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Thurgauer Rekordernte landet in der Biogasanlage

Das Wetter ist zu gut für Tomaten, Salat & Co. Die Schweizer können nicht mehr alles essen, was auf den Feldern wächst. Thurgauer Produzenten vernichten einen Teil ihrer Überschüsse.
Ida Sandl und Mario Testa
Durch das schöne und warme Wetter entsteht 2018 ein massiver Überschuss an Tomaten, wie hier in Salmsach bei Bötsch Gemüsebau. (Bild: Reto Martin, 19. Juli 2018)

Durch das schöne und warme Wetter entsteht 2018 ein massiver Überschuss an Tomaten, wie hier in Salmsach bei Bötsch Gemüsebau. (Bild: Reto Martin, 19. Juli 2018)

Viel Ware, wenig Nachfrage, gleich sinkende Preise. So funktioniert der Markt. Das bekommen die Gemüseproduzenten gerade empfindlich zu spüren. Besonders prekär ist die Situation bei den Tomaten. Für ein Kilo erhalte er dieses Jahr durchschnittlich 40 Rappen weniger als sonst, sagt Ralph Bötsch aus Salmsach. Er ist Vizepräsident der Gemüseproduzenten Thurgau und Schaffhausen. «Die Preise decken jetzt nicht einmal den Aufwand.»

Bötsch gehört zu den grössten Tomatenproduzenten der Schweiz. Momentan wächst auf seinen Feldern mehr, als er verkaufen kann. Doch wohin mit reifen Tomaten? Ins Ausland exportieren lohnt sich nicht. Allein die Transportkosten seien höher als die aktuellen Preise. Verschenken mache die Situation nur schlimmer: «Dann wird noch weniger verkauft.»

Für Konserven brauche es andere Sorten. Der einzige Ausweg sei die Biogasanlage. Wie viele Tomaten dort landen, möchte Bötsch nicht sagen. Es sei nicht nur der finanzielle Verlust, der schmerzt. «Es blutet einem das Herz, wenn man reife Tomaten vernichten muss.» Philipp Trautzl ist Berater Gemüsebau auf dem Arenenberg. «Der Energieertrag aus der Biogasanlage steht in keinem Verhältnis zum Aufwand in der Produktion.»

Salat wird zu Dünger auf dem Feld

Während Tomaten in jedem Fall geerntet werden müssen, kann Salat oder Broccoli auf den Feldern stehen bleiben. Etwa 10 bis 20 Prozent der Salate würden momentan nicht abgeerntet, sagt Sepp Egger, Inhaber von Gemüse Egger in Wertbühl bei Bürglen. Die Salate bleiben auf dem Feld und werden dort mit dem Mulchgerät zerkleinert. «So bleiben die Wertstoffe für die nächste Pflanze im Feld erhalten.»

Auch bei den Frühkartoffeln gebe es etwa 20 Prozent mehr Ertrag als in anderen Jahren, beobachtet Egger. Doch die Kartoffellager seien noch gut gefüllt. «Diese Kartoffeln gibt man nun den Kühen als Futter.» Bei Zucchetti hat Berater Trautzl im Thurgau bis- her keine starke Überproduktion beobachtet.

Coop verkauft 200 Tonnen Tomaten als Aktion

Die Grossverteiler versuchen, die Gemüseschwemme mit Aktionen zu entschärfen. So habe Coop seinen Produzenten kurzfristig 200 Tonnen Tomaten abgenommen. Die gibt es bis Samstag in der 2,5-Kilo-Box als Saucentomaten für 2,90 statt 7,35 Franken. «So helfen wir mit, dass eine überschüssige Menge genutzt werden kann», sagt Sprecherin Andrea Bergmann.

Wie viele Mengen Gemüse im Thurgau vernichtet werden, kann Berater Trautzl nicht sagen (siehe auch Interview unten). Dies schwanke von Betrieb zu Betrieb sehr stark. Die Preise seien bei vielen Kulturen derzeit nicht mehr kostendeckend. Auf der anderen Seite seien Chinakohl oder Lollo gerade sehr gesucht. Wenn sich jetzt viele Betriebe auf dieses Sortiment verlagern, dann sei das nächste Überangebot schon vorprogrammiert, schildert Trautzl das Dilemma. «Es ist sehr schwierig zu planen, da niemand den kommenden Bedarf wirklich kennt.»

Allerdings könnte sich die Situation durch die anhaltende Trockenheit ohnehin bald kehren. Vor allem für die Betriebe, die keinen Zugang zu Bodensee- oder Rheinwasser haben. Ohne Bewässerung seien die neu angepflanzten Setzlinge verloren. «Der Mengenüberhang kann sich dann schlagartig ins Gegenteil verwandeln.» So weit ist es aber nicht. Jetzt haben die Produzenten noch das Problem, was sie mit den unverkäuflichen Produkten anfangen sollen.

Für Gemüseproduzent Ralph Bötsch ist die Überproduktion der Preis dafür, dass jedes Gemüse zu jeder Zeit verfügbar sein müsse. Bei idealem Wetter sei dann plötzlich zu viel Ware auf dem Markt. Aus seiner Sicht wäre es umweltbewusster die Produktion so zu steuern, dass in der jeweiligen Hauptsaison die Nachfrage voll gedeckt werden könne. Bötsch sagt: «Aber davon ist unsere moderne Konsumgesellschaft weit entfernt.»

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