Gesichter machen ein Leben aus: In der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere ist posthum das Lebenswerk des Thurgauer Porträtmalers Emanuel Bossart zu sehen

Würdigung für einen künstlerischen Autodidakten: In der Baliere ist das Werk des Hinterthurgauer Malers und Grafikers Emanuel Bosshart (1913 bis 2002) zu sehen.

Mathias Frei
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Ein Selbstporträt von Emanuel Bossart (1913 bis 2002), daneben Sohn Matthias Bossart.

Ein Selbstporträt von Emanuel Bossart (1913 bis 2002), daneben Sohn Matthias Bossart.

(Bild: Donato Caspari)

Im besten Fall zeigt ein Porträt das Wesen eines Menschen, nicht nur sein Abbild. Emanuel Bossart ist dieser beste Fall gelungen. Das ist in der neuen Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere zu sehen, die morgen Donnerstag Vernissage feiert: «Emanuel Bossart (1913 bis 2002) – Ölbilder, Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle». Nebst naturalistischen Porträts, die den Hauptteil ausmachen, gehören auch Landschaften – in frühen Jahren expressiv, später flächiger – zur Schau. Sohn Matthias Bossart hat eine umfassende Retrospektive zum künstlerischen Lebenswerk seines Vaters zusammengestellt.

«Werke, die ich subjektiv am interessantesten fand.»

Das sagt Matthias Bossart. Es ist die erste Schau seit dem Tod Emanuel Bossarts.

Baliere-Kuratorin Carole Isler beschäftigte sich vergangenes Jahr intensiv mit Künstlernachlässen. Matthias Bossarts Ausstellungsanfrage stiess so bei ihr auf offene Ohren. Diese Retrospektive sei eine passende Würdigung für einen Künstler wie Emanuel Bossart, sagt sie.

«Matthias Bossart spricht immer so bescheiden von seinem Vater. Dabei fasziniert mich dessen Werk ausserordentlich.»

Eines Tages sagte er: «Jetzt höre ich auf»

Emanuel Bossart begann im Alter von 14 oder 15 Jahren zu zeichnen. Und er blieb bis ums Jahr 2000 herum künstlerisch aktiv. «Dann sagte er eines Tages: Jetzt höre ich auf», erzählt Matthias Bossart als mittlerer von drei Söhnen. Er ist selber Bildender Künstler, war 1985 erster Adolf-Dietrich-Preisträger. Das Werk seines Vaters ist seit 20 Jahren im Atelier von Matthias Bossart eingelagert, der in Zürich lebt.

Ein Werk Emanuel Bossarts.

Ein Werk Emanuel Bossarts.

(Bild: PD)

Vater Emanuel Bossart war künstlerischer Autodidakt. In Sirnach aufgewachsen, ging er zum Arbeiten mit 15 in die Fabrik. Später machte er eine Lithografenlehre in Winterthur, nahm an der Kunstgewerbeschule Zürich Schriftenunterricht. Ab 1935 wirkte er als freischaffender Grafiker. Ab 1943 lebte er in Eschlikon, gründete eine Familie. Am Anfang waren Zeichnungen mit Tusche und Bleistift, ab den 1970ern malte er vermehrt Öl- und Aquarellbilder. Lange Jahre hatte er ein Atelier in Dingetswil im damals höchstgelegenen Thurgauer Schulhaus.

Buchcover von «Die Gemeindewappen des Kantons Thurgau».

Buchcover von «Die Gemeindewappen des Kantons Thurgau».

(Bild: PD)

Emanuel Bossart hat die Thurgauer Gemeindewappen massgeblich geprägt, indem er sie (damals noch 200 Wappen) im Auftrag des Kantons modernisierte. Daraus resultierte die bekannte Publikation «Die Gemeindewappen des Kantons Thurgau» aus dem Jahr 1960. Daneben schuf er rund 2500 Etiketten für Schweizer Weine, kreierte Logos, Schriftbilder in Kirchen, gestaltete Bücher und Briefmarken.

Emanuel Bossart hat Freunde porträtiert, Tibeterinnen in Sirnach, Schüler in Eschlikon, seine Eltern, Soldaten im 2. Weltkrieg, seine Familie – und oft auch sich selber.

«Weil ihm wohl das Sujet fehlte.»

Das mutmasst sein Sohn. Er sagt: «Bei den porträtierten Personen, die ich kennen gelernt habe, hat er mehr aus ihnen herausgeholt.»

Vernissage: Donnerstag, 16. Januar, 19 Uhr, Stadtgalerie Baliere. Bis 16. Februar. Do, 17 bis 20 Uhr; Sa/So, 14 bis 18 Uhr.

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