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Gepflegt multifunktional: Das ist die Museumslaube in der Frauenfelder Altstadt

Das Naturmuseum Thurgau und das kantonale Museum für Archäologie verfügen in der Altstadt über eine neue Lokalität mit Potenzial: Wo früher der «Goldene Becher» war, ist nun die Museumslaube in Betrieb.
Mathias Frei
In der Museumslaube: Naturmuseumsdirektor Hannes Geisser bespricht sich mit seiner Mitarbeiterin Eliane Huber. (Bild: Reto Martin)

In der Museumslaube: Naturmuseumsdirektor Hannes Geisser bespricht sich mit seiner Mitarbeiterin Eliane Huber. (Bild: Reto Martin)

Der Wow-Effekt ist unbestritten. Die Räumlichkeiten im Hochparterre des ehemaligen Kantonalgefängnisses sind nicht wiederzuerkennen. Wo früher der «Goldene Becher» als Tagesrestaurant-Betrieb war, offenbart sich einem nun ein grosser, heller Raum: die Museumslaube.

Das ist feines Mobiliar, das gleichwohl nicht schon nach dem dritten Schulklassenbesuch ersetzt werden muss. An den Wänden Dekortapeten, wie sie Ende des 18.Jahrhunderts typischerweise verwendet wurden, also aus der Bauzeit vieler Häuser in der Altstadt. In Pastellfarben schmücken Abbildungen aus historischen Naturkundewerken die Wände: Maiglöckchen, Knabenkraut und Herbstzeitlose. Die Wurzeln dürfen nicht fehlen – im Boden, wo die Archäologie ihre Schätze findet.

«Diese Pflanzenabbildungen stellen so die Verbindung her zwischen dem Naturmuseum Thurgau und dem kantonalen Museum für Archäologie

Das erklärt Naturmuseumsdirektor Hannes Geisser. Er ist im Auftrag der beiden Museen für die betrieblichen Abläufe zuständig.

Die Theke in der Museumslaube. (Bild: Reto Martin)

Die Theke in der Museumslaube. (Bild: Reto Martin)

Verlust für Gastroszene ist Gewinn für Museen

Natürlich kann man sagen, die Altstadt habe ein gut besuchtes Restaurant verloren, als der «Goldene Becher» im Oktober 2018 zugegangen ist. Aber dann muss man auch sagen: Die beiden Museen haben mit der Museumslaube gewonnen, mittel- bis langfristig könnten auch lokale Kulturveranstalter von multifunktionalen Räumlichkeiten profitieren. Die Museen prüfen, wie die Museumslaube ausserhalb der Betriebszeiten nutzungsgerecht extern vermietet werden kann.

Im ehemaligen Kantonalgefängnis

Die Museumslaube befindet sich im alten Kantonalgefängnis, in den Obergeschossen des Altstadtgebäudes ist das kantonale Museum für Archäologie daheim. Vor dem ersten Frauenfelder Stadtbrand von 1771 standen hier zwei Wohnhäuser. Beim Wiederaufbau nach dem Brand wurde an ihrer Stelle ein Fabrikationsgebäude für die Seidenproduktion erstellt. Im Jahr 1829 kaufte der Kanton die Liegenschaft. Zwei Jahre später wurde das Fabrikgebäude abgerissen und durch den Neubau eines Gebäudes mit Verhörrichteramt und Gefängnis ersetzt. Diesem Zweck diente das Gebäude bis ins Jahr 1985, als es durch ein neues Polizeigebäude im Osten Frauenfelds überflüssig wurde. Geblieben sind die Zellentüren bei den WC. (red)

Vergangenen November starteten die Umbauarbeiten unter der Leitung des kantonalen Hochbauamts. Architektin Eva Stricker hatte das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Frauenfelder Büro Staufer & Hasler geplant. Einweihung der Laube (Umbaukosten: 420'000 Franken) war vergangenen Juni am Mitsommerfest. Der Betrieb in den ersten Monaten sei gut angelaufen, die Rückmeldungen der Museumsbesucher seien positiv, sagt Geisser.

«Es ist auch schon vorgekommen, dass die Museumslaube mit ihren 25 Sitzplätzen voll besetzt war. Da musste ich den Kaffee in meinem Büro trinken.»

Sitzmöglichkeiten für Kinder. (Bild: Reto Martin)

Sitzmöglichkeiten für Kinder. (Bild: Reto Martin)

Man sei bei vielen Dingen noch am Ausprobieren, sagt Geisser. Nichts ausprobiert wird in der ehemaligen Küche. Kaputte Gerätschaften wurden demontiert, dadurch hat es mehr Stauraum gegeben. Ansonsten ist alles geblieben. So könnte ein Caterer die Küche als Vorbereitung für einen Apéro nutzen. Auf nächsten Frühling soll der Museumsinnenhof aufgewertet werden und eine Öffnung zum Museumsgarten stattfinden.

Geisser sagt: «Die Museumslaube ist ein integraler Bestandteil der beiden Museen. Die neuen Räumlichkeiten müssen in erster Linie unseren Bedürfnissen dienen.» So sind die Räume nun Znüniraum für Schulklassen, die das Museum besuchen. Besucher können einen Kaffee trinken. Die Laube kann für museumsinterne Anlässe genutzt werden. Oder es findet im November zum Beispiel die Jahrestagung der Schweizer Präparatoren statt.

Das Verpflegungsangebot. (Bild: Reto Martin)

Das Verpflegungsangebot. (Bild: Reto Martin)

Verschiedene Zugänge und eine rollende Theke

Je nach Nutzung kann der Eingang zur Museumslaube angepasst werden. Im normalen Betrieb erfolgt der Zugang übers Museum. Bei Abendveranstaltungen ist die Verbindung zum Museum geschlossen, der ehemalige Restauranteingang dafür offen. Das Mobiliar kann umgebaut werden. Die Theke ist auf Rädern. Wobei Umbauten für den Hausdienst eine Zusatzaufgabe darstellen.

«Wenn wir die Museumslaube für externe Veranstaltungen abends öffnen wollen, etwa für Kultur, braucht es eine grundsätzliche Lösung.»

Das sagt Geisser und stellt eine Art Vermietungsreglement für kommendes Jahr in Aussicht.

Die Museumslaube soll keine Konkurrenz für die ortsansässige Gastronomie sein. Die Preise für die Konsumationen, die an der Museumskasse bezahlt werden, sind nicht billig, aber liegen unter Restaurantniveau. Dafür ist Selbstbedienung.

Dekortapeten. (Bild: Reto Martin)

Dekortapeten. (Bild: Reto Martin)

Den Museen war wichtig, dass das Angebot wertig und vor allem regional ist. Die Schokolade ist Fair-Trade, die Apfelringli und Gewürznüsse von Anbietern aus der nächsten Umgebung. Die Kaffeemaschine ist aus einer Oberthurgauer Manufaktur, dazu gibt’s Thurgauer Süssmost. Dieses neue Angebot führt auch zu neuen notwendigen Abläufen, etwa wenn es darum geht, wann das Geschirr abgewaschen wird oder wer die Verfallsdaten der Produkte im Auge hat.

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