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Kolumne

Georgier akzeptiert Urteil nicht – lässt aber Verhandlung vor Thurgauer Obergericht sausen

Tagesgericht: Eine Verhandlung vor dem Obergericht war diese Woche schon nach kurzer Zeit vorbei. Der Grund: Der Berufungskläger ist nicht erschienen. Er war nicht einverstanden mit einem Schuldspruch wegen versuchten Diebstahls und wegen eines Landesverweises.
Larissa Flammer
Das Obergericht des Kantons Thurgau in Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Das Obergericht des Kantons Thurgau in Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

«Es ist ein bisschen frustrierend», gibt der Verteidiger an der Verhandlung am Thurgauer Obergericht zu. Sein Klient hat Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen eingelegt. Doch auch nachdem Obergerichtspräsidentin Anna Katharina Glauser Jung den Beginn der Berufungsverhandlung eine «Respekt-Viertelstunde» hinausgezögert hat, ist der Berufungskläger noch immer nicht anwesend.

Der Georgier hat im Juli 2017 zusammen mit einem Landsmann versucht, gewaltsam eine Wohnungstür in einem Kreuzlinger Mehrfamilienhaus zu öffnen. Die von der Nachbarin gerufene Polizei konnte die Männer festnehmen. Sie gaben an, nur einen Platz zum Schlafen und eine Dusche gesucht zu haben.

Gegen den Mann bestand ein Einreiseverbot

Beide wurden in erster Instanz des versuchten Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs schuldig gesprochen. Der Mann, der diese Woche vor dem Obergericht hätte stehen müssen, wurde zudem wegen rechtswidriger Einreise verurteilt: gegen ihn lag ein Einreiseverbot vor.

Er habe sein Möglichstes getan, um den Klienten zu erreichen, sagt sein Verteidiger. Anfang September habe er ihn einmal ans Telefon gekriegt, per Whatsapp konnte er ihm den Screenshot der Vorladung schicken. «Er wünschte sich im Frühjahr dezidiert, an der Verhandlung anwesend zu sein.»

Über die Gründe für sein Nichterscheinen kann nur spekuliert werden. Vermutlich ist der Georgier gar nicht im Land. Der Verteidiger sagt: «Ich habe mir überlegt, die Berufung zurückzuziehen. Das kann ich aber ohne Instruktion des Klienten nicht machen.»

Versuchter Diebstahl wurde von Anfang an bestritten

Also bringt er die Anträge ohne Unterstützung: Der Georgier sei vom versuchten Diebstahl freizusprechen und auf einen Landesverweis sei zu verzichten. Der Hausfriedensbruch und die Sachbeschädigung an der Wohnungstür werden nicht bestritten. Dass die beiden Männer die Wohnung ausräumen wollten, haben sie von Anfang an bestritten. Auch hatten sie keine Taschen oder Rucksäcke bei sich, wie der Verteidiger betont.

Von einem Einreiseverbot gegen ihn habe er nichts gewusst, sagte der Georgier gemäss einem Bericht unserer Zeitung in der ersten Verhandlung. Dieses sei ihm nie übersetzt worden. Der Verteidiger verweist auf die Unschuldsvermutung.

Bei erster Verhandlung fiel er der Richterin ständig ins Wort

Das Einreiseverbot trat in Kraft, als der heute 33-Jährige nach seinen ersten in der Schweiz verübten Straftaten ausgeschafft wurde. Er habe sich auf dem Linienflug so renitent verhalten, dass es einen Sonderflug brauchte, sagte die Staatsanwältin vor dem Bezirksgericht.

Auch abgesehen davon hat der Georgier die Schweizer Justiz nicht gerade von sich überzeugt. An der ersten Verhandlung in Kreuzlingen fiel er der Richterin immer wieder ins Wort, bis sie ihm mit einem Saalverweis drohte. Er sagte damals:

«Ihr Schweizer habt mir nur Probleme gemacht, mein Leben durcheinandergebracht. Wann werde ich entlassen?»

Aus der Untersuchungs- beziehungsweise Sicherheitshaft wurde er längst entlassen, alles andere interessierte den Mann offenbar nicht mehr so sehr. Weil weder der Berufungskläger noch die Staatsanwaltschaft an der Verhandlung am Obergericht teilnehmen, ist diese schnell vorbei. Der Entscheid wird schriftlich veröffentlicht, die extra aufgebotene Dolmetscherin kann unverrichteter Dinge wieder gehen.

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