Thurgauer Häftlinge stören sich: Gefängnis sperrt Besucher aus

Im Kantonalgefängnis Frauenfeld sind sämtliche Besucherzeiten gestrichen. Grund ist der Corona-Virus. 

Silvan Meile
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Ein Häftling im Kantonalgefängnis Frauenfeld bekommt eine Zeitung.

Ein Häftling im Kantonalgefängnis Frauenfeld bekommt eine Zeitung.

Bild: Nana Do Carmo

Einschränkungen wegen des Corona-Virus machen auch vor den Gefängnismauern nicht halt. Im Thurgauer Strafvollzug sind sämtliche Besuchszeiten gestrichen.

«Wir wollen Zugang von aussen möglichst restriktiv halten.» 

Das sagt Silvio Stierli, Leiter des kantonalen Amtes für Justizvollzug. Mit dieser Massnahme versuche man, das Personal und die Insassen vor dem Corona-Virus zu schützen. Unter den Häftlingen gebe es auch ältere Personen, die zur Risikogruppe zählen, sagt Stierli.

Gemäss Hausordnung dürfen die Personen im Haftvollzug einmal wöchentlich einen einstündigen Besuch empfangen. Dies sei nun bis 31.März gestrichen, bevor eine Neubeurteilung stattfinde. Bis dahin ist es auch nicht mehr erlaubt, Geschenke wie beispielsweise Bücher, Zigaretten oder Bargeld für die Häftlinge abzugeben. Der Kiosk innerhalb der Haftanstalt sei aber weiterhin geöffnet.

Häftlinge verfassen eine Petition

Dieses Vorgehen der Justizbehörde löst unter den Häftlingen Unmut aus. In einer handgeschriebenen Pressemitteilung wenden sich 24 Insassen an diese Zeitung. In ihrem Schreiben verweisen sie auf eine Petition, die sie an Direktion des Kantonalgefängnisses richten. Darin heisst es:

«Nach dem landesweiten Wirbel um das viel beschriebene Virus und Ihre Reaktion mit der Sperrung von Besuchen und Gaben erlauben wir uns, einen nicht ‹ansteckenden Mechanismus› als Reformvorschlag zu unterbreiten.»

Die Forderung lautet, dass die Gefangenen, die derzeit auf ihre regelmässigen Besuche von Angehörigen und Freunden verzichten müssen, während der gestrichenen Besuchszeiten wenigstens telefonieren dürfen. Gleichzeitig verweisen die Inhaftierten aber darauf, dass die zwei Telefonkabinen in ihrer Anstalt bereits jetzt «meistens überbelegt» seien.

Viel Zeit zu telefonieren, aber kaum eine freie Kabine

Die Streichung der Besuchszeiten sei tatsächlich «eine schwerwiegende Massnahme», sagt Stierli. Der Entscheid dazu sei nicht leicht gefallen.

«Besuche sind im Strafvollzug wichtig.»

Dennoch habe der Entschluss gefällt werden müssen. Wie die gesamte Bevölkerung seien eben auch die Häftlinge von Einschränkungen aufgrund von Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus betroffen.

Grundsätzlich hätten die rund 30 Personen, die ihre Strafe im Kantonalgefängnis absitzen, täglich mehr als vier Stunden sogenannte «Sozialzeit». Dabei dürften sie sich innerhalb des Trakts bei offenen Zellentüren frei bewegen.

In dieser Zeit bestünde auch die Möglichkeit, kostenpflichtige Telefongespräche zu führen. Die Kritik der Gefangenen, die Telefonkabinen seien aber ständig besetzt, ist bei Stierli angekommen. Die Situation werde überprüft.