Vor dem Thurgauer Super-Wahltag: Gelassenheit regiert

Die erstmalige Zusammenlegung von Regierungs- und Grossratswahlen am kommenden 15. März macht den Thurgauer Behörden kein Bauchweh.

Christian Kamm
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Hochbetrieb im kantonalen Wahlzentrum: Impression von den eidgenössischen Wahlen im letzten Oktober.

Hochbetrieb im kantonalen Wahlzentrum: Impression von den eidgenössischen Wahlen im letzten Oktober.

Bild: Reto Martin

Die kantonalen Wahlen vom 15. März sind bereits historisch, bevor auch nur ein einziges Resultat feststeht: Zum ersten Mal werden Regierung und Parlament im Thurgau am selben Tag gewählt. Andere Kantone, wie etwa der Nachbar St.Gallen, kennen den sogenannten Super-Wahltag schon länger. Der Thurgau hingegen betritt mit der fusionierten Wahl Neuland. Hört man sich bei den Beteiligten in Kanton und Gemeinden um, regiert vor dem politischen Grossanlass Gelassenheit. Man setzt auf ebenso bewährte wie erprobte Abläufe, verstärkt allerdings gleichzeitig die Wahlbüros vor Ort.

Keine Angst um die kleinen Gemeinden

Ob nun eine Regierungsratswahl oben drauf komme oder nicht − der Grossteil der Arbeit in den Wahlbüros stamme ohnehin von der auszählungstechnisch wesentlich anspruchsvolleren Grossratswahl, sagt Kurt Baumann, Präsident des Verbandes Thurgauer Gemeinden und Sirnacher Gemeindepräsident. Und bei dieser Proporzwahl sei der Ablauf grundsätzlich der selbe wie bei der Nationalratswahl vom vergangenen Herbst, «ausser dass jetzt nicht nur sechs, sondern über 20 Kandidaten auf den Listen stehen». Die Wahlbüros seien von den eidgenössischen Wahlen her damit vertraut, dass gleichzeitig eine Proporz- und eine Majorzwahl stattfinde. Vor den Nationalratswahlen hat der Kanton zudem eine Informationsveranstaltung samt Testwahl durchgeführt, um mögliche Stolpersteine auszuräumen und die Abläufe aufzufrischen. «Das lohnt sich immer», sagt Kurt Baumann. Deshalb stelle jetzt auch der bevorstehende Super-Wahltag aus Sicht der Gemeinden keine spezielle Herausforderung dar.

Auch nicht für die kleineren Gemeinden, wie bei den Kritikern eines Super-Wahltags geargwöhnt worden ist? Befürchtungen, dass kleine Gemeinden überfordert sein könnten, teile er überhaupt nicht, sagt Baumann:

«Auch die kleinen Gemeinden haben bisher einen super Job gemacht.»

Zwar seien dort die Teams kleiner, aber sie hätten auch viel weniger Wahlzettel zu verarbeiten als grosse Gemeinden

Terminkoordination war eine Herausforderung

«Am Wahltag selber sind vor allem die Gemeinden gefordert», erläutert Markus Zahnd, Leiter des kantonalen Informationsdienstes, aus Sicht des Kantons die Ausgangslage. Auf Kantonsseite sorgte der Super-Wahltag vor allem bei der Ansetzung der Termine für Mehraufwand: «Das zeigte sich bei der frühzeitigen Terminkoordination und damit verbunden bei der Kommunikation der Staatskanzlei mit den Gemeinden, den Parteien, Druckereien und den Logistikdienstleistern.» Und auch der Kanton stockt sein Wahlbüro am 15. März im Vergleich zu früheren Wahlen um eine Person auf. Ansonsten ist man überzeugt, dass das kantonale Wahlzentrum in der Aula der Kanti Frauenfeld einem Super-Wahltag gewachsen ist. Markus Zahnd:

«Wir erwarten im Wahlzentrum schon mehr Besucherinnen und Besucher, allerdings in einem zu bewältigenden Rahmen.»

Den Hauptteil machten ohnehin Kandidatinnen und Kandidaten aus, «daher dürfte das Besucheraufkommen mit den vergangenen Jahren vergleichbar sein». Zudem bewege sich die Zahl der angemeldeten Journalistinnen und Journalisten in ähnlichem Rahmen wie 2016. «Das Medieninteresse war schon immer gross bei den kantonalen Wahlen.»

Was macht die Wahlbeteiligung?

Für die erstmalige Durchführung eines Super-Wahltags im Thurgau waren mehrere Anläufe nötig. Lange sperrte sich die Regierung, die das Sagen hat, dagegen. Mit der schweizweit schlechtesten Wahlbeteiligung bei den letzten kantonalen Parlamentswahlen von 2016 (Grafik) wurde der politische Druck erneut gross und die Regierung lenkte schliesslich ein. Allerdings nur als Versuch. Das heisst im Umkehrschluss: Wenn sich die in der Vergangenheit wahlfaulen Thurgauerinnen und Thurgau nicht spürbar zahlreicher an die Urnen locken lassen, könnte auch wieder zum alten Modell zurückgekehrt werden.

Auch Politik geht durch den Magen

Bei eidgenössischen und kantonalen Wahlen betreibt der Kanton jeweils ein Wahlzentrum in der Aula der Kantonsschule Frauenfeld. Das wird auch am Super-Wahltag vom 15. März der Fall sein. Dort erhält man nicht nur als Erster die neuesten Resultate, sondern bekommt auch etwas zwischen die Zähne. Ein paar Zahlen vom eidgenössischen Wahlsonntag am 20. Oktober: Da wurden im Wahlzentrum rund 400 kalte Getränke, 200 Kaffees und 200 Portionen Essen (Penne oder Suppe) konsumiert. Hinzu kamen belegte Brötchen und Gipfeli. (ck)

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