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Müllheimer Sekschüler gehen lieber ins Gefängnis statt auf die Skipiste

72 Jugendliche der Sekundarschule Müllheim studierten in der Komturei Tobel eine Klanginstallation von John Cage ein. Entstanden ist ein zuweilen verblüffendes und gleichzeitig äusserst spannendes Erlebnis.
Christoph Heer
Selbst die Badewanne dient als Klangkörper. (Bilder: Christoph Heer)

Selbst die Badewanne dient als Klangkörper. (Bilder: Christoph Heer)

Teenager in Ketten und Musik, die den Namen eigentlich nicht verdient. Doch das muss so sein, denn es handelt sich um das Stück «Apartment House 1776» des amerikanischen Komponisten John Cage.

Der 1992 verstorbene Künstler konstruierte ein imaginäres Mehrfamilienhaus, das von einer Vielzahl musizierender Menschen bewohnt wird. Ein klingendes Gebäude, einhergehend mit einer farbigen Lichtinstallation und Besucher, die sich frei bewegen und unfreiwillig Teil eines ebenso spektakulären wie skurrilen Konzertes werden. Wobei auch Konzert nicht der richtige Ausdruck ist. Ein Konzert ist meistens monoton. Eine Bühne, ein Künstler, ein Publikum. Ganz anders in der Komturei. Verschiedenartige Klangerlebnisse in unterschiedlichsten Räumen, ein umherschweifendes und oft planloses Publikum, Töne erzeugt von Instrumenten, die gar keine Instrumente sind und viel Unnatürliches, das den Besucher mitnimmt auf eine sphärische Reise ins Land der bizarren und ebenso eindrücklichen Klangwelt.

Während dreier Stunden schlendern die zahlreichen Besucher durch das ehemalige Gefängnis. In fast jedem Raum erklingen und erstrahlen unterschiedlichste Ton- und Lichtinstallationen, man wird dabei richtiggehend umhüllt von schrägen Tönen und kuriosen Gestalten.

Immer wieder kreuzt man den Weg mit den sich in Ketten befindenden Menschen, auf dem Flur vor der Dienststube spielen drei Schülerinnen auf ihren Instrumenten, und im dunklen Gewölbekeller dominieren Schlaginstrumente; zwar im Takt, aber irgendwie auch wieder nicht.

«In nur einer Woche haben unsere Schülerinnen und Schüler ein
hervorragendes Werk einstudiert.
Ein absolut gelungenes Projekt.»

Wer nicht weiss, um was es sich hier handelt, der rümpft die Nase. Derjenige, der sich aber auf das Akustische und Optische einlässt, der erlebt ein wahres Spektakel, das die Komturei so noch nie erlebt hat.

72 Jugendliche der Sekundarschule in Müllheim wollten oder konnten nicht am Skilager teilnehmen. Sie arbeiteten dafür die ganze vergangene Woche an diesem Projekt. Den Schülern gelang es vorzüglich, unter der Anleitung von Lehrern und Profimusikern ein alternatives Konzert- und Musiktheaterformat zu kreieren.

Müllheimer Sekschülerinnen spielen John Cage auf dem Gang vor der Dienststube der Komturei.

Müllheimer Sekschülerinnen spielen John Cage auf dem Gang vor der Dienststube der Komturei.

Umgesetzt wurde das Ganze von Simone Keller und Philip Bartels. Die Pianistin und der Regisseur bilden das Künstlerkollektiv «ox & öl», welches sich im Jargon des experimentellen Musiktheaterbereichs einen Namen gemacht hat. Während sich also die Mitschüler auf den Skiern verausgabten, lernten die 72 Daheimgebliebenen die ganze Infrastruktur eines ehemaligen Gefängnisses kennen; schaurig schön oder eben schön schaurig.

Für Schulleiter Walter Strasser ein absolut gelungenes Projekt: «In nur einer Woche haben die Schüler ein hervorragendes Werk einstudiert. Und so konzentriert, wie sie während des dreistündigen Anlasses sind, zeugt davon, wie ehrgeizig sie das Projekt durchziehen.»

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