Gesamtbild 2040
Damit Fleisch an den Knochen kommt: So will die Agglomeration Frauenfeld künftig ihre räumliche Entwicklung steuern

Die Stadt Frauenfeld sowie die Gemeinden Gachnang und Felben-Wellhausen präsentieren ihre Strategie, wie sie an die Honigtöpfe des Bundes kommen wollen. Bevor man aber neue Aggloprogramm-Projekte eingeben kann, müssen aus früheren Programmen Massnahmen umgesetzt werden. Dafür gibt es im Frühling 2022 eine Volksabstimmung.

Mathias Frei
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Sie diskutieren die Zukunftsbilder des Illustrators Matthias Gnehm: Gachnangs Gemeindepräsident Roger Jung, Stadtrat Andreas Elliker, Stadtpräsident Anders Stokholm und Felben-Wellhausens Gemeindepräsident Werner Künzler.

Sie diskutieren die Zukunftsbilder des Illustrators Matthias Gnehm: Gachnangs Gemeindepräsident Roger Jung, Stadtrat Andreas Elliker, Stadtpräsident Anders Stokholm und Felben-Wellhausens Gemeindepräsident Werner Künzler.

Bild: Andrea Stalder

Die Flughöhe ist noch recht hoch. Dem ist sich Stadtrat Andreas Elliker bewusst. Und das bringt ihn vorerst auch noch in die Bredouille. Denn der Vorsteher des Departements für Bau und Verkehr weiss, dass Politik und Bevölkerung am liebsten schon jetzt detailliert die Welt erklärt bekämen.

«Damit jetzt Fleisch an den Knochen kommt, braucht es aber diese Grundlagenplanung.»
Leitsatz: Im grünen Stadtraum leben. Im Bild das Bleichequartier in Frauenfeld.

Leitsatz: Im grünen Stadtraum leben. Im Bild das Bleichequartier in Frauenfeld.

Bild: PD/Matthias Gnehm

So erklärt es Elliker an einer gemeinsamen Medieninformation der Stadt sowie der beiden Agglogemeinden Gachnang und Felben-Wellhausen am Freitagvormittag. Thema ist das Gesamtbild 2040 der Agglomeration Frauenfeld. 2040, weil der Zeithorizont für die Steuerung der räumlichen Entwicklung bei etwa 20 Jahren liegt, wie Gachnangs Gemeindepräsident Roger Jung erklärt.

Visuelle Umsetzung des Gesamtbildes 2040.

Visuelle Umsetzung des Gesamtbildes 2040.

Bild: PD/Matthias Gnehm

Öffentliche Mitwirkung bis 11. Juli erwünscht

Kommenden Montag, 10. Mai, startet der öffentliche Mitwirkungprozess zum Gesamtbild der Agglomeration Frauenfeld. Dies ist einer Medienmitteilung der Agglomeration Frauenfeld zu entnehmen. Bis 11. Juli besteht die Möglichkeit, sich online, per E-Mail oder auf dem Postweg zum Gesamtbild zu äussern. Alle relevanten Unterlagen und Informationen sowie das Online-Umfrageformular findet man unter www.stadtentwicklung-frauenfeld.ch/mitwirkung. Für Interessierte geben an acht Tagen jeweils ein Vertreter der Exekutive sowie eine Fachperson im Stadtlabor in der Frauenfelder Altstadt (Zürcherstrasse 158) Auskunft: Freitag, 28. Mai, 14 bis 18 Uhr; Samstag, 29. Mai, 10 bis 14 Uhr; Freitag, 4. Juni, 14 bis 18 Uhr; Freitag, 11. Juni, 14 bis 18 Uhr; Freitag, 18. Juni, 14 bis 18 Uhr; Samstag, 19. Juni, 10 bis 14 Uhr; Freitag, 25. Juni, 14 bis 18 Uhr; Freitag, 2. Juli, 14 bis 18 Uhr. (red)

Auch wenn es etwas länger gedauert hat

Leitsatz: Wasser erlebbar machen. Im Bild der Murgraum in der unteren Vorstadt in Frauenfeld.

Leitsatz: Wasser erlebbar machen. Im Bild der Murgraum in der unteren Vorstadt in Frauenfeld.

Bild: PD/Matthias Gnehm

Das Gesamtbild 2040 ist von der Lokalpolitik sehnsüchtig erwartet worden. Elliker verwies in jüngerer Vergangenheit fast schon mantraartig auf dieses Gesamtbild, das alsbald kommen sollte. «Nun ist es vollbracht», sagt er jetzt. Auch wenn es etwas länger gedauert habe als anfangs erhofft. Er sagt:

«Ohne Auslegeordnung etwas anzufangen, ist der falsche Weg.»
Ganz rechts: Stadtrat Andreas Elliker in Aktion.

Ganz rechts: Stadtrat Andreas Elliker in Aktion.

Bild: Andrea Stalder

An der Pressekonferenz liegt auf einem Tisch die visuelle Ausformung des Gesamtbilds, eine mögliche Zukunft, gestaltet vom Zürcher Illustrator Matthias Gnehm. Da könne man auch hineinzoomen, sagt Elliker. Sicher kein Seich, denn so können sich auch Herr und Frau Frauenfelder etwas darunter vorstellen. Das Gesamtbild ist aber noch mehr. Es hilft Frauenfeld, Gachnang und Felben-Wellhausen, koordiniert die konkretere Zukunft zu gestalten, abgestimmt auf die Siedlungs-, Verkehrs- sowie Grün- und Freiraumplanung. Und das Gesamtbild bildet die Grundlage für die Projekteingabe betreffend dem Agglomerationsprogramm der fünften Generation (AP 5), die 2025 erfolgen muss. Damit man beim AP 5 wieder an Bundesgelder kommt, nachdem die Agglo Frauenfeld beim Vorgänger-AP auf eine Eingabe verzichtet hatte, weil zu viele frühere AP-Massnahmen ihrer Umsetzung harrten. Elliker sagt:

«Die Agglomeration Frauenfeld muss beim Bund zu einer guten Schülerin werden.»
Leitsatz: Verkehrsnetz optimieren. Im Bild der grüne Islikoner Dorfplatz.

Leitsatz: Verkehrsnetz optimieren. Im Bild der grüne Islikoner Dorfplatz.

Bild: PD/Matthias Gnehm

Um Vorzeigeschülerin zu werden, müsse man nicht nur mit Gachnang und Felben-Wellhausen zusammenarbeiten, sondern auch den Kanton im Boot haben. Weiter bedinge das einen Blick über den Tellerrand hinaus, in die 15 Regio-Gemeinden. Aber am wichtigsten sei die Mitwirkung der Bevölkerung, sagt Stadtrat Elliker. Dafür startet kommenden Montag die Frist für Eingaben, Ideen, Meinungen und dergleichen. Bis 11. Juli ist die Mitwirkung erwünscht.

Die wichtigste Agglomeration im Kanton Thurgau

Wie Stadtpräsident Anders Stokholm als Präsident der Regio und Leiter des Agglo-Lenkungsausschusses erklärt, basiert das Gesamtbild auf der seit 2017 in der Kantonsverfassung festgeschriebenen Vorgabe betreffend «sparsamem Umgang mit dem Boden und qualitativ hochwertiger Raumentwicklung». Stokholm sagt:

«Frauenfeld ist die wichtigste Agglomeration im Kanton Thurgau.»

Wichtigstes Instrument des Gesamtbildes sind sechs Leitsätze. Diese sind behördenverbindlich und dienen gemäss Stokholm einerseits dem Wohlbefinden des Menschen, andererseits der Aufwertung des Lebensraums von Fauna und Flora.

Die sechs Leitsätze:

  • Im grünen Stadtraum leben
  • Wasser erlebbar machen
  • Verkehrsnetz optimieren
  • Situationsgerecht fortbewegen
  • Innenentwicklung gestalten
  • Werkplatz fortschrittlich entwickeln

Was in Gachnang und Felben-Wellhausen möglich ist

Leitsatz: Situationsgerecht fortbewegen. Im Bild das alte Langdorf im Murgbogen.

Leitsatz: Situationsgerecht fortbewegen. Im Bild das alte Langdorf im Murgbogen.

Bild: PD/Matthias Gnehm

Für Gachnangs Gemeindepräsident Roger Jung sind eine kompakte Bebauung am Bahnhof Islikon für Wohnen und Gewerbe, ein grüner Dorfplatz im Islikoner Zentrum oder auch das Hervorheben respektive die Zugänglichkeit des Tegelbachs ein Thema. «Wir sind an der Ortsplanung und zugleich an der Agglomerationsplanung», sagt Jung. Wie Werner Künzler, Gemeindepräsident von Felben-Wellhausen, erklärt, ist in seiner Gemeinde der Umstand relevant, dass die Wohnbaulandreserven praktisch ausgenutzt sind und man mit der inneren Verdichtung fast nach sei. Auch hier geht bei den möglichen Massnahmen um die Aufwertung von Gewässer- und Grünraum.

«Und wir befürworten seit jeher den Autobahn-Halbanschluss Pfyn.»

Das sagt Künzler. Er sieht auch Vorteile im gemeinsamen Auftreten, etwa wenn es um Interessen gegenüber den SBB geht.

Ein Gebiet mit 33'000 Einwohnern

Die Agglomeration Frauenfeld umfasst ein Gebiet, das 45 Quadratkilometer gross ist und nebst der Stadt auch die Gemeinden Gachnang sowie Felben-Wellhausen einschliesst. In der Agglo gibt es insgesamt 23'000 Arbeitsplätze. Im Rahmen des kantonalen Richtplans ist für die Agglo bis ins Jahr 2040 ein Bevölkerungswachstum von 20 Prozent vorgesehen, also auf knapp 40'000 Einwohner. Die Bevölkerung der Agglomeration ist auch in den vergangenen 20 Jahren um einen Fünftel gewachsen. (ma)

In Frauenfeld pressiert's ein wenig, bald ist 2027

Leitsatz: Innenentwicklung gestalten. Im Bild der Murgraum beim Lindenpark.

Leitsatz: Innenentwicklung gestalten. Im Bild der Murgraum beim Lindenpark.

Bild: PD/Matthias Gnehm

Auch für die Stadt Frauenfeld ist eine Vielzahl von möglichen Massnahmen aufgeführt. Das fängt bei der Römerstrasse als Verbindung zwischen Langdorf und Kurzdorf an, geht über die Aufwertung von Gewässer- und Grünraum oder von Plätzen und endet auch nicht bei Stadtliften, einem Fussgängerdurchgang zwischen Oberem und Unteren Mätteli, einem durchgehenden Murgfussweg oder bei der Langdorf-Allee. Dringlicher sind aber Massnahmen in vier Themenbereichen, die bis 2027 umgesetzt sein müssen. Es sind Projekte aus den Agglomerationsprogrammen der ersten und zweiten Generation, für die der Bund bereits Gelder genehmigt hat. Stadtrat Elliker sagt:

«Gelingt uns deren Umsetzung bis 2027 nicht, weil es ein Nein bei der Volksabstimmung gibt, so verlieren wir fünf Jahre und müssen wieder zurück auf Feld 1.»

In diesem Fall könnte man nämlich keine Projekteingaben für das AP 5 machen. Bei den vier umzusetzenden Massnahmenbereichen handelt es sich um folgende:

  • Aufwertung von Strassenraum und Plätzen, Prüfung von Temporeduktionen: Vorstadt, Ringstrasse, Holdertor/Rheinstrasse
  • Begegnungszone Freie Strasse/Bankplatz
  • Begegnungszone Kirchgasse
  • Begegnungszone Engelvorstadt, optimierte Zugänglichkeit zur Altstadt

Wie Elliker sagt, soll es für diese dringlichen Massnahmen im Frühling 2022 eben eine Volksabstimmung über einen Rahmenkredit geben.

«Es geht um einen Rahmenkredit, nicht um einen Kredit für jeden einzelnen Randstein.»
Leitsatz: Werkplatz fortschrittlich entwickeln. Im Bild der Murgbogen mit dem ehemaligen Eidgenössischen Zeughaus auf der rechten Seite.

Leitsatz: Werkplatz fortschrittlich entwickeln. Im Bild der Murgbogen mit dem ehemaligen Eidgenössischen Zeughaus auf der rechten Seite.

Bild: PD/Matthias Gnehm

Der Bund hatte einst in Aussicht gestellt, von den Gesamtkosten für diese Massnahmen in Höhe von 6,92 Millionen Franken 35 Prozent zu übernehmen. Den Rest sollten Stadt und Kanton finanzieren. Die Kostenübernahme durch Bundesbern gilt bei einem Ja in der Volksabstimmung weiterhin, die 6,92 Millionen sind aber Stand 2005 – exklusive Mehrwertsteuer und Teuerung. Das entsprechende Preisschild für die Stadt Frauenfeld dürfte sich also noch etwas nach oben bewegen. Für alle möglichen Massnahmen der Agglomeration im Gesamtbild hingegen gibt es gemäss Stadtpräsident Stokholm noch keine Vorstellung betreffend der Kosten.