Lockdown

«Alle werden in den gleichen Topf geworfen»: Die Thurgauer Detailhändler schliessen ab Montag zähneknirschend ihre Läden

Wegen Corona geschlossen. Dass die Thurgauer Detailhändler erneut ihre Läden schliessen müssen, ist ein harter Schlag. Das Onlinegeschäft ist nur ein kleiner Trost.

Silvan Meile
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Ab Montag müssen alle Geschäfte schliessen, die «Güter des nicht täglichen Bedarfs» verkaufen.

Ab Montag müssen alle Geschäfte schliessen, die «Güter des nicht täglichen Bedarfs» verkaufen.

Keystone

Eine Kundin will die bestellten Messer abholen. Doch diese sind noch nicht eingetroffen. «Kommen sie noch diese Woche?», fragt die Kundin mit Blick auf die Zwangsschliessung der Geschäfte ab Montag. Elisabeth Steiner vom Steiner Haushaltswarengeschäft in Frauenfeld kann beruhigen. Falls die Messer nicht diese Woche noch eintreffen sollten, könne sie die Kundin abholen kommen. «Pick-up-Service» nennt sie es. «Das dürfen wir noch.»

Bis zur Medienkonferenz des Bundesrates am Mittwochnachmittag hatte Elisabeth Steiner gehofft, dass es nicht zur Ladenschliessung kommt. Sie ist Vizepräsidentin des TGShop, der Vereinigung der Thurgauer Fachgeschäfte. Der Hoffnungsschimmer sei die Meldung vom Dienstag gewesen, dass nun für die Schweiz ein zweiter Impfstoff zugelassen ist. Steiner glaubte daran, dass es dadurch ohne Zwangsschliessungen gehen könnte.

Die Laufkundschaft fehlt sowieso

Elisabeth Steiner.

Elisabeth Steiner.

Bild: PD

Nun ist es aber anders gekommen. Der Bundesrat hat entschieden: Läden für Güter des nicht täglichen Bedarfs werden geschlossen. Möglicherweise bietet Steiner in ihrem Haushaltsgeschäft in der Frauenfelder Altstadt auch Gegenstände an, die zum täglichen Bedarf gezählt werden können.

Doch selbst wenn sie einen Teil ihres Sortiments anbieten darf, fehle die Laufkundschaft, weil die allermeisten Geschäfte zu bleiben müssen. Bei der Begrifflichkeit brauche es dennoch Klarheit. Für alle müssten die gleichen Regeln gelten. Im Lockdown vom Frühling ärgerten sich die Detaillisten, dass Lebensmittel-Grossverteiler Produkte verkauften, welche auch Fachgeschäfte anbieten, die geschlossen bleiben mussten.

Blumengeschäft hegt Hoffnung

Der Entscheid ist ein harter Schlag für alle Detaillisten, sagt Florian Küng, Geschäftsleiter des gleichnamigen Blumen- und Gartencenter mit Hauptsitz in Frauenfeld. Er selber habe im Frühling gute Erfahrungen mit dem Onlinegeschäft gemacht. Bei der aktuellen Kälte könne er die Blumen und Pflanzen zum Abholen nicht nach draussen stellen. Hier brauche es eine Lösung.

Küngs Geschäft ist wohl nicht von der Schliessung betroffen. Tatsächlich gehören gemäss einer Verordnung des Bundes etwa Baumärkte, Blumenläden, Coiffeursalons oder auch Optiker zu den Geschäften, die offen bleiben können.

Restaurants, Kulturbetriebe, Sportanlagen und Freizeiteinrichtungen bleiben hingegen bis Ende Februar weiterhin geschlossen. Küng sagt: «Für die Restaurants ist es brutal. Um sie habe ich am meisten Angst», sagt Küng.

«Für die Restaurants ist es brutal. Um sie habe ich am meisten Angst.»

Die generelle Schliessung aller Läden sei ein nur schwer zu verstehender Entscheid, sagt Elisabeth Steiner.

«Alle werden in den gleichen Topf geworfen.»

In ihrem Geschäft sehe die Situation nun wirklich anders aus als in einem überfüllten Einkaufszentrum, wo die Menschen an den Kassen Schlange stehen.

Nach dem Lockdown im Frühling hatte Elisabeth Steiner den Onlineshop ihres Geschäfts ausgebaut, das Sortiment erweitert. Viele Kunden würden sich dort Produkte aussuchen, kommen dann aber doch vorbei, um es auch vor Ort anzuschauen. Steiner sagt:

«Unsere Kundschaft kommt gerne in den Laden.»

Das ist ab Montag nicht mehr möglich. «Hoffentlich geht es nicht länger als sechs Wochen, jetzt laufen ja die Impfungen.»