Gastrosterben am Untersee: Vor allem in Ermatingen schliessen auffällig viele Restaurants

In jüngster Zeit schlossen in der Gemeinde am Untersee auffällig viele Restaurants. Bei den meisten fehlte eine geregelte Nachfolge.

Geraldine Bohne
Drucken
Teilen
Ausblick auf den See: Das Örtchen verzaubert mit seinem alten Dorfkern. (Bild: Reto Martin)

Ausblick auf den See: Das Örtchen verzaubert mit seinem alten Dorfkern. (Bild: Reto Martin)

«Hecht», «Adler», «Trischli» und noch einige mehr. Die kürzlich zugegangenen Gastrobetriebe am Untersee lassen sich nicht mehr an einer Hand abzählen. Vor allem in der Gemeinde Ermatingen schliessen auffällig viele Restaurants.

Das Restaurant Hecht in Ermatingen ist geschlossen. (Bild: Reto Martin)

Das Restaurant Hecht in Ermatingen ist geschlossen. (Bild: Reto Martin)

Mit dem Gas­trosterben kämpfen aber nicht nur die Thurgauer, auch in Deutschland kennt man das Problem. Hohe Arbeitsbelastung, ausbleibende Kundschaft und mangelndes Geld sind nur einige der Gründe.

Ermatinger schliessen

Das Restaurant Hecht ist seit Mitte Juni geschlossen, weil ein Pächterwechsel stattfindet. Es sollte eines Tages wieder öffnen. Das Restaurant Adler ist seit anfangs 2018 geschlossen und steht zum Verkauf. Einst haben dort Kaiserin Eugenie oder Prinz Luis Napoléo gespiesen. Weiter sind in Ermatingen zugegangen; das Restaurant Rebstock (heute: Umbau zu Wohnungen), das Trischli (heute: Wohnhaus), das Seetal (heute: Wohnhaus), der Hirschen (heute: Wohnhaus). Und das Restaurant Schönhalde wurde abgerissen und Wohnungen wurden gebaut. Auch das Hotel «Ermatingerhof» hat nach der Winterpause nicht wieder geöffnet.

Eines der grössten Probleme in Ermatingen ist laut Ulrich Spreiter, ehemaliger Tourismusverantwortlicher der Gemeinde, die fehlende Nachfolge:

«Früher übernahmen die Jungen den Familienbetrieb. Das Gastgewerbe ist bei der Jugend heute aber nicht mehr so beliebt, deshalb verzichten sie oft auf die Übernahme.»

Die Gründe liegen auf der Hand: Das Führen eines Restaurants bedeutet für den Inhaber viel Verantwortung und eine hohe Arbeitsbelastung. Zudem müssen die finanziellen Mittel vorhanden sein.

Umnutzung zur Wohnung

Banken sind mit der Herausgabe von Krediten sehr vorsichtig. «Finanziell ist das Führen eines Restaurants sehr schwierig», sagt Spreiter, der selbst den Kiosk in Ermatingen bewirtschaftet. Viele ehemalige Wirtschaften, wie das Restaurant Trischli oder das Seetal, wurden bereits an Immobilienfirmen verkauft und werden heute als Wohnungen genutzt, denn der Unterhalt eines Restaurants am See ist teuer. Spreiter sagt:

«Es schliessen überall Wirtschaften, in Ermatingen ist es nur sehr auffällig.»

Probleme auch in Deutschland

Zugehende Gasthäuser, das Problem kennt man nicht nur am Untersee, weiss der Präsident von Gastro Thurgau, Ruedi Bartel. «Das ist ein allgemeines Problem im Thurgau und der ganzen restlichen Schweiz.» Auch im benachbarten Baden-Württemberg würden immer mehr Betriebe zugehen.

Erst vor kurzem veröffentlichte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Auswertung einer Umfrage zu den Gastronomiebetrieben im Bundesland. Und auch diese zeigt: Immer häufiger schliessen dort Restaurants oder reduzieren ihre Angebote. Die Arbeitsbelastung hat in den vergangenen Jahren um einiges zu-, die Kundschaft um einiges abgenommen. Zudem sind die Mietzinsen hoch, die Nachfolge nicht geregelt.

Deutsche Wirte fordern unter anderem eine Reduzierung der Mehrwertsteuer, eine Regelung der Arbeitszeiten und weniger bürokratischen Aufwand.

«Das Gastrosterben kann man nicht aufhalten», sagt Ruedi Bartel. Nebst der fehlenden Nachfolge sind auch veränderte Lebensgewohnheiten zunehmend ein Problem.

«Viele achten auf ihre Ernährung, wollen leichter und gesünder essen. Diese verzichten oft auf einen Restaurantbesuch.»

Der eigene Garten oder das nahe gelegene Konstanz seien Alternativen, auf die immer öfter gesetzt wird.