Gemeinderat will die Kabelnetz-Genossenschaft Aadorf nicht übernehmen

Wegen des negativen Entscheids muss die Genossenschaft für nächstes Jahr neue Verwaltungsratsmitglieder suchen. Lassen sich diese nicht finden, muss das Kabelnetz verkauft werden.

Kurt Lichtensteiger
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Der Verwaltungsrat der Aadorfer Kabelnetz-Genossenschaft mit Michele Sax, Careen Biefer, Hans-Peter Meier, Monika Luchsinger und Daniel Meyer.

Der Verwaltungsrat der Aadorfer Kabelnetz-Genossenschaft mit Michele Sax, Careen Biefer, Hans-Peter Meier, Monika Luchsinger und Daniel Meyer.

Bild: PD

Mit einem Rundschreiben orientierte der Verwaltungsrat seine rund 1500 Mitglieder: «Nach reiflicher Prüfung hat der Gemeinderat Aadorf beschlossen, die Sparte Kommunikation im EW Aadorf nicht weiter auszubauen und die Kabelnetz-Genossenschaft nicht zu übernehmen.» Aufgrund dieses negativen Entscheids habe Kabelnetz-Genossenschaft beschlossen, auf 2021 neue Verwaltungsratsmitglieder zu suchen. Zu besetzen seien das Präsidialamt und Beisitzer.

So weit die sachliche Orientierung. An Brisanz entbehrt diese allerdings nicht. Denn falls sich keine Leute finden lassen, müsste das Kabelnetz verkauft werden. Ein Szenario, das überhaupt nicht auszuschliessen ist. Eine 50-jährige Geschichte ginge damit zu Ende (siehe Kasten).

EW verfügt nicht über nötige Ressourcen

Der Verwaltungsrat der Agla, insbesondere deren Präsident, zeigt sich enttäuscht, dass die Agla nicht auch von der Gemeinde übernommen werden kann. «Wir haben uns lange und intensiv mit diesem Thema befasst, Vor- und Nachteile abgewogen, verschiedene Szenarien und mögliche Lösungsansätze verfolgt», sagt Gemeindepräsident Matthias Küng auf Anfrage unserer Zeitung.

«Wir kamen zum Schluss, dass das EW Aadorf weder über die personellen noch die fachlichen Ressourcen verfügt, um selbständig ein Kommunikationsnetz zu betreiben.»
Matthias KüngGemeindepräsident Aadorf

Matthias Küng
Gemeindepräsident Aadorf

Ziel des Gemeinderates sei es gewesen, ein flächendeckendes «Fibre to the Home» (FTTH) zu erreichen, also ein Glasfasernetz, das bis in die einzelnen Liegenschaften reicht. Die Kosten für den geplanten Ausbau beliefen sich dabei auf sieben bis neun Millionen Franken und hätten sich über 25 Jahre refinanzieren müssen.

«Das bestehende Agla-Netz wurde aufgenommen und bewertet», sagt Küng weiter. «Dabei zeigte sich, dass das Agla-Netz für eine Migration zu FTTH nur bedingt geeignet ist.» Zudem habe die Swisscom aufgezeigt, wie weit sie ihr Netz in Aadorf bereits ausgebaut hat und welche Ausbaupläne sie in den nächsten zwei bis drei Jahren verfolge. «Deshalb erscheint für uns eine Migration des bestehenden Agla-Netzes zu FTTH als nicht sinnvoll.»

Präsident muss Genossenschaftsmitglied sein

Nun muss die Agla also seinen Verwaltungsrat besetzen. Das Präsidium müsse zwingend mit einem Mitglied der Genossenschaft besetzt werden, steht in dem eingangs erwähnten Rundschreiben. Nebst der Führung der GV und den Verwaltungsratssitzungen seien Kontakte zu Aussenstellen und Vertragspartnern Aufgabe des Präsidenten. Nach den Neuwahlen an der GV 2021 konstituiert sich der restliche Verwaltungsrat innerhalb der Verwaltung selbst.

Interessierte können sich über die Aufgaben und den Arbeitsumfang bei Hans-Peter Meier oder Monika Luchsinger unter info@agla-aadorf oder Telefon 052 536 45 65 informieren.

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