Gemeinde Hüttlingen ehrt Rollstuhlsportlerin Catherine Debrunner

An der Berchtoldsgemeinde in Hüttlingen ging es nicht nur um Steuerfuss und Wasserzins sondern auch um die erfolgreichste Sportlerin aus der Gemeinde.

Stefan Hilzinger
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Rollstuhlsportlerin Catherine Debrunner steht Gemeindepräsident Florian Ibig Rede und Antwort.

Rollstuhlsportlerin Catherine Debrunner steht Gemeindepräsident Florian Ibig Rede und Antwort.

(Bild: Reto Martin)

Florian Ibig brauchte deutlich länger ins Ziel als Catherine Debrunner. Knapp zwei Stunden zog sich die Berchtoldsgemeinde hin, bis der Hüttlinger Gemeindepräsident die zweifache Medaillengewinnerin der Para-Weltmeisterschaft von Dubai ehren konnte. Die junge Lehrerin, die im Kanton Aargau arbeitet, sass in einer der vordersten Reihen neben ihren Eltern und verfolgte die Versammlung.

«Gleich drei Zeitungen besuchten die Schule, in der ich arbeite. Das war für mich und vor allem für die Schüler schon etwas viel», schilderte Debrunner den Rummel nach ihren Erfolgen an der WM im vergangenen Herbst. Knapp 57 Sekunden benötigte die Rollstuhlsportlerin für die 400 Meter und sicherte damit der Schweiz die einzige Goldmedaille an der vergangenen Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaft.

Nächstes Ziel: «Tokyo 2020»

Die Mettendorferin erhielt nach dem Gespräch mit Gemeindepräsident Ibig warmen Applaus von den 205 versammelten Stimmbürgern. Im Mai findet in Nottwil ein Weltklassemeeting der Rollstuhlsportler statt, wozu die Athletin alle herzlich einlud. Ihr nächstes Ziel sind die Paralympics in Tokyo.

Berchtoldsgemeinde 2020 in Hüttlingen.

Berchtoldsgemeinde 2020 in Hüttlingen.

(Bild: Reto Martin)

Bevor es in der fast fertig renovierten Mehrzweckhalle sportlich wurde, ging es im Wesentlichen um die Gemeindefinanzen. Und die sind weniger gut in Form als die geehrte Weltmeisterin. «Die angekündigte Erhöhung des Steuerfusses ist nun fällig», machte Gemeindepräsident Ibig rasch klar. In den vergangenen Jahren sei viel investiert worden. Nun komme eine Phase der Konsolidierung.

Wieder etwas mehr Geld aus dem kantonalen Topf

Allerdings gehe dies nicht, ohne Sparen und ohne die Bevölkerung etwas stärker zur Kasse zu bitten. Die Stimmbürger gaben ohne Diskussion mit grossem Mehr ihren Segen dazu. Dank weiterhin genügend Eigenkapital bleibe das für 2020 budgetierte Defizit von gut 101'000 Franken verkraftbar. Der Gesamtaufwand liegt bei 2,75 Millionen, rund 100'000 Franken unter dem Budget 2019.

Künftig soll die Gemeinde etwas mehr Geld aus dem Finanzausgleich erhalten. «Bisher hat uns der Kanton wegen des zu tiefen Steuerfusses abgestraft», sagte Ibig. Nun sollte eine weitere Erhöhung des Steuerfusses bis 2027 kein Thema mehr sein. Allerdings erhofft sich Ibig, dass in den nächsten Jahren auch der eine oder andere gute Steuerzahler in die Gemeinde zieht.

Das Wasser schlägt ab, Strom wird teurer

Diskussionen gab es an der Hüttlinger Gemeindeversammlung über den künftigen Wasserpreis. Gemäss Ressortleiter Gemeinderat Frank Zehnle liegt für das laufende Jahr beim Wasser eine Gebührenreduktion drin. Der Gemeinderat beantragte, den Kubikmeterpreis von 2.30 auf 2.20 Franken zu senken und die Jahresgrundgebühr von 150 auf noch 100 Franken. Trotz der Reduktion der Gebühren, so kalkuliert der Gemeinderat, soll 2020 eine Einlage von knapp 10'000 Franken in die Spezialfinanzierung getätigt werden können.

Verschiedene Votanten störten sich daran, dass die Grundgebühr prozentual stärker sinkt als der Mengenpreis. Dadurch würden alle bestraft, die viel Wasser bezögen. Ein Stimmbürger beantragte, dass beide Gebühren proportional gekürzt werden auf einen Kubikmeterpreis von 2.10 Franken und eine Jahresgrundgebühr von 140 Franken. Es kam etwas Verwirrung auf. Schliesslich setzte sich der Gemeinderat in der Variantenabstimmung knapp mit 94 zu 91 Stimmen und in der Schlussabstimmung deutlich durch.

Teurer wird 2020 der Strom in Hüttlingen. Die Preise schlagen rund einen halben Rappen pro Kilowattstunde auf. Einerseits steigen die Einkaufspreise etwas, andererseits verteuern sich die Netzkosten um 0.7 Rappen pro Kilowattstunde. «Wir sind halt eine kleine Gemeinde mit einem grossen Netz», erklärte Ressortleiter Zehnle. (hil)