Geld gesucht für gesunde Geissen: Im Waisenhaus des Homburger Ehepaars Wieser in Gosheni stapeln sich aktuell die Probleme

Mit ihren eigenen Projekten versuchen Esther und Peter Wieser den Kindern in einem Waisenhaus in Kenia ein würdiges Leben zu bieten. Doch dieses Jahr erreichten sie gleich zwei Hiobsbotschaften, weshalb sie nun auf Spenden angewiesen sind.

Sophie Ade
Drucken
Teilen
Das Ehepaar Esther und Peter Wieser mit sechs Kindern des Waisenhaus Gosheni.

Das Ehepaar Esther und Peter Wieser mit sechs Kindern des Waisenhaus Gosheni.

(Bild: PD)

Von Oberhörstetten, Schweiz, nach Gosheni, Kenia, und retour: Einmal jährlich macht das Ehepaar Wieser für gewöhnlich diese Reise. Jedoch nicht um Ferien zu machen, sondern um an ihrem Projekt Kinderwaisenhaus zu arbeiten. Seit 2015 besuchen Esther und Peter Wieser aus Oberhörstetten das Dorf Gosheni und versuchen, mit dem Bau einer Schule, Neuanschaffungen von Geissen oder Wassertanks den Kindern ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Dieses Jahr fiel nicht nur ihr Besuch coronabedingt aus, sondern es erreichte sie zudem die Nachricht, dass all ihre Geissen an Milzbrand verstorben waren. Hinzu kamen die neuen Bestimmungen des kenianischen Erziehungs- und Gesundheitsamtes, die eine eingezäunte Schule sowie getrennte Toiletten fordern. «Wir haben keine finanziellen Reserven für solche unerwarteten Wendungen. Besonders dieses Jahr, weil wir wegen der Pandemie auch keine Konfitüren oder Sirup an Märkten verkaufen konnten», erklärt Peter Wieser. Deswegen sind sie umso mehr auf Spenden angewiesen und haben im Zuge dessen ein Crowdfunding realisiert.

Bevor die Geissen an Milzbrand gestorben sind, lebten sie in einer kleinen Herde.

Bevor die Geissen an Milzbrand gestorben sind, lebten sie in einer kleinen Herde.

(Bild: PD)

Ein Empfang voller Misstrauen

Den Anstoss zu diesem Projekt gab 2015 ein Artikel, welcher den Verein «Pro Ganze Kenia» und dessen Projekte vorstellte. «Ich merkte, dass dort wirklich die Ärmsten der Armen leben, und wollte unbedingt etwas dagegen tun», sagt der pensionierte Disponent. So trat das Ehepaar kurzerhand seine erste Reise nach Kenia an, die vor allem dazu diente, sich ein Bild von der dortigen Lage zu machen. Als die Wiesers auf das Waisenhaus in Gosheni stiessen und sahen, unter was für Umständen die Kinder dort leben mussten, beschlossen sie, sich für deren bessere Zukunft einzusetzen. Peter Wieser sagt:

«Die Kinder wurden im Freien unterrichtet mussten auf dem Boden schlafen. Zudem waren sie voller Misstrauen und konnten für nichts Freude aufbringen.»

Ab diesem Zeitpunkt besuchte das Ehepaar das Dörfchen in Ostafrika jährlich und hatte jedes Mal neue Ideen im Gepäck, wie sie den Bewohnern Hilfe zur Selbsthilfe bieten wollten. Vor Ort kochte Esther Wieser stets frisch und versorgte die 80 Bewohner des Waisenhauses mit Vitaminen und Nährstoffen, während ihr Mann seine Pläne umsetzte.

Gezielte Unterstützung

Der Arboner Verein «Pro Ganze Kenia» hat es sich seit 2012 zur Aufgabe gemacht, Menschen in der Region Ganze mit gezielter Unterstützung im Bereich der Gesundheit, Ausbildung oder Agrikultur Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Mit den Investitionsprojekten konzentriert man sich vor allem auf Jugendliche, Kinder und Waisen. Der Verein lebt von Spendengeldern und Freiwilligenarbeit.  

Hinweis www.proganze.com

Dazu gehörte etwa die Errichtung von zwei Wassertanks, in welchen Regenwasser gesammelt wurde, um eine Wasserversorgung in Gosheni zu ermöglichen. Eine weitere Anschaffung waren die rund 30 Geissen. «Die Kinder dort haben grossen Mangel an vielen Nährstoffen. Mit der nahrhaften Milch der Geissen wollten wir diesen reduzieren», erläutert Wieser seine Überlegungen.

Nach dem Sturm errichtete das Ehepaar Wieser mit den Dorfbewohnern innerhalb von zwei Wochen ein neues Schulgebäude.

Nach dem Sturm errichtete das Ehepaar Wieser mit den Dorfbewohnern innerhalb von zwei Wochen ein neues Schulgebäude.

(Bild. PD)

Jedoch verzeichnet das Ehepaar Wieser nicht nur Fortschritte, sondern hat auch mit Rückschlägen zu kämpfen. 2017 zerstörte ein Sturm ihr bisher aufwendigstes Projekt, das Schulgebäude. «Als wir dort ankamen, traf uns der Schlag, und wir konnten unsere Tränen nicht zurückhalten», sagt Peter Wieser. Spontan beschlossen sie, ein neues Schulhaus zu bauen, denn an Antrieb mangelt es ihnen nicht. Peter Wieser sagt:

«Die grösste Motivation für uns ist die Herzlichkeit der Leute. Wenn man diese mit der ersten Begegnung vergleicht, ist das wie Tag und Nacht.»

Dabei blieb es aber nicht. «Dieses Jahr erreichten uns gleich zwei Hiobsbotschaften. Das Sterben unserer Geissen und die neuen Anforderungen der Behörden trafen uns zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.» Die Pandemie verunmöglichte eine Reise nach Kenia, weshalb das Ehepaar die Probleme nicht vor Ort lösen konnte.

Die nicht ausreichenden finanziellen Mittel veranlassten die Wiesers zu einem Crowdfunding. Peter Wieser sagt: «Jetzt ist die Zeit gekommen, um Spenden zu sammeln, da alle Schulen geschlossen sind. Sobald es wieder möglich ist, werden wir nach Gosheni reisen und das gespendete Geld in einen Zaun, Toiletten und Ziegen investieren.»

Spenden: IBAN CH14 8130 7000 0071 4747 0, Vermerk: Kinderwaisenhaus Gosheni.

Crowdfunding: https://wemakeit.com/projects/kenia-goshene-zaun