Gespräche auf Eis gelegt: Eschliker Gemeinderat und Schulbehörde sind sich nicht einig über Zusammenschluss

Abfuhr an den Gemeinderat: Die Eschliker Schulbehörde will von einer Einheitsgemeinde nichts wissen.

Olaf Kühne
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Baulich wächst Eschlikon langsam zusammen, politisch noch lange nicht.

Baulich wächst Eschlikon langsam zusammen, politisch noch lange nicht.

(Bild: Olaf Kühne)

Was in anderen Kantonen seit Jahren selbstverständlich ist, taucht im Thurgau regelmässig als Thema mit Konfliktpotenzial auf: die Einheitsgemeinde, der Zusammenschluss von Politischer und Schulgemeinde. Den Schritt vollzogen hat im Kanton bis anhin einzig Sirnach – 2013 in einer unumstrittenen Abstimmung. In Münchwilen hingegen kam das Thema vor drei Jahren gegen den Widerstand der Schulbehörde an die Urne und wurde mit einer hohen Stimmbeteiligung klar verworfen. Und in Fischingen kam die Idee nicht über einen Infoabend der Interpartei hinaus.

Aktuell hat sich der Eschliker Gemeinderat das Thema auf die Fahne geschrieben. Oder besser gesagt: hatte. Als sogenanntes «Handlungsfeld 2020» wollte die Behörde «die Frage einer Einheitsgemeinde mit der Volksschulgemeinde klären».

Linus KöppelSchulpräsident Eschlikon

Linus Köppel
Schulpräsident Eschlikon

(Bild: ZVG)

Doch daraus wird nun nichts. Wie der Gemeinderat mitteilt, stehe die Volksschulgemeinde «nicht für Gespräche zur Verfügung». In ihrer Meldung zitiert die Behörde zudem aus einem Schreiben der Schulbehörde an den Gemeinderat. Dessen Inhalt bestätigt Schulpräsident Linus Köppel auf Anfrage unserer Zeitung – und bringt sogleich die Haltung seiner Behörde auf den Punkt: «Eine Einheitsgemeinde löst unsere Herausforderungen im Kerngeschäft Schule nicht.» Zwar arbeite man seitens Schule gut mit der Politischen Gemeinde und dem Gemeinderat zusammen. Als Beispiele benennt Köppel gemeinsame Projekte oder Themen wie die neue Sporthalle, Tagesstrukturen für Kinder oder auch das weite Feld des Sozialen.

Weitere Synergien oder gar ein Potenzial zur Kostensenkung sehe man hingegen nicht. «Kleinere Gemeinden haben eher das Problem, dass es schwierig ist, spezialisiertes Personal für eine Teilzeitanstellung zu finden», sagt Linus Köppel. «Für eine Verbesserung in diesem Bereich ist die Einheitsgemeinde allerdings das falsche Rezept. Hier wären vielmehr Fusionen oder zumindest Kooperationen mit Nachbargemeinden hilfreich.» Kantone wie Glarus oder auch Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen verdeutlichten klar den Trend zu grösseren Gemeinden.

Und weil die Bildung einer Einheitsgemeinde ein Projekt über mehrere Jahre ist, fehlten der Schulbehörde hierfür auch die personellen Ressourcen. «Wir haben viele Projekte am Laufen, welche uns absorbieren und mit denen wir uns in unserem Kerngeschäft verbessern wollen», sagt Köppel, «im Sicherstellen einer guten Beschulung von Kindern und Jugendlichen.» Für eine Einheitsgemeinde hingegen bestehe keine Not. «Solche Veränderungen macht man besser in kleinen Schritten», ist Köppel überzeugt. «Man heiratet ja auch nicht gleich, sondern zieht erst mal zusammen und lernt sich besser kennen.»

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