Genossenschaft plant in Islikon einen lokalen Wärmeverbund

Im Zuge des Schulhausneubaus in Islikon entsteht eine Holzschnitzelanlage, die das Schulhaus und benachbarte Liegenschaften mit Fernwärme versorgen soll. Die Gemeinde führte bereits im letzten Jahr eine Machbarkeitsstudie durch. Nun haben sich die zukünftigen Wärmebezüger zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen.

David Grob
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Hinter dem Projekt stehen Urs Peter, Projektverantwortlicher der Firma Isoplus, Sven Bürgi, Schulpräsident Gachnang, und Karl Ringenbach, Vize-Gemeindepräsident der Politischen Gemeinde Gachnang. (Bild: David Grob)

Hinter dem Projekt stehen Urs Peter, Projektverantwortlicher der Firma Isoplus, Sven Bürgi, Schulpräsident Gachnang, und Karl Ringenbach, Vize-Gemeindepräsident der Politischen Gemeinde Gachnang. (Bild: David Grob)

Der Wärmeverbund in Islikon existiert momentan erst als Projekt in Form von Plänen, Zahlen und Beschreibungen. Doch das Projekt hat Fahrt aufgenommen. Am vergangenen Montag, 13. August, schlossen sich die zukünftigen Wärmebezüger zu einer Genossenschaft zusammen.

Die Idee ist bei der Neubauplanung des Schulhauses Islikon entstanden, als die Schule über die möglichen Heizungssysteme nachdachte. Sven Bürgi, Präsident der Schulgemeinde Gachnang, erzählt: «Wir haben uns beim Neubau in Islikon für eine Holzschnitzelheizung entschieden.» Dabei kam auch der Gedanke eines Wärmeverbundes auf. Vize-Gemeindepräsident Karl Ringenbach sagt: «Wir von der Gemeinde waren sehr an einer Umsetzung interessiert.» Bei dem Einbau einer Holzschnitzelheizung wie der im Neubau der Schulanlage ist der Gedanke an einen Wärmeverbund naheliegend, wie Urs Peter von der ausführenden Firma Isoplus spezifiziert:

«Es ist egal, ob es sich um einen kleinen Heizkessel nur für die Schule oder einen grösseren handelt – die Baukosten sind nicht viel höher.»

Deshalb ergebe ein Wärmeverbund Sinn, meint Schulpräsident Sven Bürgi. Gemeinsam beschlossen Schule und Gemeinde, die Idee weiter zu verfolgen.

Im März 2017 beschloss der Gemeinderat, eine Machbarkeitsstudie mit Förderbeiträgen des Kantons durchzuführen. Im Mai und Juni 2017 wurde diese durchgeführt, mit positivem Ergebnis. Mit der Gründung der Genossenschaft entsteht ein handlungsfähiger juristischer Akteur und das Projekt wird konkreter. Zu den elf Mitgliedern zählen nebst den Energiebezügern auch die Bürgergemeinde Gachnang und die Gemeinde Gachnang. Ringenbach sagt:

«Wir beteiligen uns als Genossenschafter, um den Gedanken zu unterstützen.»

Energie beziehe die Gemeinde jedoch keine. Die Schule wird rund ein Drittel der produzierten Wärme beziehen. Deshalb steht Bürgi in seiner Funktion als Schulpräsident der Genossenschaft als Präsident vor.

Die Inbetriebnahme ist auf Sommer 2020 geplant

«Die nächsten Schritte sind nun die Baueingabe und das Aufsetzen von Wärmelieferverträgen», erläutert Peter. Rund 1,5 Millionen Franken soll das Bauvorhaben kosten. «Wir haben den genauen Baubeginn noch nicht festgelegt», sagt er. Ziel sei es aber natürlich, den Wärmeverbund mit der Fertigstellung des Schulhausneubaus im Sommer 2020 in Betrieb nehmen zu können. Die Zwei-Kessel-Anlage mit unterirdischem Holztank soll in der Mitte des geplanten Gebietes gebaut werden und leistet ungefähr 450 Kilowatt Energie im Jahr. 1200 Kubikmeter Holzschnitzel aus Wäldern der Region bilden den Brennstoff. «Das ist gerade etwa der Anteil, den die Bürgergemeinde mit ihrem Wald pro Jahr liefern kann», meint Peter. Damit sei das Brennmaterial durch lokales Holz abgedeckt.

Zwei Drittel der produzierten Wärme verteilen sich auf die Gebäude der Landi, das Restaurant und die Metzgerei Ochsen und drei Privathaushalte in der direkten Nachbarschaft. Gewisse Liegenschaften wie der Greuterhof, die im Einzugsgebiet liegen, werden voraussichtlich in der ersten Phase keine Wärme beziehen – ein Ausbau ist jedoch möglich. «Ausbaupotenzial auf 800 Kilowatt Leistung besteht», sagt Peter. Allerdings nicht durch eine Ausdehnung des Wärmeverbundes, sondern durch mehr Anschlüsse innerhalb. «Damit könnte der Greuterhof auch angeschlossen werden», meint er. Rund 90 Prozent des jährlichen Energiebedarfs deckt die Holzschnitzelheizung ab. Als zusätzliche Absicherung für den Winter, wenn Spitzenwert an Wärme bezogen wird, ist eine zusätzliche Gasheizung eingebaut. Die Projektanten blicken positiv in die Zukunft. Sven Bürgi meint:

«Es ist eine rundum gelungene Lösung für alle.»