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Geldsegen und einige erfundene Goldvreneli

Jung und doch bereits Wiederholungstäter: Ein 20-Jähriger Thurgauer muss wegen Betrug und Diebstahl hinter Gitter. Seine Geldsorgen ist er aber los.
Silvan Meile
Justitia

Justitia

Der Gerichtspräsident hebt den Mahnfinger. «Sie müssen von diesem Weg abkommen.» Der Verurteilte nickt. «Auf Wiedersehen – äh nein. Adieu», sagt er und verlässt nach der Urteilsverkündung den Saal des Bezirksgerichts Frauenfeld. Für neun Monate wird er hinter Gitter müssen.

Er hat Glück. Diese Strafe wird der 20-Jährige in Halbgefangenschaft absitzen können, sofern er seine Arbeitsstelle behalten kann. Als Gerüstbauer habe er vor zwei Monaten eine Stelle angetreten. «Weiss der Chef von Ihrer Situation?», will der Gerichtspräsident wissen. Trotz Bart wirkt der Beschuldigte sehr jugendlich. «Bis jetzt nicht.» Er selber habe schliesslich nicht gewusst, was nun auf ihn zukomme. Dennoch fasse er ins Auge, noch eine Berufslehre zu machen, als Maurer oder Strassenbauer.

Die am Mittwoch verhängte Strafe wird wie ein Damoklesschwert über dem jungen Mann hängen. Falls er in den nächsten fünf Jahren erneut straffällig wird, droht ihm eine weit härtere Bestrafung. «Sie finden in diesem Land keinen Richter, der Sie dann nicht ganz wegsperrt», mahnt der Gerichtspräsident. Bereits zum zweiten Mal hatte er mit dem jungen Mann zu tun.

Vor zwei Jahren sass der Beschuldigte bereits auf der Anklagebank des Bezirksgerichts Frauenfeld. Damals fielen seine Taten noch unters Jugendstrafrecht. Unter anderem wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls verurteilte ihn damals der Gerichtspräsident. Schon damals erhob er den Mahnfinger, gab dem jungen Mann aber nochmals eine Chance und sprach eine bedingte Haftstrafe von neun Monaten aus. Er müsse sich im Klaren sein, dass er sich strafrechtlich nicht mehr das Geringste erlauben dürfe, schärfte der Richter dem Jugendlichen damals ein. Doch der Mahnfinger und die verhängte Probezeit von zwei Jahren wirkten nicht lange. Drei Monate später beging der Mann die nächsten Straftaten, um an Geld zu gelangen. Die damalige Strafe wird nun in unbedingt umgewandelt.


«Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?», will der Richter beim Wiedersehen vor Gericht wissen. «Ich überlegte, wie ich am schnellsten zu Geld komme.» Im Internet bot der Verurteilte unter falschem Namen mehrere Goldvreneli an, kassierte einige hundert Franken, ohne die angebotene Ware liefern zu können. Selber bestellte er hingegen Waren auf Kosten anderer. Mit einer Kreditkarte, die er in einem entwendeten Portemonnaie fand, kaufte er sich für mehr als tausend Franken Lebensmittel übers Internet. Anschliessend versuchte er mehrmals und bei verschiedenen Online-Anbietern, elektronische Geräte für mehrere Tausend Franken zu bestellen. Seine Versuche scheiterten, weil die Tageslimite der Karte überschritten war. Dennoch versuchte er es immer wieder.

Der Gerichtspräsident errechnete eine versuchte Betrugssumme von rund 50 000 Franken. Selbst als die Kreditkarte zwei Tage später vom Besitzer längst gesperrt wurde, probierte es der Angeklagte weiterhin, Waren zu bestellen. «Der Beschuldigte nahm keinerlei Rücksicht auf die Geschädigten und versuchte mit allen Mitteln, diese maximal zu schädigen und sich entsprechend maximal zu bereichern», heisst es in der Anklageschrift. Darin sind auch Beschimpfungen und Drohungen gegen eine Zugbegleiterin und Verstösse gegen das Betäubungsmittel aufgeführt.

Ruhig sitzt der Beschuldigte vor dem Richter, lehnt in seinem Stuhl. Längst hat er alles zugegeben, ist im abgekürzten Verfahren mit dem Urteil einverstanden. Mit den Geschädigten hat er sich bereits geeinigt, sie finanziell entschädigt. Obwohl er jetzt ins Gefängnis wandert, ihm ist auch etwas Gutes widerfahren. Von seinem Grossvater hat er mittlerweile 400 000 Franken geerbt.

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