kam er allerdings nie in den Ernsteinsatz. Die Probleme konnten immer niederschwelliger, etwa mit einem Fachstab wie beim Thema Trockenheit, gelöst werden.

Wäre es denkbar, dass der KFS wegen langer Trockenheit eingesetzt würde?

Das wäre sicher möglich. Wenn die Auswirkungen auf die Bevölkerung so massiv sind, dann würde der KFS von Regierungsrätin Cornelia Komposch einberufen. Sie müsste als Vorsteherin des Departementes für Justiz und Sicherheit eine ausserordentliche Lage befehlen. In diesem Fall hätte der Regierungsrat auch die Kompetenz, rasch zu reagieren. Das sieht das Gesetz über die Bewältigung von ausserordentlichen Lagen so vor.

Hinweis
Empfehlungen des Bundes im Umgang mit der Hitze: www.bag.admin.ch