Gehaltvoll verspielt: So klingt das Neujahrskonzert der Frauenfelder Abendmusiken

Das Neujahrskonzert der Abendmusiken stand unter dem Motto «Concerto divertimento». Es begeisterte am 1.Januar die Zuhörerschaft in der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus.

Christof Lampart
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Musiker des Orchestre de Chambre Philharmonique Suisse in der Stadtkirche. (Bild: Christof Lampart)

Musiker des Orchestre de Chambre Philharmonique Suisse in der Stadtkirche. (Bild: Christof Lampart)

Ein gleichermassen niveauvolles als auch «spassiges» – das bedeutet nämlich «divertimento» auf Italienisch – Konzert erklang am Neujahrstag in der katholischen Stadtkirche. Denn das, was das Orchestre de Chambre Philharmonique Suisse unter der musikalischen Leitung des aus Bürglen stammenden Dirigenten David Heer bot, war ein in seiner Vielfalt beachtlicher und in der Ausführung beeindruckender Vortrag. Es war ein Neujahrskonzert, das Bekanntes mit wenn doch nicht unbekannten, so doch wenig gespielten Orgelwerken kombinierte. Als Solisten wirkten mit George-Cosmin Banica und Vera Lopatina (Violine) zwei Orchestermitglieder sowie der Organist der Stadtkirche, Emanuel Helg.

Opernhafte Note ins Bewusstsein gerufen

Den Auftakt machte das «Divertimento für Streicher in D-Dur KV 136» von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit diesem vor Lebenslust nur so sprühenden «italienischen» Werk des damals noch jungen Salzburgers – zum Zeitpunkt der Komposition war Mozart 15-jährig – wurde das musikalische Jahr der Frauenfelder Abendmusiken unterhaltsam eröffnet. David Heer verstand es dabei hervorragend, das Orchester klanglich sehr transparent auftreten zu lassen und darüber hinaus die gesangliche, ja fast opernhafte Note, die dem Divertimento eigen ist, der Zuhörerschaft ins Bewusstsein zu rufen.

Der Höhepunkt des Abends bildete Johann Sebastian Bachs beliebtes «Konzert für zwei Violinen und Orchester in d-Moll BWV 1043». Der musikalische Dialog zwischen den beiden Soloinstrumenten, aber auch zwischen den Solisten und dem splendid agierenden Orchester, atmete musikalische «Italianità». Beide Solostimmen verschmolzen immer wieder, sodass man diese zuweilen kaum auseinanderhalten konnte. Es war ein Genuss, dieser Interpretation zuzuhören. Besonders bewegend gestalteten die Aufführenden den langsamen (Tanz-)Satz, bei dem das Orchester zurückhaltend begleitete, derweil die Solostimmen gleichsam darüber zu schweben schienen.

Ein Stück norddeutscher Orgelschule

Zwischen den beiden Hauptwerken erklangen das «Praeludium für Orgel in G-Dur» von Nicolaus Bruhns, ein Beispiel der norddeutschen Orgelschule vor Bach, sowie als Abschluss des Abends das «Orgelkonzert in B-Dur» von Johann Georg Albrechtsberger. Insbesondere letzteres wirkte ob der spielerischen Leichtigkeit – Albrechtsberger war ein Freund Joseph Haydns – wie eine musikalische Klammer zu Mozarts Divertimento und trug mit seiner ausdrucksstarken Lebendigkeit wesentlich dazu bei, dass der Konzertabend von vielen Zuhörerinnen und Zuhörern als ein ebenso einfühlsames wie auch den Geist erfrischendes Erlebnis in guter Erinnerung behalten werden dürfte.

FRAUENFELD: Für Menschenfreunde

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie geehrt werden sollten. Gestern Abend nun erhielten die Abendmusiken und Solinetz-Gründerin Irma Stämpfli den städtischen Anerkennungspreis überreicht.
Mathias Frei

Uraufführung zum Start der 50. Abendmusiken

FRAUENFELD. Die Frauenfelder Abendmusiken feiern heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass haben die Veranstalter einen Kompositionsauftrag erteilt: Der junge österreichische Komponist Gregor Hanke hat nun ein Orgelstück mit dem Titel «Fünf Felder» komponiert.