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Wieder Ärger wegen Mängeln bei der neuen Frauenfelder Hauptpost - Frau verletzt sich bei Sturz

Eine Frau stürzt die Treppe bei der neuen Hauptpost hinunter und verletzte sich am Fuss. Nun stellt sich heraus: Beleuchtung und Handläufe fehlen, und die Tritte sind zu kurz. Die Post will nachbessern.
Stefan Hilzinger
Urs Hähni, Fachberater Hindernisfreies Bauen bei Pro Infirmis, vermisst die Treppenstufe. (Bild: Reto Martin)

Urs Hähni, Fachberater Hindernisfreies Bauen bei Pro Infirmis, vermisst die Treppenstufe. (Bild: Reto Martin)

Der Ärger um die neue Frauenfelder Hauptpost geht weiter. Nicht nur für Menschen im Rollstuhl ist der Gang zu den Schaltern ein Hindernislauf, sondern auch für Fussgänger. Eine Frau aus Gerlikon stürzte vor kurzem abends auf der Treppe, die auf Seite «Rhyhof» hinunter zu den Parkplätzen führt. «Ich trat vom beleuchteten Platz ins Stockdunkel des Treppenabgangs. Beim Sturz zog ich mir am linken Fuss eine Bänderdehnung zu», berichtet sie. Seither trägt sie eine Schiene und muss längere Strecken an den Stöcken gehen.

Eine lange Mängelliste

Der Unfall ist ein Einzelfall, doch die Mängelliste an besagter Treppe lang. Das weiss Urs Hähni, Fachberater hindernisfreies Bauen bei Pro Infirmis Thurgau. Er zückt die SIA Norm 500. «Die gilt seit mittlerweile neun Jahren», sagt Hähni. Da wären einmal die Handläufe: «Die Norm schreibt beidseitige Handläufe vor.» Im unteren Teil der Treppe hat es zwar einen, doch nur auf einer Seite. Die Holme sind abgeflacht, was ebenfalls nicht der Norm entspreche. «Handläufe müssen im Querschnitt rund oder oval sein», sagt Hähni. Aus ergonomischen Gründen, um sich besser festhalten zu können.

Ein erstes Lichtband ist angebracht

Zweiter Mangel ist die fehlende Beleuchtung. Am Donnerstag brachte ein Elektriker zwar ein Lichtband an. Doch am Abend, als die Postkundin stürzte, gab es dort noch kein Licht. «Die Stufen sah ich praktisch nicht», sagt sie. Nächster Minuspunkt sind laut Hähni fehlende Kontrastmarkierungen auf den Tritten oder beim Übergang auf den Treppenabsatz. Und dann – Hähni hält den Doppelmeter auf die Stufe – sind da die zu schmalen Tritte. «Vorschrift sind 28 Zentimeter. Ich messe hier rund 26 Zentimeter.» Ein Schuh von Grösse 42 ist breiter als der Tritt. Die Norm-Tritthöhe von 17,5 Zentimetern ist eingehalten.

Die Post bedauert ausserordentlich

«Wir bedauern ausserordentlich, dass sich die Kundin verletzt hat und wünschen ihr rasche Genesung», sagt Markus Werner, Verantwortlicher regionale Kommunikation Nord bei der Post. Die Treppe sei gemäss den einschlägigen Baunormen und gemäss Baubewilligung von 2014 erstellt worden. «Handläufe und Beleuchtung sind geplant und in Ausführung», sagt Werner. Die Beleuchtung war am Donnerstag in Arbeit, die Handläufe folgen «wegen Lieferfristen in Kürze».

Nachträglich Türen automatisieren

Ausser mit der Treppe haben Pro Infirmis, Stadt und Bauherrschaft weiterhin mit dem mangelhaften Zugang zur Post für Menschen mit Behinderung zu tun. Vor kurzem fand deswegen eine Begehung statt. «Die neue Lösung mit dem Zugang via Tiefgarage steht seit Mitte Oktober», sagt Post-Sprecher Werner. Der Lift bringt Rollstuhlfahrer auf das Niveau der Rheinstrasse, von wo aus der Zugang zur Postfiliale möglich sei. «Wir sind daran, letzte Anpassungen und Verbesserungen für diese Lösung umzusetzen – gemäss Absprache mit Pro Infirmis», sagt Werner weiter. So werden die Türen im Gebäude mit automatischen, elektrischen Türöffnern ausgerüstet. «Zudem bringen wir bei der Einfahrt zur Tiefgarage ein grösseres Schild an, um deutlicher auf den behindertengerechten Zugang aufmerksam zu machen.» Dies soll demnächst geschehen. Werner fügt an:

«Der Zugang via Tiefgarage steht natürlich allen unseren Kunden als Alternative zur Aussentreppe zur Verfügung.»


Seit rund zweieinhalb Jahren arbeiten Stadt und Pro Infirmis beim Thema Hindernisfreies Bauen zusammen. 2014, als der Postneubau bewilligt wurde, war dies noch nicht der Fall.

Rechtlich noch eine Baustelle

Obwohl die Schalter der Post bereits geöffnet und ein Teil der Wohnungen schon bezogen sind, gilt die neue Frauenfelder Hauptpost rechtlich noch als Baustelle. Das sagt der Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Helbling.
«Die Stadt hat den Bau, mit Ausnahme der Pizzeria, noch nicht abgenommen.» Es habe keinen Sinn ein Bauwerk abzunehmen, solange es noch offensichtliche Mängel zu beheben gäbe. Bei der Bauabnahme prüft die Baubehörde, ob die Bauherrschaft die Vorgaben der Baubewilligung eingehalten hat. Im Anschluss an die Abnahme verordnet die Baubehörde allfällige Nachbesserungen.
Der Kanton Zürich kennt eine behördlich Abnahme vor Bezug und eine sogenannte Bezugsbewilligung. «Im Thurgauer Planungs- und Baugesetz fehlt dies leider», sagt Helbling. (hil)

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