Gelebter Umweltschutz: In der Frauenfelder Stadtgärtnerei grünt es so grün und neu auch torffrei

Die Frauenfelder Stadtgärtnerei produziert seit diesem Jahr ohne Torf. Das reduziert den Kohlendioxid-Ausstoss jährlich um 22 Tonnen.

Mathias Frei
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In der Stadtgärtnerei: Thomas Käser, Bereichsleiter Gärtnerei, prüft das Wachstum des Sommerflors, der in diesen Tagen ausgebracht wird.

In der Stadtgärtnerei: Thomas Käser, Bereichsleiter Gärtnerei, prüft das Wachstum des Sommerflors, der in diesen Tagen ausgebracht wird.

(Bild: Andrea Stalder)
Insekten an der Arbeit in der Stadtgärtnerei.

Insekten an der Arbeit in der Stadtgärtnerei.

(Bild: Andrea Stalder)

158 ist die Zauberzahl. In diesen Tagen bringt die Frauenfelder Stadtgärtnerei den Sommerflor aus. Die rund 15'000 Pflanzen sind in Substrat 158 gewachsen. Es besteht zu gleichen Teilen aus Rindenkompost, Holzfasern und Kokosschale. Und vor allem ist das Substrat 158 komplett torffrei. Das ist ein bewusster Entscheid. Seit Anfang Jahr produziert die Stadtgärtnerei komplett torffrei – und leistet damit einen Beitrag zur Verminderung des CO2-Ausstosses.

«Das Thema der torffreien Produktion diskutieren wir schon seit zwei Jahren und haben uns auch extern beraten lassen.»
Markus Marghitola, Leiter Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei.

Markus Marghitola, Leiter Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt Markus Marghitola, Leiter der Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei. Thomas Käser, Bereichsleiter Gärtnerei, der seit vergangenem Jahr bei der Stadt arbeitet, hat dann letzten Herbst erstmals einzelne Kulturen ohne Torfprodukte aufgezogen. Auf dieses Jahr hin hat man die Umstellung nun komplett vollzogen. «Die öffentliche Hand muss Vorbildfunktion haben. Es geht nicht an, dass man den Leuten Vorschriften macht. Aber Bund, Kantone und Gemeinden halten sich selber nicht daran», sagt Käser.

Brennstoff, Pflanzensubstrat oder auch Kosmetik

Torf bildet sich in Mooren durch die Ablagerung von Schwebestoffen von nicht oder nur unvollständig zersetzten Pflanzen. Seit 4000 Jahren wird in Mitteleuropa Torf gestochen, um Brennstoff zu gewinnen. Diese Nutzung wurde erst um 1900 von der Kohlefeuerung abgelöst. Nebst der Brennstoffnutzung, auch bei der Whiskyherstellung, findet Torf etwa in Gärtnereien als Substrat für Pflanzen Verwendung, kann als Moorpackung medizinisch-kosmetisch eingesetzt werden, dient als Torffaser der Bekleidungsherstellung, war früher Isoliermaterial oder ist Filtermaterial in der Teichpflege. In Deutschland wird heute noch Torf abgebaut, jedoch auch viel aus Russland importiert. In der Schweiz ist der Abbau seit Annahme der Rothenturm-Initiative zur Schutz der Moore 1987 verboten. (ma)

So sieht das Substrat 158 aus.

So sieht das Substrat 158 aus.

(Bild: Andrea Stalder)

Für die jährlich rund 60'000 produzierten Pflanzen verwendete man in Frauenfeld bislang ein Substrat, das zu 88 Prozent aus Torf besteht. Bei einem Jahresbedarf von 40 Kubikmetern Substrat entspricht das 36 Kubikmetern Torf. In dieser Menge Torf sind 22'000 Tonnen Kohlendioxid gebunden. Um so viel reduziert sich nun dank der torffreien Produktion der Frauenfelder Kohlendioxid-Ausstoss. Im Übrigen gibt es auch vom Bund eine Vorgabe zu dieser Thematik: Bis ins Jahr 2025 müssen kommerzielle Produzenten den Torfanteil im verwendeten Substrat auf 50 Prozent senken.

Lokal hergestellt aus regionalen Rohstoffen

Die Umstellung hat noch einen zweiten Vorteil: Bislang bezog die Stadt ihr torfhaltiges Substrat aus dem süddeutschen Raum. Neu kauft man lokal bei der Frauenfelder Erdaufbereitungsfirma Ricoter ein.

In der Stadtgärtnerei.

In der Stadtgärtnerei.

(Bild: Andrea Stalder)
«Die kurzen Wege und die lokale Wertschöpfung sind mir ein Anliegen.»

Das sagt Thomas Käser. Zwei Drittel der Rohstoffe stammen aus der Region. Das wirkt sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch positiv aus. Zwar ist das torffreie Substrat an sich etwas teuer. «Aber letztlich kommen wir ein wenig günstiger weg, weil wir das Substrat selber abholen.»

In der Schweiz ist der Torfabbau de facto seit 1987 verboten (siehe Kasten). Indem man torffrei produziere, trage man zum europaweiten Schutz von Moorlandschaften bei, sagt Käser. «Denn Moore bilden den Lebensraum für viele gefährdete respektive geschützte Tier- und Pflanzenarten.»

In der Stadtgärtnerei.

In der Stadtgärtnerei.

(Bild. Andrea Stalder)

Käser ist glücklich, dass die Umstellung auf torffreies Produzieren vollzogen werden konnte. «Das ist ein wichtiger Schritt für die Frauenfelder Stadtgärtnerei.» Ziel wäre eine biologische Produktion. Da sei aber im Segment der kurzen Produktionszeiten schwierig. Denn biologisch bedeute etwa, nur noch organisch zu düngen. Auf mineralische Düngung reagieren die Kulturen aber schneller.

Mit Nützlingen Schädlinge bekämpfen

Auch ohne Biolabel legt Käser schon grossen Wert auf eine ökologisch nachhaltige Produktion.

«Wir setzen möglichst wenig Pestizide ein – und wenn, dann nur biologische. Zudem verwenden wir Wachstumshemmer äusserst zurückhaltend und keine Herbizide mehr.»

Vielmehr setzt Käser auf Nützlinge, die den Schädlingen das Leben schwer machen. So werden zum Beispiel Röhrchen mit Schlupfwespen in den Kulturen verteilt, die gegen Blattläuse helfen. Und Raubmilben sind gegen Thripse oder Erzwespen gegen weisse Fliegen.

In der Stadtgärtnerei.

In der Stadtgärtnerei.

(Bild: Andrea Stalder)
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