Glosse
Gegentrend

Murgspritzer über das neue Frauenfelder AKW, das nicht in der Grossen Allmend, nicht hinter dem Spital und auch nicht bei der Zuckerfabrik entsteht. Das neue AKW gibt's im Rathaus und dessen Abkürzung ist immer noch besser als jene seines Vorgängers.

Samuel Koch
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Das Atomkernkraftwerk Leibstadt, am 26. März 2020.

Das Atomkernkraftwerk Leibstadt, am 26. März 2020.

(Bild: Philipp Zimmermann)

Ob Sie es glauben wollen oder auch nicht. In Frauenfeld gibt’s seit einigen Tagen ein neues AKW! – Wie bitte? Also so richtig mit Reaktor, Brennstäben und Kühlturm? Ja, Sie haben richtig gelesen. Und nein, die Medien haben diese Neuigkeit aufgrund der einseitigen Berichterstattung um dieses Virus nicht verschlafen. Seit anfangs April steht das AKW, und es ist erst noch von Menschenhand betrieben.

Samuel Koch.

Samuel Koch.

(Bild: Reto Martin)

Wie ist das nur möglich? Seit Jahren sehnt halb Europa die Energiewende herbei. Mit dem Umstieg auf alternative Quellen bekunden etliche Länder Mühe. Erst nach jahrelangem Hin und Her nimmt die Schweiz das AKW Mühleberg vom Netz, womit noch Strom aus AKWs in Leibstadt, Beznau und Gösgen zur heimischen Steckdose fliesst. Und Frauenfeld setzt jetzt einfach so einen Gegentrend?!

Ruhig Blut! In Tat und Wahrheit handelt es sich beim neuen Frauenfelder AKW nicht um ein Atomkraftwerk, nicht in der Grossen Allmend, nicht hinter dem Spital und auch nicht bei der Zuckerfabrik. Vielmehr geht es um ein neues Amt der Stadtverwaltung namens Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung. Kurzum: AKW. Das hört sich immer noch besser an als sein zehnjähriger Vorgänger, das Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung. Abkürzung: ASS. Eine Übersetzung dieses Wortes vom Englischen erspare ich Ihnen gerne.