Gegenwind ist abgeflaut: Die Renaturierung des Geisslibachs in Basadingen-Schlattingen kann bald beginnen

Die Gemeinde Basadingen-Schlattingen kann nach fünf Jahren Planung den ersten Abschnitt des Geisslibachs renaturieren. Im Bereich von der Axpo-Brücke bis kurz vor der Kantonsgrenze bei der Furtmühle wird unter anderem das Ufer abgeflacht.

Rahel Haag
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Projektleiter Urban Fenner und Gemeindepräsident Peter Mathys besprechen vor Ort die Revitalisierung des ersten Abschnitts des Geisslibachs im Naturschutzgebiet Sürch.

Projektleiter Urban Fenner und Gemeindepräsident Peter Mathys besprechen vor Ort die Revitalisierung des ersten Abschnitts des Geisslibachs im Naturschutzgebiet Sürch.

(Bild: Rahel Haag)

Die Renaturierung von 800 Metern Bach kostet voraussichtlich 750'000 Franken. Vor fünf Jahren, zu Beginn der Planung in Basadingen-Schlattingen, hätten viele gesagt, dass der Geisslibachbach doch schön sei und sich gefragt, weshalb man hiefür so viel Geld ausgeben müsse, sagt Gemeindepräsident Peter Mathys.

«Doch schön ist eben nicht gleich natürlich.»

Vor Ort wird deutlich, wovon Mathys spricht. Der erste Abschnitt, der nun renaturiert wird, erstreckt sich von der Axpo-Brücke bis kurz vor der Kantonsgrenze bei der Furtmühle.

In diesem Bereich fallen die Ufer steil ab und der Bach verläuft relativ gerade. «Letzteres liegt an den Uferverbauungen», sagt Projektleiter Urban Fenner von der Firma Fröhlich Wasserbau AG. Die Holzbretter, die den Bach seit zirka 1945 in seinem Bett halten, werden entfernt. Zudem wird unter anderem das Ufer abgeflacht. So sollen Spaziergänger näher an den Bach gelangen.

«Es gibt Stellen, wo man sich heute fast abseilen muss, um eine Hand ins Wasser halten zu können»

sagt Mathys. Zugleich erhält der Bach dank der Renaturierung mehr Platz.

Für einige Landwirte bedeutet dies wiederum, dass sie stellenweise einen Teil ihres Kulturlands verlieren. Dies habe im Vorfeld zu einigen Diskussionen geführt. Vor der öffentlichen Auflage, die im Dezember zu Ende gegangen war, habe die Gemeinde mit den Betroffenen deshalb Einzelgespräche geführt. Dieses Vorgehen hat Früchte getragen, es gab keine Einsprachen.

«Nun wollen wir so schnell wie möglich mit den Arbeiten beginnen»

sagt Mathys. Dies wird frühestens nach Ablauf der Schonfrist für Fische Anfang April möglich sein. Aktuell laufe noch die Vergabe der Arbeiten. Zudem würden noch einzelne Bewilligungen fehlen. «Das ist aber reine Formsache.»

Zürcher Elektrizitätswerk beteiligt sich finanziell

Auch was die Kosten betrifft, kann Mathys Positives berichten. «Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich hat uns einen Betrag von rund 100'000 Franken zugesichert.» Bedingungen seien mit der Summe nicht verbunden. Damit bleibe für die Gemeinde nur noch ein kleiner Betrag von rund 50'000 Franken, denn 80 Prozent der Kosten übernehmen Bund und Kanton. Der Grund: 2013 war die Renaturierung des Geisslibachs im Zuge des neuen Bundesgesetzes über den Gewässerschutz vom Kanton Thurgau zum Pilotprojekt erklärt worden.

Nach Abschluss der Renaturierung des aktuellen Abschnitts bleiben für Basadingen-Schlattingen sechs weitere. Insgesamt misst der Geisslibach auf Gemeindegebiet rund 4,7 Kilometer.

«Der erste Abschnitt stellt sicher die grösste Hürde dar»

sagt Mathys. Er gehe davon aus, dass die Renaturierung der restlichen Abschnitte von der Bevölkerung besser akzeptiert werde. Zwischen den einzelnen Abschnitten will er nicht zu viel Zeit verstreichen lassen. «Wir möchten direkt weitermachen.»