Gerichte und Gespräche: Seit zehn Jahren leitet Elisabeth Gretler den Mahlzeitendienst der Region Diessenhofen

Heute gibt es Spätzli, Geschnetzeltes und Rotkraut. Elisabeth Gretler, Leiterin des Mahlzeitendienstes der Region Diessenhofen, liefert das Essen mehrmals pro Woche selber aus. Dabei kommt sie mit den Empfängerinnen auch ins Gespräch. «Es sind diese Unterhaltungen, die den Mahlzeitendienst wertvoll machen», sagt sie.

Thomas Brack
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Elisabeth Gretler liefert die Mahlzeiten aus, die Jean-Pierre Voirol in der Küche des St.Katharinentals kocht.

Elisabeth Gretler liefert die Mahlzeiten aus, die Jean-Pierre Voirol in der Küche des St.Katharinentals kocht.

Bild: Thomas Brack

Es ist ein grauer, nebelverhangener Morgen, halb neun. Elisabeth Gretler steuert ihren Wagen zur Küche des St.Katharinentals. Nachdem sie sich des Ordners mit allen nötigen Unterlagen behändigt hat, schreitet sie zu den sieben säuberlich beschrifteten Styroporboxen, in welchen die bestellten Mahlzeiten warten. «Hoi Schampi», begrüsst sie fröhlich Küchenchef Jean-Pierre Voirol.

Heute gibt es Spätzli, Geschnetzeltes und Rotkraut, dazu Suppe und Salat, falls erwünscht. Die Kundinnen des Mahlzeitendienstes der Region Diessenhofen sind mit dem Essen im Allgemeinen sehr zufrieden, ein Lob gibt Elisabeth Gretler gerne an die Küche weiter. «Die Grossküche im St.Katharinental reagiert prompt und flexibel auf Wünsche der Kundinnen», berichtet die Leiterin des Mahlzeitendienstes.

Selbständigkeit in vertrauter Umgebung

Nachdem sie ihren Kleinwagen mit den Essensboxen beladen hat, fährt Gretler zur ersten Kundin in Schlatt. Diese erwartet den Mahlzeitendienst bereits. Gerne wechselt die Frau ein paar Worte mit der Überbringerin des Mittagessens.

«Soeben habe ich gelesen, dass ein Pflegeplatz im Altersheim 9000 Franken kostet»

erzählt sie. Sie ist froh, dass sie dank Spitex und Mahlzeitendienst mit 92 Jahren noch in ihrer gemütlichen Eigentumswohnung leben kann.

Weiter geht die Fahrt über Mett-Schlatt, Basadingen, Schlattingen nach Diessenhofen. Nebst der Begrüssung und der Frage nach dem Befinden gibt es hie und da auch tiefergehende Gespräche. Oft leben Angehörige weiter entfernt, der Freundeskreis ist geschrumpft oder nicht mehr vorhanden. In dieser Einsamkeit wirkt ein Gespräch manchmal Wunder.

«Es sind diese Unterhaltungen, die den Mahlzeitendienst wertvoll machen»

erzählt Gretler. Es mag ein mitfühlender Blick oder eine Geste sein, die abgesehen von der warmen Mahlzeit etwas Licht in den ruhigen Alltag der Bezügerinnen zaubern kann. Im Gegensatz zu den Spitex-Mitarbeiterinnen hat der Mahlzeitendienst keinen Zeitdruck. Die Mahlzeiten müssen einfach im Lauf des Vormittags verteilt sein. Mit dem geübten Auge einer ehemaligen Pflegefachfrau erkennt Gretler Ungewohntes in der Umgebung der Bezügerinnen und fordert notfalls Hilfe an.

Die Tour endet nach knapp zwei Stunden

Eine Frau freut sich auf den bevorstehenden Besuch ihrer Tochter aus dem Welschland. Sie komme für einige Tage zu ihr und koche Tomatenspaghetti, ihr Lieblingsessen, berichtet die Frau. Mit der Rückgabe der leeren Styroporboxen endet die Tour nach knapp zwei Stunden. Seit bald zehn Jahren organisiert Gretler den Mahlzeitendienst und fährt auch ein bis zwei Tage die Woche. Auch wenn sie schon belastende Situationen erlebt hat, ist sie mit Herzblut bei ihrer Aufgabe.

«Zum Glück kann ich mich auf ein gutes Team verlassen»

sagt sie, und die Pro Senectute bietet auch immer wieder Kurse und Fortbildungen an.

Gretler und ihre Mitarbeiterinnen bringen Tag für Tag etwas Wärme und Licht in das Leben älterer Menschen und ermöglicht ihnen mit der Spitex, so lang, wie es drinliegt, in gewohnter Umgebung zu leben.