Geistlicher Beistand an der letzten Versammlung von Matthias Müller in Gachnang

Nach 21 Jahren im Amt leitete Matthias Müller seine letzte Versammlung als Gachnanger Gemeindepräsident. Er legte die beste Rechnung überhaupt vor – mit einer Million Franken Überschuss.

Stefan Hilzinger
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Gemeinderätin Andrea Waltenspül, Gemeindepräsident Matthias Müller und Gemeinderat Fritz Stettler stossen auf ihre Zeit im der Gachnanger Exekutive an. (Bild: Reto Martin)

Gemeinderätin Andrea Waltenspül, Gemeindepräsident Matthias Müller und Gemeinderat Fritz Stettler stossen auf ihre Zeit im der Gachnanger Exekutive an. (Bild: Reto Martin)

Gachnang geht es wie vielen Gemeinden in der Region: Die Jahresrechnung 2018 schliesst deutlich besser ab, als budgetiert. Gerechnet hatte der Gemeinderat mit einem Minus von 110000 Franken, geworden ist es ein Gewinn von 1,023 Millionen Franken. 155 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger waren gekommen, um an der letzten Versammlung von Gemeindepräsident Matthias Müller teilzunehmen. Nach 21 Jahren übergibt er sein Amt auf 1. Juni an Roger Jung.

Nebst der Rechnung (siehe Kasten), vier problemlosen Einbürgerungen und der Erneuerungswahl von Wahlbüro und Geschäftsprüfungskommission ging es an dem Abend vor allem ums Abschiednehmen. Nebst Müller verlassen nach je zwölf Jahren im Amt auch Fritz Stettler (Ressort Tiefbau und Umwelt) und Andrea Waltenspül (Ressort Soziales, Gesundheit und Kultur) die Behörde. Wortreich und voller Rührung war der Anlass.

«Inspirierende Jahre mit grossartigem Miteinander»

«Ich habe in den zwölf Jahren viel gelernt für mein Leben», sagte Gemeinderat Stettler. Viel Projekte hätten umgesetzt werden können. Einige wenige nicht, wie etwa der Hochwasserschutz in Kefikon. Manches – wie die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt Islikon – könne nun sein Nachfolger weiterführen. Gemeinderätin Waltenspül sprach von «zwölf inspirierenden Jahren» und «einem grossartigen Miteinander». Sie freue sich nun auf ein Leben nach dem Gemeinderat.

Mit einigen Zahlen blickte Vizepräsident Karl Ringenbach auf die 21 Jahre Matthias Müller zurück. Bei seinem Amtsantritt am 1. Januar 1998 hatte die Gemeinde 2923 Einwohner, per 24. Mai dieses Jahres waren es 4380, was einem Plus von 49,85 Prozent entspricht. An den 44 Gemeindeversammlungen kamen 399 Traktanden zur Sprache, wovon der Souverän vier Geschäfte ablehnte. Müller habe mit Humor und Menschlichkeit Konflikte gelöst. «Ganz nach dem Motto ‹diskutieren statt prozessieren›. Was eigentlich erstaunlich ist für einen Juristen», sagte Ringenbach, und weiter:

«Du warst ein Glücksfall für die Gemeinde.»

Zur Überraschung des Magistraten meldeten sich dann der reformierte Pfarrer Christian Herrmann, Diakon Alex Hutter von der Katholischen Kirchgemeinde und Schulpräsident Sven Bürgi zu Wort. Pfarrer Herrmann sei skeptisch gewesen, als Müller sein Amt angetreten habe. «Schliesslich hatte er sich als Ortsvorsteher noch für einen Anschluss Niederwils an Frauenfeld ausgesprochen.»

Hochprozentiges aus dem Pfarrkeller

Sofort habe es sich gezeigt, wie Müller sich mit Herz und Seele für seine neue Gemeinde einsetzte. Es sei ein Verdienst der Ära Müller, dass die historisch bedingten Zwistigkeiten zwischen den Dörfern Islikon und Gachnang verschwunden seien. Herrmann überreichte ihm zum Abschied einen Pflümli Jahrgang 1987 aus dem Pfarrkeller als geistig-geistliche Stärkung.

Diakon Alex Hutter nannte Gemeindepräsident Müller «einen Mann der Tat». Für Schulpräsident Bürgi hat Müller die Gemeinde zu dem gemacht, was sie heute ist: «Die Bevölkerung vertraut der Gemeinde». «Ich bin glücklich und dankbar für die Zeit als Gemeindepräsident», sagte Matthias Müller. Und zum Schluss:

«Und ja, bekanntlich fängt das Leben mit 66 Jahren erst so richtig an.»

Kommissar Zufall hilft

Vor allem wegen höherer Rückzahlungen im Sozialwesen und über Budget liegenden Steuereinnahmen schliesst die Rechnung 2018 besser ab als budgetiert. Bei einem Aufwand von 12,4 Millionen verbucht die Gemeinde einen Überschuss von gut einer Million Franken. Laut Finanzverwalter Christian de Miguel habe man konservativ budgetiert, so seien etwa alle Abschreibungen in den Voranschlag aufgenommen worden. Da nicht alle Investitionen abgeschlossen werden konnten, seien die Abschreiber unter Budget geblieben. Bei den höheren Rückzahlungen hat laut Präsident Matthias Müller auch Kommissar Zufall geholfen. «Hätten wir nicht vernommen, dass jemand eine Erbschaft gemacht hat, hätten wir die 200000 Franken nicht zurückerhalten.» (hil)

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