Gastronomische Bluescht im «Obstgarten»: Die geschichtsträchtige Frauenfelder Quartierbeiz macht nach elf Jahren Unterbruch wieder auf

Vor zwei Jahren noch ein Abbruchobjekt und zwischenzeitlich sogar ein Politikum. Das ist Vergangenheit. Das Restaurant Obstgarten in Huben ist wieder in Betrieb. Wirt ist Liegenschaftsbesitzer Paul Geiger.

Mathias Frei
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Wirt Paul Geiger mit seinem Team in der Gartenwirtschaft: Monika Furrer, Jacqueline Oswald und Chiara Oswald.

Wirt Paul Geiger mit seinem Team in der Gartenwirtschaft: Monika Furrer, Jacqueline Oswald und Chiara Oswald.

(Bild: Donato Caspari)

Es ist wie Tag und Nacht. Heute ein Schmuckstück, vor zwei Jahren noch mehr Abrissobjekt als etwas anderes. Und zwischenzeitlich war die historische Liegenschaft am Spitalkreisel sogar ein Politikum. Aber das ist Vergangenheit. Mit der Wirtschaft zum Obstgarten ist eine Institution nach elf Jahren zurück.

35 Jahre lang eine gastronomische Institution
unter Maria Soltermann

Vom 30. Dezember 1857 datiert ein Zeitungsinserat betreffend Eröffnung der Wirtschaft zum Obstgarten. Schon vorher gab es aber gleichenorts eine Schenkwirtschaft. Teile des Gebäudes sind über 200 Jahre alt. Zuletzt führte Maria Soltermann das Lokal 35 Jahre lang. Zum 30-Jahr-Jubiläum 2005 gratulierte alt Stadtammann Hans Bachofner der Wirtin persönlich. Nach ihrem Tod 2009 stand die Liegenschaft mehrheitlich leer – bis ein Zürcher Generalunternehmen die Immobilie von der Erbengemeinschaft Gubler übernahm. Diese Firma war auch Bauherrin der nahen Bsetzi-Überbauung. Im Frühling 2017 erfolgte der Verkauf an die TSS Bau GmbH, deren Inhaber der Thundorfer Bauunternehmer Paul Geiger ist. Das Restaurant ist von der kantonalen Denkmalpflege als «wertvoll» eingestuft worden. Seit 2016 steht das Gebäude unter Schutz. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei der Einfluss auf das Ortsbild. Denn der «Obstgarten» ist die letzte ursprüngliche Baute des Ortes Vorderhuben und damit letzter Zeitzeuge der Baugeschichte im Quartier Huben. (ma)

Der zukünftige Onlineauftritt: www.obstgarten-frauenfeld.ch

Die sanierte Wirtschaft zum Obstgarten.

Die sanierte Wirtschaft zum Obstgarten.

(Bild: Donato Caspari)

Eine Quartierbeiz vom alten Schlag soll der «Obstgarten» wieder werden. Mit einem Stammtisch, wo der Handwerker dem Regierungsrat zuprostet, wie früher unter Wirtin Maria Soltermann, mit gutbürgerlicher Küche und neu auch einer schönen Gartenwirtschaft. Das ist das Ziel des Thundorfer Bauunternehmers Paul Geiger. Die Liegenschaft ist im Besitz seiner TSS Bau GmbH, und er ist der neue Wirt. Ziemlich viel Herzblut hat er in den «Obstgarten» investiert.

«Und auch ein paar Franken.»

An Auffahrt war der «Obstgarten» erstmals wieder offen. Geiger spricht von einem Probelauf. Den regelmässigen Gastrobetrieb will er erst aufnehmen, wenn die pandemiebedingten Beschränkungen fallen.

«Auf einen Monat früher oder später kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an.»
Ein Teil der Gaststube im Restaurant Obstgarten.

Ein Teil der Gaststube im Restaurant Obstgarten.

(Bild: Donato Caspari)

Bis dahin will Geiger aber bei schönem Wetter tageweise die Gartenwirtschaft aufmachen und jeweils ein Menu anbieten. So auch am kommenden Pfingstwochenende.

Offen über Pfingsten

Die «Obstgarten»-Gartenwirtschaft ist die kommenden Tage so geöffnet: Do, 28.5., Schnitzel/Pommes; Fr, 29.5., Fischknusperli/Pouletflügel/Pommes; Sa, 30.5., Cordon bleu/Pommes; jeweils von 9 bis 21 Uhr. So, 31.5., Brunch (22.-/Erwachsener, bis 14 Uhr) und Cordon bleu/Pommes (ab 14 Uhr); 10 bis 21 Uhr.
Brunch auf Voranmeldung: wirtschaft.obstgarten@stafag.ch oder Telefon 052 552 62 44. (ma)

Pouletflügeli waren schon am Nachmittag aus

Das Restaurant Obstgarten.

Das Restaurant Obstgarten.

(Bild: Donato Caspari)

An Auffahrt hatte Geiger Pouletflügeli angeboten – und musste sich auf Grund der unerwartet grossen Nachfrage bereits am frühen Nachmittag bei befreundeten Gastronomen Nachschub besorgen. Ein gelungener Probelauf mit viel zufriedener Kundschaft. Am meisten Freude bereitete Geiger das Kompliment von Hansruedi Soltermann, dem Mann der verstorbenen Wirtin Soltermann. Dieser wohnt an der nahen Talstrasse und freut sich ungemein, dass der «Obstgarten» endlich wieder offen ist.

«Hier werde ich gerne Stammgast.»

Das sagt er und hat es mit Freunden cheibe glatt im ehemaligen Lokal seiner verstorbenen Ehefrau.

In der Gaststube in der Wand eingelassen: eine Kachel aus dem Kachelofen, der einst in der Beiz stand.

In der Gaststube in der Wand eingelassen: eine Kachel aus dem Kachelofen, der einst in der Beiz stand.

(Bild: Donato Caspari)

Als Paul Geiger im Frühling 2017 die Liegenschaft übernahm, war es noch kein Thema, dass er dereinst auch das Restaurant betreiben sollte. «Das hat sich erst in letzter Zeit abgezeichnet.» Wenn er selber wirte, habe er es in der eigenen Hand, sagt Geiger.

«Ich habe ein gutes Team zusammen. Das Servicepersonal mit Jacqueline Oswald, deren Tochter Chiara Oswald und Monika Furrer hat Erfahrung.»

Der Wirt sucht nun noch einen Koch. Deshalb kommt ihm gelegen, dass die offizielle Eröffnung noch nicht pressiert. Denn Geiger wird weiterhin in seinem angestammten Beruf als Bauunternehmer tätig bleiben. Obwohl ihm die Gastronomie in die Wiege gelegt wurde. Denn seine Eltern sind Beizer. Mutter Renate Mauerhofer wirtete lange auf dem «Hirschen» in Niederuzwil. Vater Ernst Geiger führte über 30 Jahre die «Linde» in Weingarten. Geigers Stiefvater ist Walter Mauerhofer junior.

«Schon von Kindesbeinen an habe ich im Plättli-Zoo mitgeholfen.»
Mauer aus Steinen aus dem Keller und Dachbalken.

Mauer aus Steinen aus dem Keller und Dachbalken.

(Bild: Donato Caspari)

Gaststube zwischen modern und rustikal

Was Geiger aus seiner ersten eigenen Beiz gemacht hat, lässt sich sehen.

«Ich will kein Schickimicki-Restaurant machen, sondern einen guten Znüni anbieten, mittags ein bis zwei Tagesmenus, am Abend A-la-carte-Service.»
Hintereingang der Wirtschaft zum Obstgarten und Aufgang zu den Wohnungen im Obergeschoss.

Hintereingang der Wirtschaft zum Obstgarten und Aufgang zu den Wohnungen im Obergeschoss.

(Bild: Donato Caspari)

Die Öffnungszeiten stehen schon fest: Dienstag bis Sonntag, von 8 bis 24Uhr. Regionale Lieferanten sind Geiger wichtig. Getränke liefert Schäfli aus Pfyn, von der dortigen Chäsi kommt der Käse. Fleisch bezieht der Wirt von Schenk (Bänikon) und Blatter (Mettlen). Bis in etwa drei Jahren werden die Plantanen die Gartenwirtschaft mit knapp 150Sitzplätzen überwachsen haben. In der Gaststube, die viele Details aus dem alten «Obstgarten» enthält, hat es Platz für 80 Personen. Im Untergeschoss gibt es zudem ein Sitzungszimmer. Die Küche ist topmodern ausgestattet.

Wie Geiger sagt, war Markus Hofmann von Hofmann&Fisch aus Affeltrangen einer der Hauptbeteiligten an der Sanierung der Liegenschaft – «mit all seinem Fachwissen und viel Herzblut». Erwähnung solle zudem Uebigau Gartenbau aus Frauenfeld finden für die gelungene Grünanlage.

Die Gartenwirtschaft, vom Kreisel aus gesehen.

Die Gartenwirtschaft, vom Kreisel aus gesehen.

(Bild: Donato Caspari)