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Frauenfelder Künstlerin brennt Zufälligkeit

Ursula Bollack zeigt im Guggenhürli in Frauenfeld unter dem Titel «Unterwegs» neue Serien von Raku-Keramik sowie Fotografien mit Texten. Übermorgen Freitag ist Vernissage. Die Schau dauert bis Mitte September.
Mathias Frei
Ursula Bollack und ein Raku-Keramikstreifen. (Bild: Mathias Frei)

Ursula Bollack und ein Raku-Keramikstreifen. (Bild: Mathias Frei)

Zeit vergeht. Ein Tag oder ein ganzes Leben. Das fängt Ursula Bollack in ihren Raku-Keramikserien auf. Auch beim Brennen eines ziegelartigen Raku-Objekts vergeht Zeit, sicher drei bis vier Stunden. Seit 30 Jahren arbeitet die Frauenfelder Künstlerin mit der speziellen Keramik-Brenntechnik, die aus Japan stammt. Nun bestreitet sie eine Einzelausstellung im Guggenhürli. Am Freitag ist Vernissage. Zu sehen sind 14 aktuelle Keramikserien, dazu neun Bild-Text-Paare.

«Ich gehe nicht ins Atelier, um zu warten, bis mich die Muse küsst.»
(Ursula Bollack)

Technisches Wissen und Erfahrungswerte treffen auf Unberechenbarkeit, das zufällige Moment ist nicht beeinflussbar. Bollack formt die quadratischen Objekte aus Ton, der hohe Temperaturdifferenzen aushält. Denn nach dem Trocknen kommen die Stücke mitsamt Glasur in den Ofen, der bis zu 1000 Grad heiss wird. Das Brennen dauert seine Zeit. Dann behändigt sich Bollack der glühenden Ziegel mit einer Zange und bringt sie in Kontakt mit Sägemehl, das zu brennen beginnt, der sogenannte Nachbrand. Nun kommt die Zufälligkeit ins Spiel. Je nach Glasur kommen chemische Reaktionen zustande. Bollack weiss in der Theorie, bei welcher Glasur welche Reaktionen zu erwarten sind. Aber sie weiss nicht, wie sich diese Reduktionen oder Oxidationen in Wirklichkeit ausformen. So erstaunt es auch nicht, dass die Idee vor dem eigentlichen Arbeitsprozess feststeht. «Ich gehe nicht ins Atelier, um zu warten, bis mich die Muse küsst», sagt Bollack, die Mitglied bei «Kunst Thurgau» ist.

Netze von Rissen, Linien oder Ausfransungen

Ursula Bollack interessiert sich für das soziale Interagieren in einem Zeitraum. Das bringt sie mittels der Glasuren auf die Keramik. Mal sind es Netze von Rissen in der Glasur, sogenannte Craquelées, mal fleckige Farbübergänge, mal klare Linien, mal ausfrasende Flächen, etwa bei Eisenoxid. Man lebe sein Leben in Bahnen, und dann passiere etwas, das man sich so nicht vorgestellt habe oder das unerwartet schön sei, sagt Bollack. Bisweilen glaubt man Kurven von Herz- oder Hirnströmen zu sehen. Diese Deutung greift für Bollack aber zu wenig. Denn dieser zweidimensionalen Vorstellung fehlt die Tiefe, das soziale Umfeld, das Kopf und Herz beeinflusst. Daneben zeigt Bollack Bild-Text-Paare. Die Fotografien bilden Momente des Lebens ab. Die kurzen Texte enden oft mit einem Fragezeichen. «Weil ich meine Position nicht jemand anderem überstülpen will», wie sie erklärt

Vernissage: Freitag, 17. August, 17 Uhr. Ausstellung bis 16.September. Samstag, 14 bis 16 Uhr; Sonntag, 10 bis 12 Uhr/14 bis 16 Uhr. Guggenhürli.

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