Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Thurgauer Bildungsforum: Genügend Zeit ist für Lernerfolg entscheidend

Wie nutze ich meine Zeit sinnvoll? Und warum macht es Sinn, sich gerade Lernenden gegenüber genügend Zeit zu nehmen? Um diese Fragen drehte sich das 11. Thurgauer Berufsbildungsforum.
Diskussionsteilnehmer Karlheinz Geissler, Franz Knupp, Jonas Geissler und Lorena Mohn mit Moderatorin Sabrina Lehmann. (Bild: PD)

Diskussionsteilnehmer Karlheinz Geissler, Franz Knupp, Jonas Geissler und Lorena Mohn mit Moderatorin Sabrina Lehmann. (Bild: PD)

«Alles braucht seine Zeit, nur ich habe keine», lautete der Titel, des Events, das gemeinsam vom Kanton Thurgau, dem Thurgauer Gewerbeverband und der Industrie- und Handelskammer Thurgau organisiert wurde und vor sehr vielen Lehrmeistern und Lernenden im «Thurgauerhof» vonstattenging. Die Münchner Wissenschaftler Karlheinz Geissler und sein Sohn Jonas forschen seit Jahrzehnten über das Phänomen der Zeit. In Weinfelden legten sie dar, warum der Mensch, der als Naturwesen im Grunde nach einem natürlichen Rhythmus lebe, oft in Konflikt mit dem Takt der Maschinen kommt.

Heute wisse er, so Karheinz Geissler, dass in der Berufsbildung Lernen und Arbeiten anderen «Gesetzen» folgten, denn «das Lernen besteht aus einem lebendigen Rhythmus, der variiert, die Arbeit jedoch aus dem immer gleichen Takt, der vorgegeben wird.» Als junger Berufsschullehrer hatte er sich jedoch gewundert, dass die Schüler oft erst ab der zweiten Hälfte des Vormittags gute Leistungen zeigten.

Ohne genügend Zeit schwindet die Motivation

Ähnlich argumentierte Franz Knupp, Leiter Betriebliche Bildung und Ausbildungsberater beim Amt für Berufsbildung und Berufsberatung des Kantons Thurgau. Seiner Meinung nach befindet sich die Berufsbildung seit einigen Jahren auf einer falschen Fährte. «Es ist an der Zeit, dass die Schüler wieder die Gelegenheit erhalten, das Erlernte sich setzen zu lassen. Und Berufsbildner sollten es wiederentdecken dürfen, dass man sich bei der Ausbildung nicht gestresst hinsetzt, sondern sich Zeit für die Lernenden nehmen darf», forderte Knupp. Der modulartige Erwerb von lösungsorientierten Kompetenzen stehe dem natürlichen Drang des Menschen nach vernetztem Lernen entgegen. Und dessen Erfolg basiere nun einmal darauf, dass man sich für Wiederholungen genügend Zeit nehme. Heute sei es jedoch oft so, dass viele Lernende im Grunde genommen gar nicht mehr wüssten, wer im Betrieb ihr eigentlicher Berufsbildner sei, weil diese oft keine Zeit für sie hätten. Dies demotiviere jedoch die Jugendlichen mit der Zeit nur umso mehr. Dabei sollte doch in der Lehre die Begeisterung für den Beruf und die lebenslange Weiterbildung gelegt werden, mahnte Knupp an.

Smartphone in der Pause verhindert Regeneration

Lorena Mohn, bei der Bäckerei Mohn für die Ausbildung der Detailhandelsberufe zuständig, betonte, dass «es wichtig ist, dass man sich im Betrieb Zeit für einander nimmt». Allerdings sei dieses mit der Zeit «keine Einbahnstrasse». Sie nehme sich gerne Zeit für die Lernenden, erwarte aber auch, «dass mit der Zeit etwas zurückkommt».

Jonas Geissler hatte in den immer mehr fehlenden Pausen einen weiteren Faktor ausgemacht, der zu schlechterer Konzentration und Leistungen bei den Schülern führte. «Früher hatte man zwischen den einzelnen Schulstunden fünf Minuten Pause, heute gibt’s höchstens einen schnellen Zimmerwechsel. Man kann also zwischen dem alten und dem neuen Lernstoff gar nicht mehr kurz abschalten. Das wäre jedoch notwendig. Genauso sollte die grosse Pause für Gespräche und nicht fürs Smartphone verwendet werden. Denn wer sich in der Zeit, die eigentlich für die eigene Regeneration gedacht wäre, mit einer Maschine beschäftigt, die einem ihren eigenen Takt vorgibt, der ist in der nächsten Schulstunde müde und überfordert. (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.